Thailand will mit Russland Verhandlungen über den Kauf von Öl führen. Sein Land sei bereit, russisches Rohöl zu kaufen und bereite Gespräche dazu vor, erklärte Thailands stellvertretender Premierminister Phipat Ratchakitprakarn laut der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag.
Zuvor hatten die USA eine 30-tägige Ausnahmegenehmigung für den Erwerb von sanktionierten russischen Öllieferungen erteilt, die sich derzeit auf See befinden. Die Regelung soll rund 100 Millionen Barrel russisches Rohöl betreffen, berichtete Reuters unter Angaben des russischen Gesandten Kirill Dmitrijew. Das entspreche fast der globalen Tagesproduktion.
Straße von Hormus blockiert – auch Thailand betroffen
US-Finanzminister Scott Bessent sprach von einer „eng zugeschnittenen“ und „kurzfristigen“ Maßnahme zur Stabilisierung der globalen Energiemärkte. Die Lizenz erlaubt laut Reuters den Kauf und die Lieferung von russischem Rohöl und Erdölprodukten, die bis zum 12. März auf Schiffe verladen wurden. Sie gilt bis zum 11. April.
Der Iran-Krieg hat den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Seehandelsrouten für Öl – weitgehend zum Erliegen gebracht und weltweit für steigende Ölpreise gesorgt. Ratchakitprakarn erklärte laut der englischsprachigen thailändischen Zeitung The Nation, Thailand importiere derzeit etwa die Hälfte seines Öls über die Meerenge.
Das thailändische Außenministerium forderte eine Entschuldigung vom Iran, nachdem am Mittwoch ein thailändisches Schiff von einem Geschoss getroffen wurde. Der Treffer löste Reuters zufolge einen Brand aus und zwang die Besatzung, das Schiff zu verlassen.
Die thailändische Regierung will nun Verhandlungen über Öllieferungen aus anderen Quellen beschleunigen, hieß es. Nach Angaben von Ratchakitprakarn hat Thailand seine Ölreserven bereits erhöht, um den Verbrauch für 98 statt zuvor 92 Tage zu decken.
Zudem werde die Regierung die Dieselpreise weiter überwachen, sagte Ratchakitprakarn. Sie sollen zunächst bis zum 16. März gedeckelt bleiben, wie The Nation berichtet. Danach werden die zuständigen Behörden zusammentreten, um die Preisgestaltung erneut zu prüfen.
Kritik aus Europa an Aussetzung von Sanktionen
Die Entscheidung der USA sorgte in Europa für Kritik. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte laut Reuters nach einem Telefonat mit den G7-Staats- und Regierungschefs am Mittwoch, dass es nicht der richtige Zeitpunkt sei, die Sanktionen zu lockern. Der britische Energieminister Michael Shanks sagte der BBC, Putin dürfe dies nicht als Chance sehen, „in die Kriegsmaschinerie zu investieren“.

