Iran-Krieg

Trump-Ultimatum läuft ab: Iran stellt Bedingungen – Ölpreise steigen weiter

Die Frist von US-Präsident Donald Trump endet in der Nacht. Der Iran lehnt einen Waffenstillstand ab und stellt eigene Bedingungen – die Ölpreise reagieren mit deutlichen Aufschlägen.

US-Präsident Donald Trump spricht im Weißen Haus.
US-Präsident Donald Trump spricht im Weißen Haus.Mark Schiefelbein/dpa

Die Ölpreise haben am Dienstag erneut deutlich zugelegt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, stieg die Nordseesorte Brent um 1,6 Prozent auf 111,51 US-Dollar pro Barrel. US-Öl der Sorte WTI verteuerte sich sogar um 3,1 Prozent auf 115,86 US-Dollar.

Auch andere Nachrichtenagenturen berichten von weiter steigenden Preisen. Brent nähert sich damit wieder dem März-Hoch von mehr als 112 US-Dollar, wie die Deutsche Presse-Agentur meldet.

Seit Beginn des Iran-Kriegs hat sich Öl massiv verteuert. Laut dpa legte Brent um mehr als 50 Prozent zu. Beim kurzfristigen Mai-Kontrakt für WTI beträgt der Anstieg sogar rund 70 Prozent.

An den Finanzmärkten bleibt die Lage angespannt. Der deutsche Leitindex Dax trat zum Wochenstart nach dem Osterwochenende weitgehend auf der Stelle und notierte zuletzt bei 23.188 Punkten. Marktanalyst Andreas Lipkow vom Handelshaus CMC Markets erklärte, das Ultimatum der USA gegen den Iran bleibe das dominierende Thema.

Hormus seit Wochen blockiert – jetzt droht die Eskalation

Die Straße von Hormus ist nicht erst seit wenigen Tagen ein Problem – sie ist seit Wochen faktisch blockiert. Doch mit dem jüngsten Ultimatum der US-Regierung spitzt sich die Lage erneut dramatisch zu.

Die Meerenge ist eine der wichtigsten Verkehrsadern der Weltwirtschaft. Rund ein Fünftel des globalen Ölangebots wird normalerweise durch diese Passage transportiert. Inzwischen sind die Lieferströme massiv eingeschränkt, Exporte aus mehreren Golfstaaten eingebrochen. Die Folgen reichen weit über den Ölmarkt hinaus. Raffinerien in Europa und Asien suchen hektisch nach Ersatz, während kurzfristig verfügbare Lieferungen immer teurer werden.

IEA warnt vor „schwarzem April“: Krise schwerer als frühere Öl-Schocks

Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht bereits jetzt historische Dimensionen. IEA-Direktor Fatih Birol sagte der französischen Zeitung Figaro, die aktuelle Krise sei „schwerwiegender als die Krisen von 1973, 1979 und 2022 zusammen“. Der Krieg lege „eine der Lebensadern der Weltwirtschaft lahm“ – die Straße von Hormus. Betroffen seien nicht nur Öl und Gas, sondern auch Düngemittel, Petrochemikalien und andere zentrale Rohstoffe.

Birol warnte vor einem „schwarzen April“. Der März sei bereits schwierig gewesen, doch die Lage könne sich weiter verschärfen, wenn die Blockade bestehen bleibe. Zudem seien bereits 65 Energieanlagen angegriffen worden, ein Drittel davon schwer beschädigt. Die Reparatur werde Monate dauern.

Trumps Ultimatum läuft in der Nacht ab

US-Präsident Donald Trump verschärft derweil den Druck auf Teheran. Er setzte dem Iran eine Frist bis Dienstagabend Ortszeit, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Das entspricht Mittwoch, 2 Uhr MESZ.

Sollte Teheran nicht einlenken, drohte Trump damit, iranische Infrastruktur wie Brücken und Kraftwerke anzugreifen. Er kündigte an, „die Hölle“ über das Land zu bringen. Der US-Präsident warnte zudem vor einer „völligen Zerstörung“ zentraler Anlagen. Ein Sprecher der iranischen Militärführung reagierte darauf mit Spott. Im Hintergrund laufen Berichten zufolge derzeit Verhandlungen über eine Waffenruhe.

Iran kontert: Forderungen und Gebühren für Hormus-Passage

Der Iran fordert für eine Feuerpause mit Israel und den USA laut einem Medienbericht Sicherheitsgarantien und ein Ende israelischer Angriffe auf die Hisbollah-Miliz im Südlibanon. Die New York Times schrieb unter Berufung auf zwei nicht namentlich genannte iranische Regierungsvertreter, Teheran wolle zudem Zusicherungen, künftig nicht Ziel weiterer Angriffe zu werden. Zudem bringt Teheran einen weitreichenden Vorschlag ein: Für die Nutzung der Straße von Hormus soll künftig eine Gebühr von rund zwei Millionen US-Dollar pro Schiff erhoben werden. Die Einnahmen sollen zwischen dem Iran und Oman aufgeteilt werden.

Den iranischen Anteil will Teheran demnach für den Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur verwenden. Trump bezeichnete den Vorschlag zunächst als „bedeutend“, erklärte später jedoch, er reiche nicht aus.

Lieferengpässe: Europa und Asien suchen Ersatz

„Die Uhr spielt aktuell eine ebenso große Rolle wie die fundamentalen Faktoren“, sagte Marktanalyst Tim Waterer vom Analysehaus KCM Trade laut Reuters. Priyanka Sachdeva von Phillip Nova erklärte, die Spannungen blieben hoch und die Diplomatie hänge „am seidenen Faden“.

Die Auswirkungen sind bereits spürbar. Durch die blockierte Hormus-Passage ist das globale Angebot deutlich eingeschränkt. Raffinerien in Europa und Asien versuchen laut Reuters, alternative Lieferquellen zu sichern. Gleichzeitig sind die Preise für kurzfristige Lieferungen auf Rekordniveaus gestiegen.

Auch Saudi-Arabien reagiert: Der staatliche Ölkonzern Aramco erhöhte den offiziellen Verkaufspreis für seine wichtigste Sorte deutlich und setzte einen historischen Aufschlag für Lieferungen nach Asien fest.

Opec+ erhöht Förderziele – Wirkung bleibt begrenzt

Die Förderländer versuchen gegenzusteuern. Das Bündnis Opec+ kündigte laut Reuters an, die Förderquoten im Mai um 206000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Der Effekt dürfte jedoch gering bleiben. Viele Mitgliedstaaten können ihre Produktion nicht steigern, weil die Blockade der Straße von Hormus den Export verhindert.

Für die Finanzmärkte sind die Ölpreise derzeit ein zentraler Gradmesser. Laut dpa spiegeln sie sowohl Inflationsrisiken als auch Sorgen um die Konjunktur wider. Analystin Sachdeva warnte laut Reuters, dass selbst ein Ende der Kämpfe die Lage nicht sofort entspannen würde. Beschädigte Infrastruktur könnte die Versorgung noch über Monate beeinträchtigen.