Lieferketten-Pakt

Nach Hormus-Blockade: Singapur und Neuseeland schließen weltweit erstes Krisenabkommen

Singapur und Neuseeland sichern sich gegenseitig Zugang zu Treibstoff, Lebensmitteln und Medizinprodukten zu. Weitere Staaten könnten dem Abkommen beitreten.

Der Premierminister von Neuseeland Christopher Luxon hat mit Singapur ein Handelsabkommen unterzeichnet.
Der Premierminister von Neuseeland Christopher Luxon hat mit Singapur ein Handelsabkommen unterzeichnet.Mischa Schoemaker/imago

Die Premierminister Singapurs und Neuseelands, Lawrence Wong und Christopher Luxon, haben am Montag in Singapur ein Abkommen unterzeichnet, das den Handel mit lebenswichtigen Gütern auch in Krisenzeiten sicherstellen soll. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, handelt es sich nach Angaben beider Regierungen um die weltweit erste Vereinbarung dieser Art.

Das sogenannte Agreement on Trade in Essential Supplies (AOTES) verpflichtet beide Staaten, keine Exportbeschränkungen für eine vereinbarte Liste von Gütern zu verhängen. Dazu zählen laut dem New Zealand Herald Lebensmittel, Treibstoffe, medizinische Ausrüstung und Baumaterialien. Singapur importiert 90 Prozent seiner Lebensmittel, während Neuseeland sämtliche raffinierten Treibstoffe wie Benzin, Diesel und Kerosin aus dem Ausland bezieht. Rund ein Drittel des neuseeländischen Treibstoffs stammt nach Reuters-Angaben aus Raffinerien in Singapur.

Premierminister Wong erklärte laut NZ Herald bei der Unterzeichnung, das Abkommen stelle sicher, dass sich beide Länder in schwierigen Zeiten nicht gegenseitig ausschlössen. „In schweren Zeiten ist jedes Land versucht, sich nach innen zu wenden. Wenn das passiert, brechen Lieferketten zusammen, und am Ende stehen alle schlechter da“, sagte Wong.

Weitere Staaten könnten miteinbezogen werden

Der Vertrag wurde bereits im Oktober vergangenen Jahres während Wongs Besuch in Neuseeland ausgehandelt, also vor Ausbruch des Iran-Krieges, wie Reuters berichtet. Die Unterzeichnung fällt nun in eine Phase globaler Unsicherheit: Laut NZ Herald sind die Treibstoffpreise in Neuseeland gestiegen, nachdem der Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus die Versorgungslage in den Fokus gerückt haben.

Luxon sagte gegenüber Medien nach der Unterzeichnung, er habe mit Wong darüber gesprochen, weitere Staaten einzubeziehen. Es gebe „möglicherweise eine Gruppe von Ländern, die daran interessiert sein könnten“. Wong verwies laut Reuters auf das CPTPP-Handelsabkommen, das ursprünglich von Brunei, Chile, Neuseeland und Singapur gestartet worden war und später erweitert wurde.

Luxon, der von der Finanzministerin Nicola Willis begleitet wurde, traf nach Angaben des NZ Herald in Singapur ansässige Treibstoffunternehmen. Er zeige sich „ziemlich beruhigt“ über die Versorgungslage. Während die Lieferungen aus dem Nahen Osten eingeschränkt seien, hätten die Raffinerien weltweit alternative Rohstoffquellen erschlossen, so Luxon.