Trump-Route in „Russlands Vorhof“

Kampfansage an Moskau und Teheran: USA bringen Waffen- und Atomdeals in den Kaukasus

Erstmals reist mit J.D. Vance ein US-Vizepräsident nach Armenien und Aserbaidschan. Mit dabei: Atomabkommen. Der frühere Partner Georgien steht im Abseits.

Trump mit Aserbaidschans Präsident Alijew und Armeniens Premier Paschinjan: Die USA intensivieren ihr Engagement im Südkaukasus.
Trump mit Aserbaidschans Präsident Alijew und Armeniens Premier Paschinjan: Die USA intensivieren ihr Engagement im Südkaukasus.Nathan Howard/imago

US-Präsident Donald Trump kündigt auf seinem sozialen Medium Truth Social an, dass Vizepräsident J.D. Vance Armenien und Aserbaidschan besuchen wird. Es handelt sich damit um den ranghöchsten Besuch eines US-Vertreters in der Region seit der Reise von Präsident George W. Bush nach Georgien im Jahr 2005. Bislang hat kein amtierender US-Präsident oder Vizepräsident eines der beiden Länder im südlichen Kaukasus besucht.

Das Hauptziel des Besuchs ist laut Trump die Förderung der sogenannten Trump-Route (TRIPP, Trump Route for International Peace and Prosperity). Dabei handelt es sich um ein Projekt zur Schaffung einer Verkehrsverbindung zwischen Aserbaidschan und seiner Exklave Nachitschewan durch das Territorium des ehemals verfeindeten Armenien. Die Route soll Eisenbahn-, Straßen-, Energie- und Kommunikationsverbindungen umfassen.

Vance soll „Trump-Route“ vorantreiben

Trump dankt in seinem Post dem armenischen Premierminister Nikol Paschinjan und dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew für die Einhaltung des „Friedensabkommens“. „Das war ein brutaler Krieg, einer von acht, die ich beendet habe, aber jetzt herrschen Wohlstand und Frieden“, schreibt Trump. Dabei bezieht er sich auf die Dokumente, die die drei Staatschefs im August 2025 in Washington unterzeichneten, wobei Trump fälschlicherweise behauptet, der Friedensvertrag sei unterzeichnet worden. Tatsächlich wurde das Dokument nur paraphiert, nicht vollständig unterzeichnet.

„Wir werden unsere strategische Partnerschaft mit Aserbaidschan stärken, ein wunderbares Abkommen über friedliche Nuklearkooperation mit Armenien abschließen, Vereinbarungen mit unseren großen Halbleiterherstellern treffen und in den USA hergestellte Verteidigungsausrüstung wie Schutzwesten und Boote an Aserbaidschan verkaufen“, erklärt Trump.

Der russische Politologe und Amerikaexperte Malek Dudakow kommentiert gegenüber dem armenischen Nachrichtenportal Alpha News, der Besuch werde dem Abkommen zwar Aufmerksamkeit verleihen, aber wahrscheinlich keine substanziellen Ergebnisse bringen. „Die amerikanische Administration wird diesen Besuch sicherlich nutzen, um ihren Einfluss in der Region zu stärken und den Einfluss des Iran, Chinas und Russlands zu bekämpfen. Aber die Möglichkeiten sind begrenzt, da von einer militärischen Präsenz der USA bisher keine Rede ist“, sagt Dudakow.

Waffenverkäufe an Aserbaidschan

Die angekündigten Waffenverkäufe an Aserbaidschan stellen einen bedeutenden Kurswechsel in der US-Politik dar. Seit 1992 verbietet die sogenannte Section 907 des Freedom Support Act direkte US-Hilfe an die aserbaidschanische Regierung. Der US-Kongress verabschiedete diese Einschränkung während des Ersten Bergkarabach-Krieges als Reaktion auf die aserbaidschanische Blockade der Armenier in Bergkarabach.

Seit 2001 kann der US-Präsident diese Beschränkungen vorübergehend aussetzen, was seitdem mehrfach geschah. Im Rahmen des Washingtoner Treffens im August 2025 genehmigte Trump erneut eine vorübergehende Aussetzung der Section 907. Eine vollständige Aufhebung erfordert jedoch einen Beschluss des Kongresses. Alijew hofft, dass der Kongress dieses aus seiner Sicht „ungerechte und veraltete“ Dokument bald endgültig abschafft.

Alexander Iskandarjan, Leiter des armenischen Kaukasus-Instituts, erklärt gegenüber der russischen Zeitung Nesawissimaja Gaseta, die Hauptaufgabe von Vance sei der Start der Arbeiten am TRIPP-Projekt. „Das bedeutet nicht, dass bei einem einzigen Besuch alles gelingt, aber die Amerikaner beabsichtigen, ihr Projekt im Südkaukasus voranzutreiben“, sagt Iskandarjan.

Farid Schafijew, Leiter des Zentrums für Analyse internationaler Beziehungen in Baku, erwartet vom Vance-Besuch eine weitere Stärkung der bilateralen Beziehungen. „Was die amerikanischen Schutzwesten und Boote betrifft, ist für uns die Tatsache der Wiederaufnahme der militärisch-strategischen Zusammenarbeit wichtig“, erklärt Schafijew gegenüber der Nesawissimaja Gaseta.

