Die Ölpreise sind nach Signalen für mögliche Verhandlungen im Iran-Krieg deutlich gefallen. US-Präsident Donald Trump hatte erklärt, Gespräche zur Beendigung des Konflikts liefen „jetzt“, zugleich gebe es Fortschritte. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent sank im asiatischen Handel um rund fünf Prozent auf knapp 99 US-Dollar je Barrel. US-Öl verbilligte sich um mehr als 5,5 Prozent auf rund 88 US-Dollar. Auch an den Aktienmärkten in Asien ging es nach oben.
Auslöser der Bewegung waren Berichte über diplomatische Initiativen der USA. Mehrere US-Medien meldeten, die Trump-Regierung habe dem Iran einen 15-Punkte-Plan vorgelegt und dränge auf eine Waffenruhe. Laut Reuters wird auch über eine einmonatige Feuerpause diskutiert. Trump zeigte sich zuversichtlich und erklärte, die Gesprächspartner wollten „unbedingt einen Deal“. Teheran widersprach jedoch erneut und sprach von „Fake News“. Auch die staatliche Nachrichtenagentur IRNA zitierte einen Militärsprecher mit den Worten, die USA „verhandelten mit sich selbst“.
Straße von Hormus im Fokus der Märkte
Für Entspannung sorgte auch eine Erklärung des Iran zu der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Die iranische UN-Vertretung teilte mit, „nicht-feindliche“ Schiffe könnten die Route passieren, sofern sie sich mit den Behörden abstimmten. Berichten zufolge, hat der Iran bereits damit begonnen, für bestimmte Handelsschiffe Millionenbeträge zu verlangen.
Die Meerenge ist eine der wichtigsten Energierouten der Welt. Normalerweise passieren dort täglich etwa 20 Prozent des globalen Öl- und Flüssiggastransports. Seit Beginn der Kämpfe ist der Verkehr jedoch stark eingeschränkt, was die Preise zuletzt nach oben getrieben hatte.
Marktteilnehmer reagierten entsprechend sensibel auf die jüngsten Signale. „Der Markt handelt derzeit nach Schlagzeilen“, sagte ein Stratege von J.P. Morgan Asset Management laut Reuters. Die Hoffnung auf eine Entspannung sei vorhanden, bleibe aber fragil.
Preise bleiben trotz Rückgang hoch
Trotz des jüngsten Rückgangs liegt der Ölpreis weiter deutlich über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Brent hat seitdem rund 35 Prozent zugelegt und bewegt sich weiterhin nahe der Marke von 100 US-Dollar je Barrel.
Experten warnen, dass die Entspannung nur von kurzer Dauer sein könnte. Entscheidend sei, ob es tatsächlich zu sicheren Transportwegen im Persischen Golf komme. Ohne konkrete Fortschritte könnten die Preise schnell wieder steigen.
Die wirtschaftlichen Risiken bleiben erheblich. Der Chef des Energiekonzerns Shell warnte laut BBC, bereits in den kommenden Wochen könnten Engpässe Europa erreichen. Auch Finanzinvestor BlackRock sieht Gefahren: Steige der Ölpreis auf 150 US-Dollar, drohe eine globale Rezession. Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters, Larry Fink, sagte der BBC, wenn der Iran „eine Bedrohung bleibt“ und die Ölpreise hoch bleiben, werde dies „tiefgreifende Auswirkungen“ auf die Weltwirtschaft haben.
BlackRock ist ein Finanzgigant mit einem verwalteten Vermögen von 14 Billionen US-Dollar und einer der größten Investoren vieler der weltweit größten Unternehmen. Im ersten Szenario, wenn der Konflikt beigelegt wird und der Iran wieder international akzeptiert wird, könnte der Ölpreis unter das Vorkriegsniveau fallen. Andernfalls, so sagt Fi, könnten „Jahre mit Ölpreisen über 100 Dollar, eher bei 150 Dollar, folgen, was tiefgreifende Auswirkungen auf die Wirtschaft hätte“ und zu einer „wahrscheinlich heftigen und tiefen Rezession“ führen würde.


