Tourismus

Urlaub in Thailand nur noch mit Versicherung? Regierung plant neue Einreiseregel

Unbezahlte Klinikrechnungen ausländischer Touristen kosten Thailand jährlich Millionen. Jetzt reagiert die Regierung mit einer Maßnahme, die auch deutsche Urlauber betreffen dürfte.

Thailand: Das Urlaubsland will eine Pflichtversicherung für alle Touristen durchsetzen.
Thailand: Das Urlaubsland will eine Pflichtversicherung für alle Touristen durchsetzen.Nadja Aumiller/dpa

Die thailändische Regierung arbeitet an einer Regelung, die ausländische Urlauber künftig dazu verpflichten soll, vor dem Betreten des Landes eine Unfallversicherung abzuschließen. Auslöser ist die wachsende finanzielle Belastung des staatlichen Gesundheitswesens durch nicht beglichene Arztrechnungen internationaler Patienten.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums summieren sich diese offenen Forderungen landesweit auf mindestens 100 Millionen Baht jährlich – umgerechnet etwa rund 2,7 Millionen Euro. Das geht aus übereinstimmenden Berichten der Bangkok Post und der Fachpublikation Asia Insurance Review hervor.

Die Lage spitzt sich vor allem in beliebten Urlaubsregionen zu. Am Vachira Phuket Hospital, das neben der einheimischen Bevölkerung jährlich mehr als eine Million Gäste medizinisch betreut, bleiben laut Klinikleiter Weerasak Lorthongkham pro Jahr rund zehn Millionen Baht an Behandlungskosten offen. Da Kliniken Notfälle aus ethischen Gründen nicht abweisen dürfen, tragen sie das finanzielle Risiko allein.

Als größten Kostentreiber nannte Weerasak gegenüber der Bangkok Post Verkehrsunfälle mit Motorrädern. Zahlreiche Urlauber würden sich auf Phuket zum ersten Mal auf ein Zweirad setzen. Er verwies auf einen besonders gravierenden Vorfall: Ein russischer Tourist erlitt demnach eine schwere Rückenmarksverletzung, die Behandlung verschlang über eine Million Baht. Weder Angehörige noch die zuständige Botschaft kamen für die Kosten auf – das Krankenhaus organisierte und finanzierte schließlich sogar den Rücktransport.

Fokus lag auf steigenden Besucherzahlen

Dabei wäre der Schutz für Reisende vergleichsweise günstig: Laut Branchenzahlen, auf die sich die Bangkok Post beruft, liegt der Preis für eine zweiwöchige Reiseversicherung bei etwa 1100 Baht (ca. 29 €) und deckt medizinische Kosten zwischen 3,6 und 9 Millionen Baht ab (ca. 93.600 € bis 234.000 €). Trotzdem verzichten viele Besucher auf eine Police – insbesondere jene, die über visafreie Programme einreisen.

Der Vorsitzende des thailändischen Reisebüroverbands, Sisdivachr Cheewarattanaporn, gab gegenüber der Bangkok Post an, dass die Politik über Jahre hinweg den Fokus auf steigende Besucherzahlen gelegt und dabei Absicherungsmaßnahmen vernachlässigt habe. Künftig müsse sichergestellt werden, dass Reisende tatsächlich über gültigen Versicherungsschutz verfügen.

Der Weg über diplomatische Kanäle zur Eintreibung offener Rechnungen führe in der Praxis ins Leere, erklärte Supakit Sirilak vom Health Systems Research Institute. Botschaften betrachteten Krankenhauskosten grundsätzlich als Privatangelegenheit ihrer Staatsangehörigen.

Regierung signalisiert Entschlossenheit

Gesundheitsminister Pattana Promphat betonte laut Bangkok Post, dass die Regierung zur Umsetzung bereit sei und bereits konkrete Konzepte vorlägen. Noch offen sei die Frage der angemessenen Deckungshöhe. Zudem müsse das System neben Urlaubern auch Arbeitsmigranten in Grenzgebieten berücksichtigen.

Als Vorbild könnten Länder dienen, die bereits eine Versicherungspflicht bei der Einreise kennen – darunter die Schengen-Staaten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland und Kuba. Fachleute regen an, den Versicherungsnachweis direkt an das Einreiseverfahren oder den Ticketkauf zu koppeln. Eine separat diskutierte Einreisegebühr von 300 Baht für Fluggäste liegt derweil noch beim Kabinett zur Entscheidung.