Grafik: BLZ. Quelle: The White House

Trump drängt Moskau und Teheran aus dem Kaukasus

Für Armenien steht ein Abkommen über friedliche Nuklearkooperation im Raum. In den vergangenen zwei Jahren verhandelten Jerewan und Washington über den Bau eines neuen Atomkraftwerks oder eines neuen Reaktorblocks für die bestehende Anlage bei Mezamor. Paschinjan betonte allerdings, er führe ähnliche Gespräche auch mit Russland, Frankreich, Südkorea und China.

Ende 2025 übermittelte der russische Atomkonzern Rosatom eigene Vorschläge an Jerewan. Moskau hält diese für die attraktivsten in finanzieller und technischer Hinsicht. Iskandarjan erklärt, Jerewan habe zwar die politische Entscheidung getroffen, amerikanische Komponenten für den Bau eines Nuklearblocks zu nutzen, doch das Ergebnis wäre eine modulare Atomanlage, die es weltweit noch nicht gibt.

Armenien, traditionell enger Verbündeter Moskaus, wendet sich nach bitteren Erfahrungen der vergangenen Jahre immer mehr vom Kreml ab. Während des Bergkarabach-Krieges 2020 griff Russlands regionales militärisches Verteidigungsbündnis, die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) nicht ein, obwohl Armenien Mitglied ist.

Auch bei den aserbaidschanischen Vorstößen auf armenisches Territorium 2021 und 2022 sowie bei der Auflösung der selbsternannten Republik Bergkarabach 2023 blieb russische Hilfe aus. Diese Erfahrungen hat die armenische Politik – sowohl die Regierung als auch Opposition – in Richtung westlicher Partner getrieben.

Zugleich herrscht Eiszeit zwischen Baku und Moskau, seit Russland über Kasachstan eine Passagiermaschine der aserbaidschanischen Fluggesellschaft Azal abgeschossen hat. Baku pflegt enge militärische Beziehungen zu Israel und sucht seit Trumps Präsidentschaft verstärkt die Nähe zu Washington.

Der Iran wiederum, der an beide postsowjetische Länder grenzt, wird zunehmend als geopolitische Belastung und sicherheitspolitische Bedrohung wahrgenommen. Während Armenien mit Teheran kooperiert, um Baku einzuhegen, steht Aserbaidschan mit den Mullahs im Clinch – nicht zuletzt, weil der Iran separatistische Bestrebungen in der gleichnamigen Provinz Aserbaidschan auf seinem Staatsgebiet fürchtet.

Die Trump-Administration nutzt diese Konstellation, um beide Staaten aus dem russisch-iranischen Orbit zu lösen und in die eigene Einflusssphäre zu ziehen.

Georgien: Vom Verbündeten zum Niemand

Während Armenien und Aserbaidschan ranghohen Besuch erwarten, bleibt interessanterweise Georgien außen vor. Das Land am Schwarzen Meer, das bis vor wenigen Jahren den Nato- und EU-Beitritt nicht nur forcierte, sondern in seiner eigenen Verfassung verankerte, hat Washington offenbar nichts mehr zu bieten.

Der georgische Premierminister Irakli Kobachidse weist Spekulationen über eine absichtliche Nichtberücksichtigung zurück. „Der Besuch des US-Vizepräsidenten ist speziell dem TRIPP-Projekt gewidmet – daher ist es logisch, dass in diesem Fall die Adressaten des Besuchs diese beiden konkreten Länder sind“, erklärt Kobachidse gegenüber Journalisten. Auf die Frage, welche Rolle Georgien bei den US-Transitplänen für den Südkaukasus spielen werde, weicht er aus: „Das müssen sie entscheiden.“

Auffällig ist Kobachidses Verwendung des Begriffs „Sangesur“ für das armenische Gebiet, durch das die geplante Trump-Route verlaufen soll. In Armenien gilt der Begriff als politisch sensibel, da er die Provinz Sjunik als „West-Sangesur“, also als Teil Aserbaidschans, einrahmt und damit territoriale Ansprüche nahelegt. Ob Kobachidse die Bezeichnung bewusst wählte, bleibt unklar.

Der Politologe Paata Sakareiswili von der Grigol-Robakidse-Universität in Tiflis widerspricht im Gespräch mit dem russischsprachigen Portal Rusarminfo der Einschätzung des georgischen Premierministers. Die „Erklärung“ der georgischen Führung sei eine Täuschung der Bevölkerung. Der wahre Grund sei, dass die USA Georgien ignorieren und nicht mit dessen Regierung zusammenarbeiten wollen.

Premier Kobachidse verweist auf den schwierigen Kontext der georgisch-amerikanischen Beziehungen, den die Biden-Administration geschaffen habe. Tiflis habe öffentlich erklärt, bereit zu sein, „die strategische Partnerschaft mit einem sauberen Blatt und einem konkreten Fahrplan zu erneuern“, und warte auf Entscheidungen aus Washington.

Gleichzeitig betont der Premierminister, Georgien stärke weiterhin seine Rolle als regionales Logistik- und Transitzentrum durch praktische Zusammenarbeit mit Armenien und Aserbaidschan. Mit Unterstützung der Asiatischen Entwicklungsbank würden gemeinsame Zollprojekte mit beiden Ländern umgesetzt.