Energiesicherheit

Singapur und Australien wollen bei der Absicherung ihrer Treibstoffversorgung kooperieren

Beide Länder reagieren auf die angespannte Versorgungslage infolge des Nahostkonflikts. Australien meldet ausgefallene Lieferungen, schließt Rationierung aber vorerst aus.

Australien reagiert mit neuen Maßnahmen auf die angespannte Treibstoffversorgung.
Australien reagiert mit neuen Maßnahmen auf die angespannte Treibstoffversorgung.dpa/Dave Hunt

Singapurs Premierminister Lawrence Wong und Australiens Premierminister Anthony Albanese haben am Montag eine gemeinsame Erklärung zur Energiesicherheit veröffentlicht. Darin vereinbaren beide Staaten eine engere Abstimmung bei Lieferketten, Handelsströmen und möglichen Versorgungsstörungen infolge der Krise im Nahen Osten, wie das singapurische Außenministerium mitteilte. Welche konkreten Mechanismen die Vereinbarung zwischen Singapur und Australien vorsieht, geht daraus nicht hervor.

Die Erklärung fällt in eine Phase, in der vor allem Australien unter Versorgungsdruck steht. Das Land deckt rund 90 Prozent seines Treibstoffbedarfs durch Importe und ist damit besonders anfällig für Störungen internationaler Lieferwege. Sechs Treibstofflieferungen aus Asien seien zuletzt ausgefallen, erklärte Energieminister Chris Bowen am Sonntag in einer Fernsehansprache, wie Reuters berichtete.

Australien sieht keinen Anlass für Rationierung

Bowen betonte am Sonntag zugleich, die Versorgungslage sei weiter stabil. Australien verfüge über Benzinvorräte für 38 Tage sowie Diesel- und Kerosinreserven für 30 Tage. Zwei Raffinerien arbeiteten unter Volllast, weitere Tankschiffe seien unterwegs. Auf die Frage, ob die Regierung Notstandsbefugnisse zur Rationierung einsetzen könnte, sagte Bowen laut Reuters: „Davon sind wir weit entfernt.“

Premierminister Albanese rief die Bevölkerung erneut dazu auf, keine Hamsterkäufe bei Treibstoff zu tätigen. Bereits vergangene Woche hatte er zusätzliche Maßnahmen angekündigt: Anthea Harris, die frühere Chefin der australischen Energieregulierungsbehörde, wurde zur Koordinatorin einer nationalen Arbeitsgruppe für Treibstoffversorgung ernannt. Sie soll Engpässe bewältigen und die heimische Lieferkette stärken.

Sorge vor neuer Eskalation am Golf

Die Vereinbarung zwischen Singapur und Australien fällt in eine Phase möglicher weiterer Eskalation in der Region. Teheran drohte, die Straße von Hormus vollständig zu sperren, sollten iranische Kraftwerke angegriffen werden. Durch die Meerenge zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels.

Der Guardian berichtete am Montag, die die von der Labor-Partei geführte Regierung stehe innenpolitisch unter Druck, auf den Ölpreisschock entschlossener zu reagieren und dabei auch unkonventionelle Instrumente zu nutzen.

Laut ABC News könnte zudem eine zweite koordinierte Freigabe strategischer Treibstoffreserven durch die Internationale Energieagentur bevorstehen.