Im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark herrscht bald ein Tonfall, den man sonst nur aus der Kaserne kennt. Felix Magath kommt zurück. Nicht etwa, um die kriselnde Nationalmannschaft zu retten – das wäre vermutlich selbst für ihn eine Nummer zu groß –, sondern um den FC Bundestag auf Vordermann zu bringen. Während die Abgeordneten im Plenum über Reformen streiten, wird Magath auf dem Rasen die Waden straffen lassen.
Die Nachricht über den neuen Erfolgscoach verstärkte damit auch die Ambitionen für die kommende Heim-Parlamentarier-EM in Lübeck massiv. Dabei stellt sich dem geneigten Beobachter sofort die Frage, warum eigentlich Magath. Wären nicht Peter Neururer oder Friedhelm Funkel angebrachter gewesen, jene klassischen Feuerwehrleute, die darauf spezialisiert sind, Trümmerhaufen in letzter Sekunde vor dem Abgrund zu bewahren.
Die Antwort ist simpel. Glücklicherweise kann der FC Bundestag nicht absteigen, daher müssen auch keine Retter eingreifen. Wobei Magath durchaus die nötige Erfahrung im Abstiegskampf mitbringt und mit kriselnden Klubs bestens vertraut ist, Hertha-Fans wissen, was gemeint ist. Bei der Parlamentsmannschaft denkt man ohnehin nur an den Erfolg. Von den letzten drei Spielen wurden zwei gewonnen, eines endete unentschieden. Nur bei den vergangenen Europameisterschaften lief es noch nicht wie gewünscht.
Leistung entsteht durch Leiden
Der Ruf des „Quälix“ eilt Magath voraus. Er steht für das Erfolgsrezept „Leistung entsteht durch Leiden“. Man sieht sie förmlich vor sich, die Staatssekretäre und Hinterbänkler, wie sie mit Medizinbällen auf den Schultern durch die Gänge des Reichstagsgebäudes keuchen.
Mannschaftskapitän Fritz Güntzler hat die Zeichen der Zeit bereits erkannt. „Wir betrachten die Treppen im Reichstagsgebäude ab sofort nicht mehr als reinen Weg zum Ausschuss, sondern als Grundlagenausdauertraining“, lässt er auf Anfrage der Berliner Zeitung verlauten. Das ist die neue Realität unter Magath. „Wer eine dreistündige Debatte im Plenum übersteht, sollte auch 90 Minuten Pressing unter Magath durchhalten“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete.

Man darf gespannt sein, ob diese neue Härte auch Einzug in die parlamentarische Arbeit hält. Wenn der Haushalt nicht stimmt, gibt es zur Strafe drei Runden Waldlauf im Tiergarten. „Felix Magath ist kein Trainer für Schönwetter-Fußball, und das wissen wir“, so Güntzler weiter.
Keine Ausreden
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Magath-Effekt zündet. Die Gegner in der Vorbereitung sind jedenfalls von Format. Es geht gegen schillernde Truppen wie den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) oder die Göttinger Lokalpatrioten. Das sind die wahren Prüfsteine für unsere Volksvertreter. Hier zeigt sich, ob die Ausdauer tatsächlich genügt, um dem Druck der Finanzwelt und der Provinz gleichermaßen standzuhalten. Bei diesen Saisonspielen wird Magath voraussichtlich noch nicht dabei sein. Dennoch wächst der Druck auf die Spieler, dem neuen Coach zu imponieren.
Dass Bundestagsabgeordnete jeden Dienstag in den Sitzungswochen im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gegen Freizeitteams kicken, galt bisher oft als netter Zeitvertreib, bei dem das Ergebnis eher Nebensache war. Doch mit Magath zieht ein gewollter Masochismus in den Trainingsplan ein. Ein Sieg bei der Heim-EM in Lübeck scheint deshalb wahrscheinlicher als ein Erfolg der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in den USA in diesem Jahr.
Den Männern und Frauen des FC Bundestag ist jedenfalls viel Glück zu wünschen. Und falls es doch nicht klappt, kann Magath immer noch behaupten, die Spieler hätten einfach nicht genug gelitten. In der Politik ist man das Scheitern ja gewohnt, bei Felix Magath gelten jedoch keine Ausreden.
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