Die US-Regierung hat dem Iran laut übereinstimmenden Medienberichten einen umfassenden Vorschlag zur Beendigung des Kriegs vorgelegt. Wie unter anderem die New York Times, das Portal Axios und das Wall Street Journal unter Berufung auf informierte US-Beamte berichten, umfasst der Plan 15 Punkte und wurde über Pakistan an die Führung in Teheran übermittelt. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.
Demnach verlangt Washington weitreichende Zugeständnisse: Der Iran soll zentrale Teile seines Atomprogramms aufgeben, die Urananreicherung einstellen und die Entwicklung ballistischer Raketen stoppen. Zudem soll Teheran seine Bestände an bereits angereichertem Uran abgeben und zur Wiederöffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus beitragen. Im Gegenzug stellen die USA laut den Berichten eine Lockerung der Sanktionen in Aussicht.
US-Präsident Donald Trump äußerte sich demonstrativ optimistisch. Der Iran wolle „unbedingt einen Deal abschließen“, sagte er und verwies darauf, dass Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance an möglichen Gesprächen beteiligt seien. Trump hatte zuvor angekündigt, mögliche Angriffe auf iranische Energieanlagen um fünf Tage aufzuschieben, um Raum für Verhandlungen zu schaffen. Er sprach von „wichtigen Übereinstimmungen“ mit Teheran. Berichte über diplomatische Annäherungen ließen die seit Kriegsbeginn stark gestiegenen Ölpreise zuletzt etwas nachgeben.
Iran weist Gespräche zurück und stellt eigene Forderungen
Aus dem Iran kommen hingegen widersprüchliche Signale. Offiziell bestreitet die Führung, überhaupt mit den USA zu verhandeln. Gleichzeitig berichten US-Medien, dass die iranischen Revolutionsgarden ihrerseits einen Forderungskatalog vorgelegt hätten.
Nach Angaben des Wall Street Journal verlangt Teheran unter anderem den Abzug aller US-Truppen aus der Golfregion sowie ein System, das es dem Iran ermöglichen würde, Gebühren für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu erheben. Berichten zufolge, hätte der Iran bereits damit begonnen, für bestimmte Handelsschiffe Millionenbeträge zu verlangen. Forderungen dieser Art gelten in Washington als kaum akzeptabel. Zugleich erklärten die iranischen Streitkräfte laut staatlichen Medien, Gespräche über eine Waffenruhe stünden derzeit nicht zur Debatte.
Die strategisch zentrale Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist für den weltweiten Öl- und Gastransport von entscheidender Bedeutung. Wegen iranischer Angriffe und Drohungen ist der Schiffsverkehr dort derzeit stark eingeschränkt. Das hat die Energiepreise weltweit in die Höhe getrieben und erhöht auch den politischen Druck auf Trump. Steigende Spritpreise belasten Verbraucher in den USA und könnten vor den anstehenden Kongresswahlen zu einem innenpolitischen Problem werden.
Militärische Lage bleibt angespannt
Parallel zu den diplomatischen Signalen verstärken die USA ihre militärische Präsenz in der Region. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP und des Senders CNN bereitet das US-Militär die Verlegung von mindestens rund 1000 Soldaten der 82. Luftlandedivision in den Nahen Osten vor. Die Truppe gilt als schnelle Eingreifkraft und kann kurzfristig in Krisengebiete verlegt werden.
Zu den Einheiten gehören demnach auch Teile einer Brigade, die als sogenannte „Immediate Response Force“ innerhalb weniger Stunden einsatzbereit ist. Sie ist darauf ausgelegt, in umkämpftem Gebiet Schlüsselpositionen wie Flughäfen zu sichern. Andere US-Medien hatten zuvor von deutlich höheren Zahlen gesprochen. Eine unabhängige Bestätigung der genauen Truppenstärke gibt es bislang nicht.
Eine Entscheidung über einen möglichen Bodeneinsatz gibt es nach US-Angaben bislang nicht. Die Truppenverlegung verschafft der Regierung jedoch zusätzliche Optionen. Beobachter verweisen darauf, dass auch ein Einsatz zur Kontrolle strategisch wichtiger Infrastruktur, etwa iranischer Ölexportanlagen, diskutiert wird.
Angriffe in der Golfregion gehen weiter
Während über eine mögliche Waffenruhe spekuliert wird, dauern die Kämpfe an. Der Iran griff in der Nacht erneut Ziele in der Golfregion mit Drohnen und Raketen an. Am internationalen Flughafen von Kuwait wurde ein Treibstofflager getroffen und geriet in Brand. Nach Angaben der Regierung gab es keine Verletzten.
Auch Saudi-Arabien meldete abgefangene Drohnen und eine ballistische Rakete. In Bahrain wurden Warnsirenen ausgelöst, die Bevölkerung wurde aufgerufen, Schutz zu suchen. Teheran betrachtet mehrere Staaten in der Region als Verbündete der USA und damit als legitime Ziele.
Internationale Vermittlungsversuche
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief den iranischen Präsidenten Massud Peseschkian nach Angaben aus Paris zu Verhandlungen „in gutem Glauben“ auf, um eine Deeskalation zu ermöglichen. Auch andere Staaten drängen auf eine Entspannung: Indiens Premier Narendra Modi und Chinas Außenminister Wang Yi forderten laut Regierungsangaben Gespräche und eine Öffnung der Straße von Hormus.
Unklar bleibt zudem, ob Israel als zentrale Kriegspartei den US-Vorstoß unterstützt. Israelische Vertreter hatten zuletzt betont, die Angriffe fortsetzen zu wollen – unabhängig von möglichen Gesprächen zwischen Washington und Teheran.
Angesichts der gegensätzlichen Positionen erscheint eine schnelle Einigung derzeit unwahrscheinlich. Zwar gibt es erste diplomatische Bewegungen, doch die Forderungen beider Seiten liegen weit auseinander.




