Mit dem sarkastischen Slogan „Wir töten für Deutschland. Auch Bock?“ luden Studierende zu einer Demonstration gegen die Präsenz der Bundeswehr an Hochschulen ein. Anlass der Demo war ein Stand der Bundeswehr auf der Karrieremesse der Universität Potsdam Ende April. Gründe für Demonstrationen wie diese sind die neuen Wehrdienstgesetze der Bundesregierung.
Eine verpflichtende Wehrpflicht besteht weiterhin nicht – sie ist seit 2011 ausgesetzt. Seit Anfang 2026 gilt jedoch ein reformiertes Wehrdienstgesetz: Demnach sollen Männer grundsätzlich Auslandsaufenthalte von mehr als drei Monaten bei der Bundeswehr genehmigen lassen. In der Praxis wird diese Regel derzeit jedoch nicht angewendet, da der Wehrdienst weiterhin freiwillig ist und die Genehmigung als erteilt gilt.
Parallel werden alle 18-jährigen Männer erfasst und zur Auskunft über ihre Wehrdienstbereitschaft befragt. Für Frauen ist dies weiterhin freiwillig. Kritiker sehen darin eine schrittweise Annäherung an eine Wehrpflicht.

Kritik: Anwesenheit der Bundeswehr an der Universität
Organisiert wurde die Demo vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) gemeinsam mit verschiedenen Hochschulgruppen und politischen Initiativen. Redebeiträge kamen unter anderem vom Asta, der Gruppe Internationale der Kriegsdienstgegner*innen e.V. (IDK) sowie von der Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) – thematisch ging es um die Kritik an der Anwesenheit der Bundeswehr, um Kriegseinsätze und um die neuesten Debatten zu Wehrdienstgesetzen.
Ursprünglich hatten die Veranstalter geplant, die Demonstration direkt auf dem Gelände des Campus Golm durchzuführen. Dies wurde jedoch von der Universität untersagt, sodass die Versammlung in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Golm, einem Potsdamer Stadtteil, stattfand.

Verlauf der Demonstration
Gegenüber der Berliner Zeitung sagte der AStA-Vorstand der Universität Potsdam, dass die Demonstration friedlich verlief. Die Stimmung sei zugleich „angenehm und aufgeheizt“ gewesen, es habe viel Austausch zwischen den Teilnehmenden gegeben. Die Zusammenarbeit mit Polizei und Universitätssicherheitsdienst habe „sehr gut funktioniert“, auch wenn eine erhöhte Präsenz von Sicherheitskräften zu beobachten gewesen sei. Zwischenfälle oder direkte Interaktionen mit Außenstehenden habe es nicht gegeben.
Am Rande der Demonstration gab es einen Waffelstand unter dem Motto „Waffeln gegen Waffen“, der laut Veranstaltern gut angenommen wurde. Dieser fand unabhängig von der offiziellen Demonstration statt und wurde von der Flinta-Liste, also einer Art Partei im Studierendenparlament, organisiert.
Protest gegen die Bundeswehr
Inhaltlich richtete sich der Protest gegen die Rolle der Bundeswehr auf universitären Karrieremessen. Der AStA der Universität Potsdam kritisierte, dass die Bundeswehr dort wie ein „normaler Arbeitgeber“ auftrete. Zugleich verwiesen die Organisatoren auf die besondere Bedeutung für junge Menschen und stellten die Forderung nach einer sogenannten Zivilklausel in den Mittelpunkt.
Eine solche Klausel verpflichtet Hochschulen dazu, Forschung und Lehre ausschließlich auf zivile Zwecke auszurichten. Nach Angaben der Veranstalter existieren entsprechende Regelungen bereits an rund 70 Universitäten in Deutschland, wenn auch in unterschiedlichen Ausgestaltungen. Der AStA kündigte an, sich künftig intensiver mit einer möglichen Einführung an der Universität Potsdam zu befassen.

Offizielle Stellungnahme des AStA
Auf Nachfrage der Berliner Zeitung sagte der Vorstand des AStA, Debatten um Wehrpflicht und die Rolle der Bundeswehr seien seit einigen Monaten verstärkt Teil gesellschaftlicher Diskussionen. Davon fühlten sich insbesondere junge Menschen betroffen, auch viele Studierende in Potsdam. Die Demonstration habe ihnen die Möglichkeit gegeben, diese Perspektiven öffentlich zu äußern.




