Am Montag reicht ein einziger Post von US-Präsident Donald Trump, um die globalen Finanzmärkte in Bewegung zu setzen. Auf seiner Plattform Truth Social spricht er von „sehr guten und produktiven Gesprächen“ mit dem Iran und stellt ein mögliches Ende der Kämpfe in Aussicht. Für Händler ist das ein klares Signal: Wenn sich der Konflikt entschärft, sinken in der Regel die Preise für Öl und Gas, während Aktienmärkte zulegen. Genau das passiert. Doch der eigentliche Vorgang beginnt womöglich schon vorher.
Öl-Wetten vor Trump-Post: 580 Millionen US-Dollar in Minuten bewegt
Nach Recherchen der Financial Times wurden etwa 15 Minuten vor Trumps Beitrag große Wetten auf fallende Ölpreise platziert. In dieser kurzen Zeit wechselten rund 6200 Futures-Kontrakte auf die Sorten Brent und West Texas Intermediate den Besitzer, mit einem Gesamtwert von etwa 580 Millionen US-Dollar. Kurz darauf veröffentlichte Trump seine Nachricht. Die Märkte reagierten sofort: Ölpreise fielen deutlich, gleichzeitig stiegen US-Aktien-Futures.
Für Außenstehende lässt sich das so erklären: Wer vorab darauf setzt, dass Öl billiger wird, verdient Geld, sobald die Preise tatsächlich fallen. Und genau das passierte hier – innerhalb weniger Minuten.
Trump bringt eine Ende des Iran-Kriegs ins Spiel
Trumps Beitrag blieb nicht bei einer vagen Andeutung. Er behauptete, es habe „produktive Gespräche“ gegeben und stellte eine mögliche Entspannung des Konflikts in Aussicht: „Ich freue mich, berichten zu können, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und der Iran in den letzten zwei Tagen sehr gute und produktive Gespräche über eine vollständige Beilegung unserer Feindseligkeiten im Nahen Osten geführt haben. Aufgrund des Tons und der Art dieser tiefgründigen, detaillierten und konstruktiven Gespräche, die die ganze Woche über fortgesetzt werden, habe ich das Kriegsministerium angewiesen, alle Militärschläge gegen iranische Kraftwerke und Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen, vorbehaltlich des Erfolgs der laufenden Treffen und Gespräche.“
Unmittelbar nach Veröffentlichung der Nachricht fielen die Preise von Öl und Gas, stiegen die US-Aktienkurse, stürzte der Index Vix dramatisch ab.
Iran widerspricht Trump
Vor Journalisten erklärte Trump später, es habe direkte Kontakte über US-Gesandte gegeben. Details zu den Gesprächspartnern nannte er nicht. Er betonte aber, dass er eine „gute Chance“ auf eine schnelle Einigung mit dem Iran sehe. Aus Teheran kam umgehend Widerspruch. Es habe keine direkten Gespräche mit den USA gegeben, erklärten mehrere offizielle Stellen.
Der Parlamentspräsident Mohammad-Bagher Ghalibaf spricht sogar von „Fake News“, die genutzt würden, um Finanz- und Ölmärkte zu beeinflussen.
Auffälliges Timing wirft Fragen auf
Ob die auffälligen Geschäfte mit Trumps Ankündigung zusammenhängen, ist jedoch offen. „Es ist schwer, Kausalität zu beweisen“, sagt ein Marktstratege laut Financial Times. Gleichzeitig stelle sich die Frage, wer so kurz vor der Veröffentlichung bereit war, in dieser Größenordnung auf genau dieses Szenario zu setzen. Unklar ist auch, wer hinter den Transaktionen steckt. Die Daten geben laut der Finaccial Times keinen Aufschluss darüber, ob ein einzelner Akteur oder mehrere Händler beteiligt waren.
Im Markt sorgt der Vorgang für Unruhe. Mehrere Hedgefonds berichteten laut Financial Times, dass in den vergangenen Monaten wiederholt große und auffällig gut getimte Trades vor politischen Entscheidungen oder Ankündigungen zu beobachten gewesen seien.
Weißes Haus weist Vorwürfe zurück
Das Weiße Haus wies jeden Verdacht entschieden zurück. Sprecher Kush Desai erklärte, Trump und seine Mitarbeiter handelten ausschließlich im Interesse der amerikanischen Bevölkerung. Unterstellungen über Insidergeschäfte seien „haltlos und unverantwortlich“.




