Der Wiederaufbau der Ukraine wird in den kommenden zehn Jahren rund 588 Milliarden US-Dollar (rund 498 Milliarden Euro) kosten. Dies geht aus der jüngsten Bewertung der Weltbank, der UN, der EU-Kommission und der ukrainischen Regierung hervor, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Genutzt wurden für die Bewertung Daten vom 24. Februar 2022 bis zum 31. Dezember 2025. Die aktuelle Summe ist demnach zwölf Prozent höher als die Schätzung aus dem vergangenen Jahr. Grund dafür ist dem Bericht zufolge eine Zunahme an Schäden im ukrainischen Energiesektor, die um 21 Prozent gestiegen seien.
Bericht: „Der Schaden nimmt ständig zu“
Russische Angriffe der vergangenen Wochen, die in der Ukraine mehrfach zu großflächigen Ausfällen der Strom- und Wärmeversorgung geführt hatten, wurden dabei in der Schätzung noch nicht berücksichtigt. „Der Schaden ist immens und nimmt ständig zu“, heißt es in dem Bericht.
Der Ausmaß des direkten Schadens habe einen Wert von 195 Milliarden Dollar erreicht, das sei mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2022, hieß es. Besonders betroffen sind dabei die Bereiche Wohnen, Verkehr und Energie, insbesondere in Ballungsgebieten.
Die Gesamtkosten des Wiederaufbaus der Ukraine betrage „fast das Dreifache des prognostizierten nominalen BIP des Landes für 2025“, erklärte die die ukrainische Premierministerin Julia Swyrydenko laut einer UN-Mitteilung. Trotz heftiger russischer Angriffe in diesem Winter habe die Bevökerung „Widerstandsfähigkeit bewiesen, unsere Unternehmer arbeiten weiter“.
Probleme in der ukrainischen Wirtschaft
Das BIP der Ukraine ist im Vergleich zu 2021, also vor dem Krieg, laut Reuters um 21 Prozent gesunken. Bei einem Waffenstillstand könne im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von vier Prozent erreicht werden, hieß es. Bei den jüngsten Friedensverhandlungen in Genf wurde jedoch kein größerer Durchbruch erreicht.
Die Ukraine könnte dem Bericht zufolge rund 40 Prozent des Bedarfs für den Wiederaufbau über den Privatsektor decken, dazu seien jedoch gezielte Reformen notwendig. „Das alte Wirtschaftsmodell der Ukraine mit seinem schwachen Wettbewerb, dem großen Schattensektor und der starken staatlichen Präsenz wird nicht die für die Erholung notwendige wirtschaftliche Dynamik erzeugen“, heißt es in dem Bericht.
EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos erklärte laut UN-Mitteilung, die EU werde über einen Investitionsrahmen mehr private Investitionen für die Ukraine fördern. Zudem sollen wichtige Reformen in dem Land unterstützt werden, „die Investitionen anziehen und die Ukraine der EU-Mitgliedschaft näherbringen sollen“.


