Nahost

Bericht: Saudi-Arabien und Emirate kurz vor Eingreifen im Iran-Krieg

Die Golfstaaten wollten sich aus dem Konflikt heraushalten. Doch nach Irans Angriffen verschärfen sie ihren Kurs. Die Verbündeten der USA könnten tiefer in den Krieg hineingezogen werden.

US-Präsident Donald Trump und Kronprinz Mohammed bin Salman. Riad strebt offenbar stärkere Abschreckung gegenüber dem Iran an.
US-Präsident Donald Trump und Kronprinz Mohammed bin Salman. Riad strebt offenbar stärkere Abschreckung gegenüber dem Iran an.Mark Schiefelbein/dpa

Die wichtigsten Verbündeten der USA am Persischen Golf bewegen sich offenbar näher auf eine direkte Beteiligung am Krieg gegen den Iran zu. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Insider. Demnach haben Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Haltung zuletzt deutlich verschärft. Hintergrund sind die anhaltenden Angriffe aus dem Iran, die Energieanlagen, Städte und Infrastruktur in der Region treffen und die Wirtschaft der Golfstaaten belasten.

Saudi-Arabien habe den USA inzwischen erlaubt, den Luftwaffenstützpunkt King Fahd zu nutzen, heißt es in dem Bericht des Wall Street Journal. Zuvor hatte Riad erklärt, weder Luftraum noch Militärbasen für Angriffe auf den Iran zur Verfügung zu stellen. Diese Linie geriet ins Wanken, nachdem iranische Raketen und Drohnen Ziele im Land, darunter auch die Hauptstadt Riad, angegriffen hatten.

Kronprinz Mohammed bin Salman strebe nun eine Wiederherstellung der Abschreckung an und stehe laut dem Bericht kurz vor der Entscheidung, sich an Angriffen zu beteiligen. Ein direkter Kriegseintritt sei „nur eine Frage der Zeit“, wird eine mit den Gesprächen vertraute Person zitiert.

VAE gehen gegen iranische Netzwerke vor

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate verschärfen dem Bericht zufolge ihren Kurs. Sie gehen nun gegen Vermögenswerte und Einrichtungen vor, die mit dem Iran in Verbindung stehen. In Dubai wurden demnach unter anderem ein iranisches Krankenhaus und ein Club geschlossen. Die Regierung erklärte, Einrichtungen mit Verbindungen zum iranischen Regime und den Revolutionsgarden würden gezielt ins Visier genommen, wenn sie gegen Gesetze verstießen.

Die Emirate waren über Jahre ein wichtiger Finanzplatz für iranische Unternehmen. Maßnahmen wie diese könnten Teherans Zugang zu Devisen und internationalen Handelsstrukturen erheblich einschränken.

Golfstaaten zwischen Zurückhaltung und Druck

Offiziell betonen die Golfstaaten weiterhin, sich nicht an Angriffen auf den Iran beteiligen zu wollen. Hinter den Kulissen zeigt sich laut Wall Street Journal jedoch ein anderes Bild. Dem Bericht zufolge deuten verifizierte Videos darauf hin, dass Raketenstarts gegen Ziele im Iran auch von Bahrain aus erfolgt sein könnten. Zudem wurden bei einem iranischen Angriff mehrere US-Luftwaffenflugzeuge auf einem saudischen Stützpunkt beschädigt.

Die Regierungen in der Region stehen damit vor einem Dilemma. Ein direkter Kriegseintritt würde sie zu offenen Konfliktparteien machen – mit einem militärisch starken Gegner in unmittelbarer Nähe. Zugleich wächst der Druck, auf die Angriffe aus dem Iran zu reagieren und die eigene Abschreckung wiederherzustellen.

Straße von Hormus als Druckmittel

Besonders alarmierend ist aus Sicht der Golfstaaten das Handeln des Irans rund um die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Routen für den globalen Ölhandel.

Der Iran hat übereinstimmenden Berichten zufolge gegenüber arabischen Vertretern signalisiert, künftig Gebühren für die Passage verlangen zu wollen. Teheran kündigte am Montag zudem an, Kraftwerke und Wasserentsalzungsanlagen in den Golfstaaten anzugreifen, sollte US-Präsident Donald Trump seine Drohung wahr machen, iranische Stromversorgungsanlagen zu bombardieren. Seit Beginn des Krieges schränkt der Iran den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ein, indem er einzelne Handelsschiffe angreift oder bevorzugt passieren lässt.

Zwischen Bündnistreue und Kriegsrisiko

Die Entwicklung zeigt, wie stark die Golfstaaten in den Konflikt hineingezogen werden. Sie wollten eine direkte Beteiligung vermeiden, sehen sich nun aber durch Angriffe und strategischen Druck aus Teheran zu einer härteren Linie gezwungen. Der Nahost-Experte Gregory Gause vom Middle East Institute beschreibt die Lage laut Wall Street Journal so: Schwächere Partner in einem Bündnis laufen Gefahr, in einen Krieg hineingezogen zu werden, den sie eigentlich nicht führen wollen.