Die Vereinigten Staaten haben ihre Seeblockade gegen den Iran innerhalb von 36 Stunden vollständig durchgesetzt. Kein einziges Schiff habe die Sperre passieren können, teilte das U.S. Central Command (Centcom) am Dienstag mit. Damit ist der Iran von rund 90 Prozent seines internationalen Seehandels abgeschnitten, der jährlich ein Volumen von etwa 109,7 Milliarden US-Dollar umfasst, wie die Denkfabrik Foundation for Defense of Democracies in Washington errechnet hat, berichtet CNBC.
Allerdings zeigen Schiffsverfolgungsdaten ein differenzierteres Bild: Laut der New York Post passierten mindestens vier mit dem Iran verbundene Schiffe, darunter ein chinesischer Tanker, am Dienstag die Meerenge. Centcom machte keine näheren Angaben dazu, welche Schiffe gestoppt wurden oder welche sanktionierten Tanker die Straße passiert hatten, so die New York Post.
Mehrere Tanker kehrten um
Laut der New York Times wies die US-Marine sechs Handelsschiffe per Funk an, umzukehren und iranische Häfen wieder anzulaufen. Das Wall Street Journal berichtet sogar von acht Öltankern, die den Anweisungen der US-Streitkräfte folgten. Zu Konfrontationen kam es demnach nicht. Mehr als ein Dutzend US-Kriegsschiffe, über 10.000 Soldaten und Kampfjets sind im Golf von Oman und im Arabischen Meer stationiert, so CNBC.
Gleichzeitig erklärte Centcom, dass nicht-iranische Schiffe die Straße von Hormus passieren dürfen. Laut US-Angaben hätten in den ersten 24 Stunden mehr als 20 zivile Schiffe die Meerenge durchquert, wie das Wall Street Journal meldet. Schifffahrtsexperten zeigten sich laut der New York Times allerdings skeptisch – die Datenanalysefirma Kpler habe am Montag lediglich sechs Schiffe registriert. Einige Schiffe könnten ihre Transponder abgeschaltet haben.
Die deutsche Reederei Hapag-Lloyd kritisierte, keine offizielle Anleitung der US-Behörden für eine sichere Durchfahrt erhalten zu haben. Sprecher Nils Haupt sagte der New York Times, das Unternehmen sei auf Medienberichte angewiesen: „Wir müssen wissen: Ist es sicher? Sind alle Minen geräumt? Werden Schiffe begleitet?“ Sechs Hapag-Lloyd-Schiffe säßen derzeit im Persischen Golf fest.
Wirtschaftliche Folgen und diplomatische Signale
Der geschätzte wirtschaftliche Schaden für den Iran beläuft sich auf rund 435 Millionen US-Dollar pro Tag, so der Analyst Miad Maleki gegenüber CNBC. Der Internationale Währungsfonds senkte am Dienstag seine globale Wachstumsprognose für 2026 von 3,3 auf 3,1 Prozent und warnte vor einem Szenario mit dauerhaft hohen Ölpreisen um 100 Dollar pro Barrel, wie CNBC berichtet.
China bezeichnete die Blockade laut CNBC als „gefährlichen und unverantwortlichen Akt“. Die Blockade könnte die Beziehungen Washingtons zu wichtigen iranischen Ölabnehmern wie China und Indien belasten.
Zugleich gibt es diplomatische Signale: UN-Generalsekretär António Guterres erklärte laut dem Wall Street Journal, dass die Gespräche zwischen den USA und dem Iran voraussichtlich wieder aufgenommen werden. Die Außenminister Saudi-Arabiens, Ägyptens und Pakistans wollen diese Woche mit ihrem türkischen Amtskollegen über Vorschläge an Teheran beraten. Die Ölpreise reagierten leicht rückläufig – US-Rohöl fiel auf 90,40 Dollar, die Nordseesorte Brent auf 94,47 Dollar je Barrel.


