Eine ukrainische Drohne hat nach Angaben russischer Behörden in der Nacht zum Montag ein Luxus-Wohnhochhaus im Westen Moskaus getroffen. Wie der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin auf Telegram mitteilte, schlug das Fluggerät gegen 1 Uhr Ortszeit nahe der Mosfilmowskaja-Straße ein. Verletzte habe es nicht gegeben, erklärte Sobjanin laut Kyiv Independent.
Der Moskauer Telegram-Kanal Mash berichtet, das Geschoss habe in einer Wohnung im 36. Stockwerk drei Räume verwüstet, Teile der Fassade seien auf ein geparktes Auto gestürzt. Trümmer und Glasscherben hätten sich über mehrere Dutzend Meter verteilt. Laut der Kyiv Post liegt der getroffene Mosfilm Tower rund sechs bis acht Kilometer vom Kreml entfernt – in einem Viertel mit Botschaften und Diplomatenresidenzen.
Der Kyiv Independent stuft den Angriff als einen der tiefsten Treffer im zentralen Wohngebiet Moskaus ein. Bisher fange die russische Luftabwehr Drohnen meist außerhalb der Stadt oder in den Vororten ab, schreibt Bloomberg. Sobjanin erklärte später, zwei weitere auf die Hauptstadt zufliegende Drohnen seien abgeschossen worden. Er machte keine Angaben zum Ort.
Das russische Verteidigungsministerium gab laut Kyiv Post an, in der Nacht insgesamt 117 ukrainische Drohnen über mehreren Regionen abgewehrt zu haben. An Flughäfen mehrerer Regionen sowie an den Moskauer Hubs Wnukowo, Domodedowo und Scheremetjewo seien zeitweise Beschränkungen verhängt worden.
Die ukrainische Armee äußerte sich laut Kyiv Independent zunächst nicht zu dem Angriff. Die Behauptungen russischer Stellen ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
Angriff nur wenige Tage vor Siegesparade
Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russisches Gebiet zuletzt deutlich ausgeweitet. Laut Bloomberg wurden vergangene Woche auch Ziele bis zu 1700 Kilometer von der Grenze entfernt im Ural getroffen. Russische Behörden reagierten mit zeitweisen Abschaltungen mobiler und teils auch festnetzbasierter Internetverbindungen – Maßnahmen, die laut Bloomberg zu einem Rückgang der Zustimmungswerte für Präsident Wladimir Putin geführt haben sollen.
Der Angriff erfolgte wenige Tage vor der Siegesparade am 9. Mai zum Jahrestag des Sieges über Nazideutschland. Das russische Verteidigungsministerium hatte am 28. April erklärt, die Parade werde erstmals seit 2007 ohne schweres Militärgerät stattfinden. Der Kremlsprecher Dmitri Peskow begründete das laut Kyiv Post mit der „operativen Lage“ und einer angeblichen Terrorgefahr aus Kiew. Putin werde eine Rede halten, als Gast werde unter anderem der slowakische Premier Robert Fico erwartet, so Bloomberg.
Putin schlug US-Präsident Donald Trump in einem Telefonat eine eintägige Waffenruhe für den 9. Mai vor. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte vergangene Woche auf X, er habe sein Team angewiesen, mit der Trump-Regierung zu klären, ob das Angebot über „ein paar Stunden Sicherheit für eine Parade“ hinausgehe. Kiew fordere stattdessen einen bedingungslosen 30-tägigen Waffenstillstand. „Wir schätzen Menschenleben, nicht Paraden“, schrieb er weiter. Peskow erklärte, die Feuerpause werde umgesetzt, eine Antwort aus Kiew sei „nicht erforderlich“.


