Kooperation

Ungarn und Russland sollen 12-Punkte-Plan für engere Zusammenarbeit geschlossen haben

Kurz vor der Parlamentswahl in Ungarn berichten Medien von einem geheimen Abkommen zwischen Budapest und Moskau. Die Opposition spricht von „Hochverrat“.

Ungarns Außenminister Péter Szijjártó soll ein Abkommen für engere Zusammenarbeit mit Russland unterzeichnet haben.
Ungarns Außenminister Péter Szijjártó soll ein Abkommen für engere Zusammenarbeit mit Russland unterzeichnet haben.Grigory Sysoev/imago

Wenige Tage vor der ungarischen Parlamentswahl am Sonntag sollen einem Bericht zufolge geleakte Dokumente ein Schlaglicht auf das Ausmaß der Annäherung zwischen Budapest und Moskau werfen. Wie das Nachrichtenportal Politico unter Berufung auf russische Regierungsdokumente berichtet, haben Ungarn und Russland im Dezember 2025 einen 12-Punkte-Plan unterzeichnet, der die wirtschaftliche, energiepolitische und kulturelle Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern erheblich ausweiten soll.

Ungarns Außenminister Péter Szijjártó und der russische Gesundheitsminister Michail Muraschko unterzeichneten dem Bericht nach das Abkommen bereits am 9. Dezember in Moskau im Rahmen der 16. Sitzung der russisch-ungarischen Regierungskommission für wirtschaftliche Zusammenarbeit, wie aus den Dokumenten hervorgehen soll. Es war das erste Treffen dieser Kommission seit dem Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Februar 2022 – nach einer Pause zwischen November 2021 und September 2024.

Politico zufolge verpflichteten sich beide Seiten, den „negativen Trend im bilateralen Handel“ umzukehren, der durch die EU-Sanktionen gegen Russland infolge des Ukraine-Kriegs entstanden war. Darüber hinaus öffnet das Abkommen offenbar russischen Unternehmen die Tür für neue Strom- und Wasserstoffprojekte in Ungarn und sieht eine engere Kooperation bei Öl, Gas und Kernbrennstoff vor.

Ungarn will russische Lehrkräfte aufnehmen

Auch im Bildungsbereich sind weitreichende Maßnahmen geplant: Ungarn erklärte sich bereit, den Russischunterricht im Land durch die Einreise russischer Lehrkräfte auszubauen. Zudem sollen Abschlüsse gegenseitig anerkannt und Austauschprogramme für Studierende eingerichtet werden. Im kulturellen Bereich ist ein gemeinsamer Aktionsplan für 2026–2027 vorgesehen, der Austausch in Bereichen von Sport bis Zirkuskunst umfasst.

Eine Klausel in den Dokumenten hält fest, dass die engeren Beziehungen nicht „im Widerspruch zu Ungarns Verpflichtungen aus seiner EU-Mitgliedschaft“ stehen dürften. Diese Formulierung unterstreicht die Spannung zwischen Budapests Annäherung an Moskau und seinen Pflichten als EU-Mitglied an der Nato-Ostflanke.

Szijjártó wies Kritik an der aktuellen Russland-Politik Budapests zurück. Ungarns bilaterale Zusammenarbeit werde „von nationalem Interesse geleitet, nicht vom Druck, sich den extrem voreingenommenen liberalen Mainstream-Medien anzupassen“, erklärte er gegenüber Politico. Russlands Außenministerium reagierte nicht auf eine Anfrage.

Inhalt von Telefongespräch zwischen Orbán und Putin geleakt

Tags zuvor hatte Bloomberg berichtet, dass Orbán dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem Telefonat am 17. Oktober 2025 angeboten habe, „in jeder Weise zu helfen. Er habe Ungarn dabei mit einer „Maus, die einem Löwen hilft“ verglichen – eine Anspielung auf eine ungarische Volkserzählung, die auf eine Fabel Äsops zurückgeht.

Oppositionsführer Péter Magyar nutzt die Russland-Nähe der Regierung seinerseits als zentrales Wahlkampfthema und spricht von „glattem Hochverrat“. In aktuellen Umfragen liegt Magyars zentristische Tisza-Partei vor Orbáns Fidesz. Die Wahl am Sonntag gilt daher als die härteste Bewährungsprobe für Orbáns 16-jährige Regierungszeit.