Die spanische Fluggesellschaft Iberia hat am Montag die Aussetzung ihrer Direktflüge zwischen Madrid und Havanna vom 1. Juni bis zum 24. Oktober 2026 bestätigt. Betroffene Passagiere können laut Iberia ihre Reise auf einen Termin bis Oktober 2027 umbuchen, auf ein alternatives Reiseziel ausweichen – darunter Miami, Mexiko-Stadt, Panama-Stadt und Santo Domingo – oder eine Erstattung beantragen.
Bereits im Mai will Iberia die Frequenz von derzeit drei auf zwei wöchentliche Verbindungen reduzieren. Ab Juni bleibt Reisenden als einzige Iberia-nahe Option der Umweg über Panama mit der Partnerfluggesellschaft Copa Airlines, mit der Iberia ein Codeshare-Abkommen unterhält. Die Büros der Fluggesellschaft in Havanna bleiben nach eigenen Angaben geöffnet.
„Diese temporäre Aussetzung betrifft ausschließlich Kuba aufgrund der dortigen Ausnahmesituation. Iberia hält den Rest ihres Flugbetriebs aufrecht und bietet im Sommer eine Rekordzahl von 21,4 Millionen Sitzplätzen an“, teilte die Fluggesellschaft am 13. April mit.
Laut dem unabhängigen kubanischen Medium 14ymedio ist es das erste Mal, dass Iberia die Kuba-Route aus Gründen aussetzt, die ausschließlich auf die Lage im Land zurückgehen. Zuvor hatte die Fluggesellschaft die Strecke nur während einer eigenen Finanzkrise 2013 und während der Corona-Pandemie unterbrochen.
Kanadische und europäische Airlines ziehen sich zurück
Air Canada hatte am 9. März 2026 die Wiederaufnahme seiner Kuba-Flüge auf den 1. November 2026 verschoben. Die kanadische Chartergesellschaft Air Transat verschob die Wiederaufnahme ihrer Verbindungen auf den 20. Juni 2026 und kündigte eine verringerte Sommerkapazität an. Air Europa fliegt Havanna zwar weiterhin an, muss aber wegen des Kerosinmangels auf der Insel bis mindestens 1. Mai einen Tankstopp in Santo Domingo einlegen.
Der Treibstoffmangel geht auch auf die US-Politik zurück. Die Trump-Regierung hat venezolanische Öllieferungen an Kuba blockiert und gedroht, Zölle gegen jedes Land zu verhängen, das die Insel mit Treibstoff beliefert.
Der kubanische Tourismussektor kämpft seit Jahren mit mehrfachen Belastungen. Zu den Folgen der Pandemie kommen eine unter Trump verschärfte Handelsblockade und eine anhaltende Wirtschafts- und Energiekrise. Die Zahl internationaler Besucher liegt weit unter den offiziellen Zielen. Die Hotelkette NH schloss laut Reuters alle ihre Häuser auf Kuba, der spanische Betreiber Meliá drei von 30 Hotels.
Erschwert wird die Lage zudem durch US-Restriktionen bei Transaktionen, die unmittelbar mit dem Tourismus zusammenhängen. Hinzu kommt die Abhängigkeit von ausländischen Quellmärkten und internationalen Verkehrsverbindungen. Die Krise trifft einen Sektor, der Kuba wichtige Devisen bringt und von dem dort viele Menschen direkt oder indirekt abhängen.
Besucherzahlen auf Tiefstand
Die kubanische Statistikbehörde ONEI beziffert die Zahl der internationalen Besucher in den ersten beiden Monaten 2026 auf 262.496 – 30 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Aus Spanien reisten laut 14ymedio nur 4422 Personen an, ein Rückgang von 32 Prozent. Bereits 2025 war die Gesamtzahl der Besucher auf 1,8 Millionen gefallen – laut Reuters der niedrigste Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten.
Der Ökonom Paolo Spadoni von der Augusta University im US-Bundesstaat Georgia sagte Reuters, ein vollständiger Zusammenbruch des Tourismussektors würde „eine unhaltbare Situation für die kubanische Wirtschaft schaffen und deren Überleben gefährden“.
Kuba hält an Tourismusmesse fest
Kubas Tourismusministerium plant die 44. Internationale Tourismusmesse FITCuba am 7. und 8. Mai 2026 in einem teilweise virtuellen Format. Am 9. Mai soll ein öffentlicher Tag im Parque Josone im Badeort Varadero folgen. Die staatliche Nachrichtenagentur Prensa Latina berichtete am 6. April, die Organisatoren wollten mit der Messe neue Verträge anbahnen. Ehrengastland ist Kanada – der wichtigste Herkunftsmarkt für Touristen auf der Insel.
Die Regierung in Havanna betrachtet den Tourismus als einen der wichtigsten Wirtschaftszweige, um drängende Probleme in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Ernährung zu lösen.


