Nahost

Bericht: Trumps Iran-Briefings zeigen vor allem Erfolge – Verbündete warnen vor verzerrtem Lagebild

Ein Bericht über Trumps tägliche Kriegsbriefings sorgt in Washington für Unruhe. Verbündete befürchten, dass ihm ein zu positives Bild des Konflikts vermittelt wird.

US-Präsident Donald Trump im Oval Office
US-Präsident Donald Trump im Oval OfficeAaron Schwartz/imago

US-Präsident Donald Trump erhält im Iran-Krieg laut einem Bericht des Senders NBC News täglich Video-Zusammenfassungen, die vor allem erfolgreiche Angriffe der US-Streitkräfte zeigen. Innerhalb seines Umfelds wächst demnach die Sorge, dass ihm dadurch ein unvollständiges Bild des Konflikts im Nahen Osten vermittelt wird.

Wie NBC News unter Berufung auf mehrere aktuelle und einen ehemaligen US-Beamten berichtet, stellen Militärs täglich rund zweiminütige Videos zusammen. Diese zeigen demnach gezielt die „größten und erfolgreichsten“ Angriffe auf iranische Ziele der vergangenen 48 Stunden.

Zwar erhalte Trump zusätzlich Briefings von Militärs, Geheimdiensten und internationalen Partnern. Einige seiner Verbündeten befürchten jedoch laut dem Bericht, dass negative Entwicklungen dabei weniger stark berücksichtigt werden – oder beim Präsidenten weniger Gewicht erhalten.

Ein US-Beamter sagte dem Sender, die Informationen, die Trump erreichten, betonten überwiegend Erfolge der US-Streitkräfte, während iranische Angriffe oder Rückschläge vergleichsweise wenig Raum einnähmen. Die Videos spiegelten damit nicht die gesamte Lage im inzwischen mehrere Wochen andauernden Krieg wider.

Frust über Medien – Zweifel an Informationslage

Nach Angaben von NBC News beeinflussen die Video-Zusammenfassungen auch Trumps Wahrnehmung der öffentlichen Berichterstattung. Der Präsident habe sich intern wiederholt gefragt, warum Medien nicht stärker über die militärischen Erfolge berichten, die er in den täglichen Clips sehe.

Ein Beispiel für mögliche Informationslücken nennt der Bericht ebenfalls: So sei Trump über einen iranischen Angriff auf eine US-Basis in Saudi-Arabien, bei dem mehrere Tankflugzeuge getroffen wurden, zunächst nicht informiert worden und habe davon erst durch Medienberichte erfahren. Öffentlich warf er der Presse anschließend vor, ein verzerrtes Bild zu zeichnen.

Einige Verbündete sehen darin laut NBC News ein strukturelles Problem. Sie befürchten, dass Trump wichtige Entscheidungen auf Grundlage eines eingeschränkten Lagebilds treffen könnte. Versuche, ihm zusätzliche Einschätzungen und Szenarien vorzulegen, hätten zuletzt zugenommen.

„Absolut falsch“: Weißes Haus weist Bericht zurück

Das Weiße Haus widersprach der Darstellung entschieden. Sprecherin Karoline Leavitt erklärte laut NBC News, die Behauptung, Trump erhalte kein vollständiges Bild, sei „absolut falsch“. Der Präsident fordere aktiv unterschiedliche Einschätzungen ein und erwarte Offenheit von seinen Beratern.

Auch Geheimdienst- und Militärvertreter betonten, Trump werde regelmäßig umfassend informiert. CIA-Direktor John Ratcliffe erklärte demnach vor dem Kongress, der Präsident erhalte zehn bis fünfzehn Briefings pro Woche zu sicherheitspolitischen Themen.

Debatte über Entscheidungsgrundlagen im Krieg

Die Frage, wie umfassend Präsidenten in Kriegszeiten informiert werden, ist politisch sensibel. NBC News verweist auf frühere Konflikte wie Vietnam oder den Irakkrieg, in denen Regierungen vorgeworfen wurde, negative Entwicklungen auszublenden.

Der Bericht trifft auf eine innenpolitisch heikle Lage für Trump. Umfragen zeigen eine gespaltene Öffentlichkeit: Während seine Anhänger den militärischen Kurs nahezu geschlossen unterstützen, lehnt eine Mehrheit der Wähler sein Vorgehen im Iran-Krieg ab.

Zugleich wächst der wirtschaftliche Druck. Die stark gestiegenen Energiepreise schlagen inzwischen auch in den USA durch. Höhere Spritkosten belasten Verbraucher und könnten vor den anstehenden Kongresswahlen zu einem politischen Risiko werden.

Eine aktuelle Umfrage des Instituts Ipsos im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters zeigt, wie stark die Zustimmung zuletzt gesunken ist. Demnach liegt Trumps Zustimmungswert nur noch bei 36 Prozent – ein Rückgang um vier Punkte innerhalb weniger Tage und der niedrigste Wert seit Beginn seiner Amtszeit. Besonders kritisch bewerten die Befragten seine Wirtschafts- und Lebenshaltungspolitik. Nur noch 25 Prozent äußerten sich zufrieden mit seinem Umgang mit den steigenden Kosten.

Auch die militärische Strategie stößt auf Skepsis: 61 Prozent der Befragten lehnen die Angriffe auf den Iran ab. Fast die Hälfte geht zudem davon aus, dass der Krieg die USA langfristig weniger sicher macht.