Ukraine-Krieg

Selenskyj: Ukraine greift Öltanker der russischen Schattenflotte und Ostsee-Hafen Primorsk an

Die Ukraine verschärft ihre Angriffe auf Russlands Ölindustrie. Wolodymyr Selenskyj meldet Attacken auf zwei russische Öltanker. Auch der Ostseehafen Primorsk gerät unter Drohnenbeschuss.

Der russische Hafen Noworossijsk am Schwarzen Meer: Die Ukraine meldet Angriffe auf zwei Öltanker nahe der Hafeneinfahrt.
Der russische Hafen Noworossijsk am Schwarzen Meer: Die Ukraine meldet Angriffe auf zwei Öltanker nahe der Hafeneinfahrt.AP/dpa

Ukrainische Streitkräfte haben nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj zwei russische Tankschiffe nahe der Hafeneinfahrt von Noworossijsk im Schwarzen Meer angegriffen. Die Schiffe gehören laut Selenskyj zu Wladimir Putins Schattenflotte, mit der Russland westliche Sanktionen gegen seine Ölexporte umgeht. „Diese Tanker wurden aktiv für den Öltransport genutzt. Jetzt nicht mehr“, erklärte der ukrainische Präsident am Sonntag auf Telegram und veröffentlichte dazu Videoaufnahmen, die den Angriff zeigen sollen.

Die Operation sei vom Generalstabschef Andrij Hnatow geleitet worden, unter Beteiligung des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU und der Marine, teilte Selenskyj auf X mit. „Die ukrainischen Langstreckenfähigkeiten werden umfassend weiterentwickelt – zu Wasser, in der Luft und an Land“, so der Präsident.

Eine offizielle russische Bestätigung der Angriffe auf die Tanker liegt bislang nicht vor. Noworossijsk hat sich nach wiederholten ukrainischen Angriffen auf das besetzte Krim-Gebiet zu einem zentralen Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte entwickelt und gewinnt sowohl militärisch als auch logistisch an Bedeutung.

Ukraine nimmt Russlands Ölindustrie verstärkt ins Visier

Die Angriffe sind Teil einer zunehmend intensiven ukrainischen Kampagne gegen russische Energieanlagen und Ölexporte. Kiew versucht damit nach eigenen Angaben, eine zentrale Einnahmequelle für Russlands Krieg gegen die Ukraine zu schwächen.

Russland hat seit Beginn der vollständigen Invasion 2022 die sogenannte Schattenflotte aufgebaut. Das Netzwerk stützt sich nach Angaben des Kyiv Independent auf Briefkastenfirmen, undurchsichtige Eigentumsstrukturen und häufig wechselnde Nationalflaggen, um Verbindungen zu Moskau zu verschleiern und westliche Sanktionen gegen russische Ölexporte zu umgehen.

Auch Ostseehafen Primorsk angegriffen

Parallel zu den Angriffen im Schwarzen Meer attackierte die Ukraine in der Nacht erneut den russischen Ölverladehafen Primorsk an der Ostsee. „Im Zuge der Abwehr von Attacken auf Primorsk ist ein Feuer ausgebrochen, im Moment sind die Folgen des Brands liquidiert“, schrieb der Gouverneur des die Millionenstadt St. Petersburg umgebenen Gebiets Leningrad, Alexander Drosdenko, bei Telegram. Ölprodukte seien nicht ausgelaufen. Über der Region seien mehr als 60 Drohnen abgeschossen worden.

Das unabhängige Portal Astra berichtete unter Berufung auf Satellitenbildauswertungen, dass vermutlich das Ölterminal selbst sowie ein Flugabwehrsystem des Typs Panzir von Drohnen getroffen worden seien. Angaben zur Schwere der Schäden liegen nicht vor.

Vierter Angriff auf Raffinerie Tuapse innerhalb von zwei Wochen

Bereits in der Nacht zum Freitag hatten ukrainische Drohnen das russische Ölterminal und die Raffinerie in Tuapse am Schwarzen Meer angegriffen. Russische Behörden bestätigten einen Brand an der Anlage in der Region Krasnodar, Tote oder Verletzte habe es nach offiziellen Angaben nicht gegeben. Es war bereits der vierte Angriff auf die strategisch wichtige Anlage innerhalb von zwei Wochen – nach Attacken am 16., 20. und 28. April. Nach dem dritten Angriff war in dem Gebiet sogar der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Die Raffinerie von Tuapse verarbeitet nach ukrainischen Angaben rund zwölf Millionen Tonnen Öl pro Jahr.

Selenskyj hatte am Mittwoch erklärt, die Ukraine habe zuletzt ein Ziel mehr als 1500 Kilometer von der Grenze entfernt getroffen – nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes SBU eine Ölpumpstation nahe der russischen Stadt Perm. Selenskyj sprach von einer „neuen Etappe“ ukrainischer Angriffe auf Russlands Kriegswirtschaft. Nach Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg erreichten die ukrainischen Angriffe auf russische Ölanlagen im April den höchsten Stand seit vier Monaten, die russische Raffineriekapazität sank zeitweise auf den niedrigsten Wert seit 2009.