Spannungen

Ukraine-Drohnendeal: Russland sieht Beziehung zu Japan auf „historischem Tiefpunkt“

Ein japanisches Unternehmen will mit einem ukrainischen Drohnenhersteller kooperieren. Russland sieht darin einen „feindseligen“ Schritt.

Ein Soldat hält eine Abfangdrohne in der Hand (Symbolbild)
Ein Soldat hält eine Abfangdrohne in der Hand (Symbolbild)Nina Liashonok/Avalon/imago

Das russische Außenministerium hat den japanischen Botschafter Akira Muto einbestellt, um gegen eine Investitionsvereinbarung des japanischen Unternehmens Terra Drone mit dem ukrainischen Drohnenhersteller Amazing Drones zu protestieren. Dem Botschafter sei mitgeteilt worden, dass Russland die Investition als „offen feindseligen“ Schritt betrachte, der die Sicherheitsinteressen des Landes verletze, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung des Ministeriums.

Das Außenministerium sprach weiter von einer „unfreundlichen Politik“ Japans gegenüber Moskau. Die bilateralen Beziehungen hätten unter der neuen Regierung von Premierministerin Sanae Takaichi „einen historischen Tiefpunkt“ erreicht, so das Ministerium weiter. Das japanische Außenministerium äußerte sich laut Bloomberg nicht unmittelbar zu dem Vorgang.

Japanisches Unternehmen investiert in ukrainische Drohnen

Terra Drone, ein börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Tokio, hatte Bloomberg zufolge im März bekannt gegeben, eine nicht näher bezifferte Summe in Amazing Drones LLC investiert zu haben. Das ukrainische Unternehmen entwickelt und produziert sogenannte Abfangdrohnen.

Diese Drohnen sind darauf ausgelegt, Raketen oder andere unbemannte Fluggeräte durch Rammen oder Detonieren in ihrer Nähe zu zerstören. Terra Drone erklärte, gemeinsam mit dem ukrainischen Unternehmen eine  Abfangdrohne entwickeln zu wollen und dabei „die praktische Anwendung des im Land erworbenen technischen Know-hows zu fördern“.

Angespannte Beziehung zwischen Tokio und Moskau

Die Beziehung zwischen Japan und Russland ist bereits seit Längerem angespannt, unter anderem weil sich Tokio im Ukraine-Krieg weitgehend den westlichen Sanktionen gegen Moskau angeschlossen hat. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte erst vor einigen Tagen, Japan mische sich durch die Unterstützung Kiews „zunehmend in den Konflikt um die Ukraine ein und verschärft damit die Beziehungen zu Russland“.

Zusätzlich belastet wird die Beziehung laut Reuters zwischen den beiden Ländern durch einen ungelösten Territorialstreit um mehrere Kurilen-Inseln, die in Japan auch als „Nördliche Territorien“ bekannt sind. Der russische Vizeaußenminister Andrej Rudenko drohte Ende März laut Tass, sollten weitere Schritte Japans „Bedrohungen für Russlands fernöstliche Grenzen“ darstellen, werde Moskau „angemessene Gegenmaßnahmen ergreifen“.

Russland drohte Südkorea mit „Vergeltungsmaßnahmen“

Rudenko hatte auch Südkorea mit „Vergeltungsmaßnahmen“ gedroht, sollte das Land tödliche Waffen an die Ukraine liefern. Die Aussagen folgten auf Berichte im Februar, laut denen Seoul einen Beitritt zu der Purl-Initiative in Betracht ziehe, über die Nato-Länder und weitere Verbündete US-Waffen für die Ukraine bereitstellen.

Das russische Außenministerium habe Südkorea gewarnt, dass ein solcher Schritt die Beziehung zwischen den beiden Ländern „irreparabel schädigen“ würde, was Seoul jedoch vermeiden wolle, erklärte der russische Botschafter Georgi Sinowjew laut Tass. „Daher hoffe ich, dass wir keine konkreten Vergeltungsmaßnahmen, einschließlich asymmetrischer, ausarbeiten müssen“, so Sinowjew.