Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hat Bundeskanzler Friedrich Merz auf der Plattform X persönlich angegriffen und ihm „politische Naivität“ sowie einen „widerwärtigen Charakter“ vorgeworfen. Der Chefdiplomat äußerte zudem die Hoffnung auf einen Regierungswechsel in Berlin: „Wir hoffen, dass Deutschland wieder eine reifere und ehrenhafte politische Führung bekommt.“
Merz reagierte während seines Besuchs in Katar auf die Attacke betonte nüchtern. „Das ist offensichtlich Ausdruck von großer Nervosität und Unsicherheit“. Auf die persönlichen Angriffe ging er nicht weiter ein.
Germany was once the engine of Europe’s progress; now it has turned into an engine of regression.
— Seyed Abbas Araghchi (@araghchi) February 5, 2026
Last September in New York, at Merz’s insistence, the E3 put an end to their role in nuclear negotiations by pursuing the return of UN sanctions on Iran. Now, Merz is begging to be… https://t.co/Stpjb9agnv
Der diplomatische Schlagabtausch entzündete sich an Äußerungen von Merz, wonach die Entwicklungen im Iran regionalen Friedensbemühungen entgegenstünden. Deutschland sei bereit, den Druck zu erhöhen und Gespräche aufzunehmen, um das iranische Atomprogramm rasch zu beenden. In Doha bekräftigte der Kanzler seine Forderung: Der Iran müsse aufhören, eine „destabilisierende Macht in der Region“ zu sein und die Aggression sowie das Atomprogramm beenden.
Frustration über Sanktionen und internationale Isolation
Araghtschi betonte in seinem Beitrag, der Iran habe stets enge Beziehungen zu Deutschland gepflegt. Deutschland sei vom „Motor des Fortschritts in Europa“ zum „Motor des Rückschritts geworden“. Der Minister kritisierte insbesondere, dass Deutschland, Frankreich und Großbritannien im September 2025 den sogenannten Snapback-Mechanismus ausgelöst hatten. Dieser im Wiener Atomabkommen von 2015 vorgesehene Sanktionsmechanismus ermöglicht die Reaktivierung von UN-Sanktionen gegen den Iran und setzte das Abkommen de facto außer Kraft.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Äußerungen von Merz zu den Massenprotesten im Iran Mitte Januar. Der Kanzler hatte damals gesagt: „Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen.“ Teheran wertete dies als „verantwortungslose Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Irans“.


