Die Vereinigten Staaten und der Iran könnten Berichten zufolge noch in dieser Woche eine zweite Runde direkter Friedensgespräche aufnehmen. Das berichteten die Nachrichtenagenturen AP und NBC News unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Quellen. US-Präsident Donald Trump sagte der New York Post am Dienstag, „in den nächsten zwei Tagen“ könne es Neuigkeiten geben – erneut sei die pakistanische Hauptstadt Islamabad als Verhandlungsort im Gespräch.
Regionale Vermittler bestätigten laut AP, dass beide Seiten einer grundsätzlichen Verlängerung des zweiwöchigen Waffenstillstands zugestimmt hätten, der am 22. April ausläuft. Die Vermittler arbeiteten an Kompromissen zu drei zentralen Streitpunkten: dem iranischen Atomprogramm, der Straße von Hormus und der Frage von Entschädigungen für iranische Kriegsschäden. UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete eine Wiederaufnahme der Gespräche nach einem Treffen mit Pakistans Außenminister Ishaq Dar als „hochwahrscheinlich“.
Erste Verhandlungsrunde scheiterte an Uranfrage
Die erste Gesprächsrunde vom vergangenen Wochenende in Islamabad unter Leitung von US-Vizepräsident JD Vance war ohne Einigung geblieben. Laut NBC News forderten die USA eine 20-jährige Aussetzung der Urananreicherung. Der Iran bot lediglich drei bis fünf Jahre an – für Trump nicht akzeptabel. Zudem verlangten die USA, dass der Iran hochangereichertes Uran außer Landes bringe. Teheran schlug stattdessen ein „überwachtes Verfahren der Abreicherung“ vor, bei dem hochangereichertes Uran mit weniger potenten Materialien vermischt wird, um es ungefährlicher zu machen.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) schätzt, dass der Iran über knapp 450 Kilogramm hochangereichertes Uran verfügt – genug für elf Atomwaffen. Teheran beteuert, sein Nuklearprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken und das angereicherte Material befinde sich nach US-Luftangriffen auf Anreicherungsanlagen im vergangenen Jahr noch immer unter der Erde.
Vance erklärte gegenüber Fox News, es habe „gute Gespräche“ mit Teheran gegeben, der Iran habe aber „nicht weit genug“ nachgegeben. Der Ball liege nun „im Feld der Iraner“. Trump äußerte sich in einem Interview mit dem Fox Business Network zuversichtlich: „Ich betrachte es als sehr nah am Ende.“
Iran äußert sich zurückhaltend
Teheran reagierte zunächst verhalten auf Trumps Ankündigungen. Die iranische Nachrichtenagentur IRNA zitierte eine diplomatische Quelle mit den Worten, es gebe „keine Informationen“ über weitere Gespräche. Es seien zwar Nachrichten zwischen Teheran und Pakistan ausgetauscht worden, bestätigt sei jedoch nichts. Pakistan bleibe seinen Vermittlungsbemühungen verpflichtet, hieß es. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif reiste am Mittwoch nach Saudi-Arabien, bevor er zum Antalya Peace Forum in die Türkei weiterreist. Pakistans Finanzminister Muhammad Aurangzeb sagte der AP: „Unsere Führung gibt nicht auf.“
Für Trump steht politisch viel auf dem Spiel: Umfragen zeigen, dass die amerikanischen Wähler den Konflikt mit dem Iran zunehmend kritisch sehen, während Inflation und steigende Benzinpreise anhalten. Trumps politische Berater blicken bereits auf die Zwischenwahlen im November, bei denen die Republikaner ihre knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus und ihren Vorsprung im Senat verteidigen müssen.
Blockade der Straße von Hormus verschärft Lage
Während die diplomatischen Kanäle trotz der Spannungen aktiv blieben, setzte das US-Militär seine angekündigte Seeblockade iranischer Häfen durch. Das US Central Command teilte mit, in den ersten 24 Stunden habe kein Schiff die Blockade passiert, sechs Handelsschiffe seien auf Anweisung der US-Streitkräfte in iranische Gewässer zurückgekehrt. Die Blockade soll den Druck auf den Iran erhöhen, der seit Kriegsbeginn am 28. Februar Millionen Barrel Öl exportiert hat – größtenteils über sogenannte „Dark Transits“, die Sanktionen und Kontrollen umgehen.
Irans Streitkräfte bezeichneten die Blockade als „Piraterie“ und drohten mit Angriffen auf Häfen in der gesamten Golfregion. Durch die Straße von Hormus fließt in Friedenszeiten ein Fünftel des weltweiten Öltransports. Die faktische Sperrung der Meerenge hat die Ölpreise in die Höhe getrieben und die Kosten für Benzin, Lebensmittel und andere Grundgüter weit über den Nahen Osten hinaus verteuert.
Tausende Tote im Iran-Krieg
Der nun sieben Wochen dauernde Konflikt hat nach AP-Angaben mindestens 3000 Menschen im Iran, mehr als 2100 im Libanon, 23 in Israel und über ein Dutzend in arabischen Golfstaaten das Leben gekostet. 13 US-Soldaten starben ebenfalls. Die Ölpreise fielen am Mittwoch angesichts der Aussicht auf ein Ende der Kampfhandlungen, während die US-Aktienmärkte nahe an ihre Rekordstände vom Januar heranrückten.
Ross Harrison, Senior Fellow am Middle East Institute und Autor von „Decoding Iran's Foreign Policy“, sagte NBC News: „Trotz aller Rhetorik würden beide Seiten gerne die Eskalationsleiter wieder hinuntersteigen.“ Es gebe die Erkenntnis, dass der Konflikt nur durch Verhandlungen gelöst werden könne.
Gespräche zwischen Israel und Libanon in Washington
Parallel fanden in Washington die ersten direkten Gespräche zwischen den israelischen und libanesischen Botschaftern seit 1993 statt. US-Außenminister Marco Rubio nahm an dem rund zweistündigen Treffen teil und sprach von einem „historischen Zusammentreffen“. Israels Botschafter Yechiel Leiter erklärte, beide Länder stünden „auf derselben Seite“, wenn es darum gehe, den Libanon von der Hisbollah zu „befreien“. Die libanesische Botschafterin Nada Hamadeh Moawad nannte das Treffen „konstruktiv“, forderte jedoch ein Ende des Konflikts zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah.
Die Hisbollah-Miliz, die an den Gesprächen nicht beteiligt war, lehnt jede dort getroffene Vereinbarung ab. Der hochrangige Hisbollah-Funktionär Wafiq Safa erklärte gegenüber AP, die Gruppe werde sich an keinerlei Ergebnisse gebunden fühlen.
Die Hisbollah hatte Anfang März Raketen auf Israel abgefeuert, um Solidarität mit dem Iran zu zeigen. Israel reagierte mit Angriffen im gesamten Libanon, darunter schwere Luftangriffe auf Beirut in der vergangenen Woche. Mehr als eine Million Menschen im Libanon wurden seit März vertrieben. Die Hisbollah forderte die libanesische Regierung auf, die Gespräche in Washington abzubrechen. Strittig bleibt, ob der Libanon Teil des Waffenstillstands ist: Die USA und Israel verneinen dies, der Iran und Pakistan bejahen es.





