Europäische Staaten bereiten eine breit angelegte internationale Militärmission vor, um nach einem Ende der Kampfhandlungen die Schifffahrt durch die Straße von Hormus wieder zu ermöglichen. Die USA sollen dabei bewusst außen vor bleiben. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf europäische Diplomaten und Regierungsvertreter.
Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sprach am Dienstag von einem rein defensiven Einsatz, an dem keine der „kriegführenden Parteien“ – also weder Washington noch Tel Aviv oder Teheran – teilnehmen solle. Europäische Streitkräfte würden eigenständig operieren und keinem amerikanischen Oberkommando unterstellt, erklärten Diplomaten dem Wall Street Journal.
Für diesen Freitag laden Macron und der britische Premier Keir Starmer Vertreter dutzender Nationen zu einer Videokonferenz von Paris aus ein. Washington steht nicht auf der Gästeliste. Peking und Neu-Delhi seien angefragt worden, ob sie zusagen, sei offen, so ein französischer Beamter gegenüber der Zeitung.
Deutschland wohl bereit zur Teilnahme
Überraschend ist die Rolle Berlins: Trotz bisheriger Zurückhaltung signalisiert die Bundesregierung laut einem hochrangigen deutschen Vertreter erstmals Bereitschaft zur Teilnahme – möglicherweise schon am Donnerstag offiziell. Deutschland bringe nicht nur größere Haushaltsmittel mit als London oder Paris, sondern auch gefragte Fähigkeiten: Die Marine unterhält in Kiel rund zwölf Minenräumboote, zudem betreibt die Bundeswehr Aufklärungsflugzeuge von Dschibuti aus, berichtet das Wall Street Journal.
Außenminister Jean-Noël Barrot stellte klar, dass ein Einsatz erst nach vollständiger Waffenruhe denkbar sei und in Abstimmung mit den Anrainerstaaten Iran und Oman erfolgen müsse.
In einem zentralen Punkt sollen sich die europäischen Partner allerdings noch uneins sein: Paris fürchtet, jede amerikanische Präsenz würde Iran von vornherein abschrecken. London wiederum warnt davor, dass ein demonstrativer Ausschluss der USA Präsident Trump provozieren und die Operation schwächen könnte, schreibt das Wall Street Journal unter Berufung auf Verhandlungskreise.
Ziele des Dreistufenplans
Konkret sieht der Dreistufenplan vor, zunächst hunderte festsitzende Frachter aus dem Seegebiet zu lotsen. Anschließend müssten iranische Seeminen geräumt werden, die Teheran zu Kriegsbeginn verlegt hatte. Zuletzt sollen Fregatten und Zerstörer als Dauergeleit fungieren, um Reedereien und Versicherern die nötige Sicherheit zu geben. „Ohne militärischen Schutz werden weder Versicherer noch Reeder ihre Schiffe dort durchschicken“, sagte der Risikoanalyst Mujtaba Rahman von der Eurasia Group dem Wall Street Journal.
Bei der Minenräumung hat Europa einen klaren Vorteil: Über 150 spezialisierte Schiffe stehen bereit, während die US-Marine diese Kapazitäten weitgehend abgebaut hat. Als Blaupause dient die EU-Mission Aspides, bei der 2024 mehrere Staaten Handelsschiffe im Roten Meer gegen Huthi-Angriffe absicherten.
Für Berlin bleibt die Verfassungslage eine Hürde: Der Bundestag müsste zustimmen, wofür ein internationales Mandat nötig wäre – etwa ein UN-Sicherheitsratsbeschluss oder eine Ausweitung des Aspides-Auftrags. Zudem dürfe die Abschreckung gegen Russland in Ostsee und Nordatlantik nicht geschwächt werden.
Trump hatte die Europäer zuletzt massiv unter Druck gesetzt, Kriegsschiffe in den Golf zu entsenden, und die Nato-Mitgliedschaft der USA infrage gestellt. Macron wies eine gewaltsame Öffnung der Meerenge als „unrealistisch“ zurück – sie würde unendlich lange dauern und Schiffe Küstenraketen aussetzen.


