Treffen in Maskat bestätigt

USA und Iran verhandeln am Freitag im Oman – nur über was?

Trump-Berater Kushner und Irans Außenminister Araghtschi führen die Delegationen in Maskat an. Doch beide Seiten haben unterschiedliche Ideen davon, worüber gesprochen werden soll.

Maskat bei Sonnenuntergang. In der Hauptstadt des Oman wollen sich iranische und amerikanische Vertreter am Freitag treffen.
Maskat bei Sonnenuntergang. In der Hauptstadt des Oman wollen sich iranische und amerikanische Vertreter am Freitag treffen.Mariusz Prusaczyk/imago

Trotz grundlegender Meinungsverschiedenheiten über die Verhandlungsagenda werden die USA und der Iran am Freitag in Maskat direkte Gespräche aufnehmen. Das Treffen soll laut dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi gegen 10 Uhr Ortszeit (7 Uhr deutsche Zeit) in der Hauptstadt des Golfstaats Oman beginnen. Auch die amerikanische Seite bestätigte am Donnerstag das Treffen, wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf eine hochrangige US-Regierungsbeamtin meldete.

Die iranische Delegation wird von Araghtschi angeführt, während auf amerikanischer Seite die Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, erwartet werden.

Die diplomatischen Bemühungen finden vor dem Hintergrund massiv gestiegener Spannungen statt. Die USA haben in den vergangenen Wochen Tausende Soldaten in den Nahen Osten verlegt, darunter einen Flugzeugträger, Kriegsschiffe, Kampfjets und Aufklärungsflugzeuge. Trump drohte der iranischen Führung wiederholt wegen des Vorgehens gegen Demonstranten im Iran mit militärischen Maßnahmen.

Streit um Verhandlungsthemen und Ort

Der Weg zu den Gesprächen war holprig. Ursprünglich hatten beide Seiten Istanbul als Verhandlungsort vereinbart. Der Iran bestand jedoch auf einer Verlegung nach Oman, um die Gespräche auf das Atomprogramm zu fokussieren – eine Fortsetzung früherer bilateraler Verhandlungen in dem Golfstaat.

US-Außenminister Marco Rubio machte am Mittwoch deutlich, dass Washington eine breitere Agenda anstrebt. Die Gespräche müssten neben der Atomfrage auch Irans ballistische Raketen, die Unterstützung bewaffneter Gruppen in der Region und die Behandlung der eigenen Bevölkerung umfassen, sagte Rubio gegenüber Journalisten.

Ein hochrangiger iranischer Vertreter wies dies zurück: Das Raketenprogramm sei „vom Tisch“. Ein zweiter iranischer Offizieller warnte, das amerikanische Beharren auf nicht-nuklearen Themen könne die Gespräche gefährden. Bis zuletzt war unklar, ob die US-Seite die Gespräche platzen lassen würde.

Vermittlung durch Golfstaaten

Die Einigung auf das Treffen kam erst zustande, nachdem mindestens neun Länder aus der Region bei der Trump-Regierung intervenierten. Wie das US-Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf US-Beamte berichtete, drängten die Staaten Washington eindringlich, nicht von den Gesprächen Abstand zu nehmen. „Sie haben uns gebeten, das Treffen abzuhalten und anzuhören, was die Iraner zu sagen haben“, zitierte Axios einen US-Vertreter.

Ein zweiter US-Beamter erklärte, die Regierung habe dem Treffen zugestimmt, „um unsere Verbündeten in der Region zu respektieren“ und den diplomatischen Weg weiterzuverfolgen. Gleichzeitig blieb die amerikanische Seite skeptisch: „Wir sind nicht naiv, was die Iraner angeht“, sagte der Beamte.

Trump erhöht Druck auf Teheran

Auf die Frage, ob Irans Oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei besorgt sein sollte, antwortete Trump dem Sender NBC: „Ich würde sagen, er sollte sehr besorgt sein.“ Sollte keine Einigung erzielt werden, würden „wahrscheinlich schlimme Dinge passieren“, warnte der Präsident.

Die Spannungen hatten sich zuletzt weiter verschärft: Am Dienstag schoss das US-Militär nach eigenen Angaben eine iranische Drohne ab, die sich dem Flugzeugträger Abraham Lincoln im Arabischen Meer „aggressiv“ genähert hatte. Zudem berichtete das US-Zentralkommando, dass Irans Revolutionsgarden einen unter US-Flagge fahrenden Tanker in der Straße von Hormus bedroht hätten.

Uranfrage im Zentrum der Gespräche

Westliche Staaten werfen dem Iran vor, nach Atomwaffen zu streben – Teheran bestreitet dies und betont den zivilen Charakter seines Nuklearprogramms. Nach iranischen Angaben wurde die Urananreicherung seit den US-Angriffen im Juni eingestellt.

Iranische Quellen hatten der Nachrichtenagentur Reuters vergangene Woche mitgeteilt, Trump habe drei Bedingungen für Verhandlungen gestellt: keine Urananreicherung im Iran, Begrenzung des Raketenprogramms und ein Ende der Unterstützung regionaler Stellvertretergruppen. Während Teheran alle drei Forderungen als Eingriff in seine Souveränität ablehnt, signalisierten zwei iranische Beamte gegenüber Reuters, dass das Raketenprogramm für die Führung das größere Hindernis darstelle als die Urananreicherung.

Wirtschaftliche Interessen auf iranischer Seite

Der Iran erhofft sich von einer Einigung die Aufhebung westlicher Sanktionen, die seine Wirtschaft schwer belasten. Die iranische Währung fiel zuletzt auf ein Rekordtief gegenüber dem Dollar. Die wirtschaftliche Krise gilt als wesentlicher Treiber der Unruhen im vergangenen Monat, die von den iranischen Sicherheitskräften niedergeschlagen wurden.

Vor den Gesprächen in Oman traf sich Witkoff am Dienstag in Israel mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Israelische Beamte erklärten, Witkoff sei über die neuesten Geheimdiensterkenntnisse zu Iran informiert worden. Netanjahu habe betont, dass dem Iran nicht zu trauen sei.