Globale Machtverschiebungen

Brics wächst immer weiter: Bekommt der Nicht-Westen ein neues Mitglied?

Ein afrikanisches Land drängt in das Brics-Bündnis. Rückendeckung kommt aus Südafrika, entschieden werden könnte der Schritt beim nächsten Gipfel in Indien.

Die Brics-Staaten repräsentieren zusammen rund 45 Prozent der Weltbevölkerung, während die G7-Länder auf weniger als zehn Prozent kommen.
Die Brics-Staaten repräsentieren zusammen rund 45 Prozent der Weltbevölkerung, während die G7-Länder auf weniger als zehn Prozent kommen.Rafalia Henitsoa/imago

Die Brics-Staatengruppe könnte schon bald ein weiteres Mitglied bekommen. Madagaskar hat offiziell sein Interesse bekundet, dem nichtwestlichen Wirtschafts- und Politikbündnis beizutreten. Übergangspräsident und Militärchef Michael Randrianirina erklärte nach einem Besuch in Südafrika, dass Präsident Cyril Ramaphosa seine Bitte unterstützt habe, Madagaskar als Brics-Partnerland aufzunehmen. Eine Entscheidung könnte auf dem nächsten Brics-Gipfel im Juni in Indien fallen.

Randrianirina, der nach massiven Protesten und einem Militärputsch im Herbst 2025 die Macht übernommen hatte, sprach von einem „wichtigen Schritt zur Neupositionierung Madagaskars in der internationalen Ordnung“. Er bestätigte, dass er selbst am kommenden Gipfel in Neu-Delhi teilnehmen wolle. Für eine Aufnahme ist jedoch die Zustimmung aller Brics-Mitglieder erforderlich.

Annäherung an Russland und Abkehr vom Westen

Die Annäherung Madagaskars an die Brics geht einher mit einer deutlichen außenpolitischen Neuorientierung des Landes. Die Militärregierung der Insel im Indischen Ozean hat zuletzt ihre Beziehungen zu Russland intensiviert, unter anderem durch Waffenlieferungen aus Moskau. Westliche Staaten und die Afrikanische Union reagierten kritisch auf den Machtwechsel in Antananarivo; Madagaskar wurde zeitweise von Gremien der Afrikanischen Union suspendiert.

Beobachter der afrikanischen Politik sehen darin ein Muster, das sich auch in anderen afrikanischen Staaten mit Militärregierungen zeigt. Die Hinwendung zu Brics wird mitunter als Alternative zu westlich dominierten Institutionen wie der Afrikanischen Union und als Signal gegen politische Auflagen aus Europa und den USA verstanden.

Die Brics wurden ursprünglich von Brasilien, Russland, Indien und China gegründet; Südafrika trat 2010 bei. Das Bündnis versteht sich als Gegengewicht zu westlich geprägten Machtzentren wie die G7, IWF oder Weltbank. Ziel der Gruppe ist eine stärkere Stimme des Globalen Südens in der Weltpolitik, engere wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie die schrittweise Verringerung der Abhängigkeit vom US-Dollar.

Grafik: BLZ.

In den vergangenen Jahren haben die Brics ihre Reihen deutlich erweitert. Zu den Vollmitgliedern zählen inzwischen auch Ägypten, Äthiopien, Indonesien, der Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Daneben gibt es einen Kreis von Partnerstaaten, darunter zählen unter anderem Algerien, Nigeria und Uganda. Außerhalb Afrikas zählen Staaten wie Belarus, Kuba, Usbekistan, Thailand und Vietnam zu den Brics-Partnerstaaten.

Ein möglicher Beitritt Madagaskars würde die Präsenz der Brics in Afrika weiter stärken. Das Bündnis gewinnt damit nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geopolitisch an Gewicht, insbesondere vor dem Hintergrund globaler Machtverschiebungen, wachsender Spannungen zwischen dem Westen und Russland sowie Chinas wachsendem Einfluss im Globalen Süden.