Weniger als 48 Stunden vor Beginn der amerikanisch-israelischen Militäroperation gegen den Iran führten US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu ein bislang nicht bekanntes Telefongespräch, das nach Einschätzung mehrerer Beteiligter den Ausschlag für Trumps endgültige Angriffsorder gab. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei mit dem Gespräch vertraute Personen.
Netanjahu argumentierte demnach, es werde möglicherweise nie eine bessere Gelegenheit geben, Irans Obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei zu töten. Geheimdienstinformationen hatten ergeben, dass Chamenei sich mit wichtigen Vertrauten in seinem Komplex in Teheran treffen würde – ein Treffen, das kurzfristig vom Samstagabend auf den Samstagmorgen vorverlegt worden war. Netanjahu verwies zudem laut Reuters auf frühere iranische Mordpläne gegen Trump, darunter ein Auftragsmord-Komplott aus dem Jahr 2024.
Am 28. Februar fielen dann die ersten Bomben. Trump verkündete am selben Tag, Chamenei sei tot.
Rubio warnte Abgeordnete vorab
Bereits am 24. Februar hatte US-Außenminister Marco Rubio einer kleinen Gruppe führender Kongressabgeordneter mitgeteilt, dass Israel den Iran voraussichtlich angreifen werde – mit oder ohne US-Beteiligung. Im Falle eines israelischen Alleingangs würde der Iran wahrscheinlich gegen amerikanische Ziele zurückschlagen, so Rubio laut Reuters. Hinter dieser Einschätzung standen Analysen US-amerikanischer Geheimdienste.
Die Angriffe führten zu iranischen Gegenschlägen auf US-Militäreinrichtungen und laut Reuters zu mehr als 2300 toten iranischen Zivilisten und mindestens 13 getöteten US-Soldaten. Hinzu kamen Attacken auf US-Verbündete am Golf, die Sperrung einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, der Straße von Hormus, und ein historischer Anstieg der Ölpreise.
Netanjahus monatelange Überzeugungsarbeit
Reuters zeichnet nach, wie Netanyahu über Monate systematisch auf den Angriff hingearbeitet haben soll. Bei einem Besuch in Trumps Anwesen Mar-a-Lago im Dezember erklärte der israelische Premier demnach, er sei mit den Ergebnissen eines ersten gemeinsamen Angriffs im Juni nicht zufrieden gewesen, bei dem Israels Luftwaffe iranische Nuklearanlagen und Raketenstellungen bombardiert hatte.
Bei einem weiteren Besuch in Washington im Februar informierte Netanyahu Trump über Irans wachsendes Raketenprogramm und warnte, der Iran könne eines Tages in der Lage sein, das amerikanische Festland zu erreichen.
Die Nachrichtenagentur betont, ihre Recherchen deuteten nicht darauf hin, dass Netanyahu Trump zum Krieg gezwungen habe. Doch die Berichterstattung zeige, dass der israelische Regierungschef ein wirkungsvoller Fürsprecher gewesen sei. Netanyahu selbst wies Darstellungen, Israel habe die USA in den Konflikt hineingezogen, als „Fake News“ zurück. „Glaubt wirklich jemand, dass man Präsident Trump sagen kann, was er tun soll?“, sagte er etwa auf einer Pressekonferenz.
CIA warnte vor Hardliner-Nachfolger
Netanjahu argumentierte, die Tötung der iranischen Führung könne einen Regimewechsel einleiten. Diese Einschätzung teilte die CIA allerdings nicht: Der US-Geheimdienst hatte laut Reuters bereits Wochen zuvor prognostiziert, dass Chamenei im Falle seines Todes von einem internen Hardliner ersetzt würde. Chameneis Sohn Modschtaba, der als noch amerikafeindlicher als sein Vater gilt, wurde inzwischen zum neuen Obersten Führer ernannt.
Verteidigungsminister Pete Hegseth deutete an, dass Vergeltung zumindest ein Motiv für die Operation gewesen sei: „Der Iran hat versucht, Präsident Trump zu töten, und Präsident Trump hat zuletzt gelacht.“


