In der südostrumänischen Stadt Galati haben Trümmer einer russischen Drohne nach einem nächtlichen Angriff auf die Ukraine offenbar erstmals Sachschäden auf rumänischem Staatsgebiet verursacht. Wie das Verteidigungsministerium in Bukarest am Samstag mitteilte, wurden ein Strommast sowie ein Nebengebäude eines Wohnhauses beschädigt. Verletzte habe es nicht gegeben.
Rumänien, Mitglied von Nato und EU, teilt eine rund 650 Kilometer lange Landgrenze mit der Ukraine. Seit Beginn der russischen Angriffe auf ukrainische Donauhäfen kommt es regelmäßig zu Luftraumverletzungen durch russische Drohnen. Während Trümmerteile bereits mehrfach auf rumänischem Boden niedergegangen waren, war es laut dem Ministerium das erste Mal, dass dabei Eigentum beschädigt wurde.
Rumänien erhebt Vorwürfe gegen Moskau
Das Verteidigungsministerium verurteilte den Vorfall als „verantwortungslose Handlung“ Russlands, die eine „neue Herausforderung für die regionale Sicherheit und Stabilität im Schwarzmeerraum“ darstelle. Solche Vorkommnisse zeigten Moskaus mangelnden Respekt vor dem Völkerrecht und gefährdeten sowohl die rumänische Bevölkerung als auch die kollektive Sicherheit der Nato.
Zwei Eurofighter Typhoon, die im Rahmen einer britischen Luftraumüberwachungsmission in Rumänien stationiert sind, wurden zur Beobachtung des Angriffs aus der Luft alarmiert. Bewohner des benachbarten Kreises Tulcea wurden zudem aufgefordert, Schutz zu suchen.
Rumänien will künftig KI-gestütztes Abwehrsystem nutzen
Spannungen entlang der Nato-Ostflanke haben in den vergangenen Monaten zugenommen, nachdem mutmaßlich russische Drohnen in den Luftraum mehrerer Bündnispartner eingedrungen waren. Das rumänische Recht erlaubt zwar den Abschuss von Drohnen auch in Friedenszeiten, sofern Leben oder Eigentum gefährdet sind. Davon hat das Land bislang jedoch keinen Gebrauch gemacht.
Verteidigungsminister Radu Miruta kündigte am Freitag an, dass innerhalb weniger Tage ein KI-gestütztes Abwehrsystem aus US-Produktion in die nationale Luftverteidigung integriert werde. Das System mit dem Namen Merops wurde von dem US-Unternehmen Project Eagle entwickelt, das vom ehemaligen Google-Chef Eric Schmidt unterstützt wird. Es soll Drohnenbedrohungen entlang der Donau abwehren. Polen setzt das System nach Angaben Mirutas bereits an der Nato-Ostflanke ein.
Ukraine meldet schwere nächtliche Angriffe
Bei dem großangelegten russischen Angriff in der Nacht wurden nach Angaben aus Kiew in der Ukraine vier Menschen getötet und mehr als 30 weitere verletzt. Moskau habe über 660 Drohnen und Raketen abgefeuert, die vor allem die Stadt Dnipro im Südosten des Landes sowie weitere Regionen trafen. „Praktisch die ganze Nacht haben die Russen Dnipro und unsere anderen Städte und Gemeinden bombardiert“, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in den sozialen Medien.
Die meisten Ziele seien städtische Infrastruktur gewesen. Aus einem getroffenen Gebäude in Dnipro seien zwei Leichen geborgen worden, fünf weitere Menschen könnten noch unter Trümmern verschüttet sein, sagte der Regionalgouverneur Oleksandr Hanzha; 21 weitere Personen seien in der Stadt verletzt worden. In der nördlichen Region Tschernihiw töteten Raketen- und Drohnenangriffe nach Angaben des dortigen Gouverneurs zwei Menschen und verletzten sieben weitere.
Selenskyj forderte die Partner zu raschem Handeln und einer schnellen Stärkung der Luftverteidigung auf. Die ukrainische Luftwaffe erklärte auf Telegram, Russland habe das Land mit 619 Drohnen und 47 Raketen angegriffen; 580 Drohnen und 30 Raketen seien abgeschossen worden.
Seit Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine im Februar 2022 wurden zehntausende Zivilisten getötet. Von den USA vermittelte Gespräche über ein Ende des Krieges sind seit Wochen festgefahren.


