Die erste direkte diplomatische Begegnung zwischen Israel und dem Libanon seit über 30 Jahren hat am Dienstag in Washington stattgefunden. Das von US-Außenminister Marco Rubio vermittelte Treffen dauerte mehr als zwei Stunden, brachte laut dem US-Außenministerium jedoch keine sofortige Einigung. Rubio sprach von einer „historischen Gelegenheit“, betonte aber, man arbeite „gegen Jahrzehnte von Geschichte und Komplexität“, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet.
Die Hisbollah-Miliz, die an den Gesprächen nicht beteiligt war, lehnt jede dort getroffene Vereinbarung ab. Der hochrangige Hisbollah-Funktionär Wafiq Safa erklärte gegenüber AP, die Gruppe werde sich an keinerlei Ergebnisse gebunden fühlen. Parallel zu den Gesprächen intensivierte die Miliz laut Al Jazeera ihre Angriffe auf Nordisrael – allein am Dienstag reklamierte sie 24 Attacken für sich.
Gespräche „konstruktiv“
Israels Botschafter Yechiel Leiter bezeichnete die Gespräche laut AP als „wunderbaren Austausch“. Die libanesische Regierung habe deutlich gemacht, „nicht länger von der Hisbollah besetzt“ sein zu wollen. Der Iran und Hisbollah seien „dramatisch geschwächt“ – dies sei eine Chance.
Die libanesische Botschafterin Nada Hamadeh Moawad nannte die Gespräche laut Guardian „konstruktiv“, forderte aber einen Waffenstillstand, die Rückkehr Vertriebener und Maßnahmen gegen die humanitäre Krise. Israel schloss Waffenstillstandsgespräche laut Al Jazeera jedoch aus und drängte auf die Entwaffnung der Hisbollah.
Der Konflikt hat nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens 2124 Menschen das Leben gekostet. Über 1,2 Millionen wurden laut Reuters vertrieben. Auf israelischer Seite starben seit dem 2. März zwei Zivilisten und 13 Soldaten, so Israel.
Zehn Länder fordern Ende des Krieges im Libanon
Zehn Staaten – darunter Kanada, Großbritannien, Japan und Australien – verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung die Tötung von drei indonesischen UN-Friedenssoldaten und forderten laut Reuters ein „dringendes Ende der Feindseligkeiten“. Laut UN-Ermittlungen wurde ein Peacekeeper durch ein israelisches Panzergeschoss getötet, zwei weitere durch eine vermutlich von der Hisbollah platzierte Sprengfalle.
Die Hisbollah fordert laut AP eine Rückkehr zum Abkommen von 2024 mit indirekter Vermittlung durch die USA, Frankreich und die UN-Mission Unifil. Der libanesische Präsident Joseph Aoun erklärte, „Israels Zerstörung libanesischen Territoriums“ sei keine Lösung. Israels Außenminister Gideon Saar entgegnete laut AP: „Das Problem ist die Hisbollah.“
Der Iran besteht laut Reuters darauf, dass der Krieg im Libanon in jedes Abkommen zur Beendigung des größeren Konflikts einbezogen werden muss – die fragile zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und Iran läuft noch eine Woche. US Präsident Donald Trump hatte kurz nach Beginn der Feuerpause klargemacht, dass der Libanon nicht Teil der Waffenruhe sei. „Das ist ein separater Konflikt“, sagte er und verteidigte die israelischen Angriffe als Bestandteil einer eigenständigen militärischen Auseinandersetzung.
Nur wenige Stunden nach Inkrafttreten der Waffenruhe hatte Israel seine Angriffe im Libanon massiv ausgeweitet. Die israelische Armee bestätigte die bislang größte Angriffswelle gegen die Hisbollah seit Beginn der Kämpfe.


