Der Iran hat seit Kriegsbeginn Ende Februar offenbar keinem einzigen mit Flüssigerdgas (LNG) beladenen Tanker die Durchfahrt durch die Straße von Hormus gestattet. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf Händler, die in den Transit involviert sind.
Am Montag versuchten laut Bloomberg scheinbar zwei mit katarischem LNG beladene Tanker, den Persischen Golf zu verlassen, mussten jedoch innerhalb weniger Stunden umkehren. Iranische Beamte verweigerten die Freigabe, erklärten die Händler dem Bericht zufolge.
Die Schiffe „Al Daayen“ und „Rasheeda“ wurden von Irans Revolutionsgarden gestoppt und ohne Begründung angewiesen, ihre Position zu halten, sagte eine nicht näher benannte Quelle gegenüber Reuters. Ursprünglich habe der Iran der Durchfahrt im Rahmen einer von Pakistan vermittelten Vereinbarung mit den USA zugestimmt, hieß es.
Japanischer LNG-Tanker passierte Meerenge offenbar ohne Ladung
Beide Schiffe befanden sich laut Reuters am Montagabend vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate und hatten die Meerenge nicht passiert. Wären die Schiffe durchgekommen, hätte es sich dem Bericht zufolge um den ersten LNG-Transit seit Kriegsbeginn am 28. Februar gehandelt.
Über die Straße von Hormus fließt normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und LNG-Handels. Seit dem Konfliktbeginn durch US-amerikanische und israelische Angriffe auf den Iran ist der Schiffsverkehr dort drastisch eingebrochen. Zwar konnten einzelne LPG- und Öltanker – etwa unter pakistanischer oder indischer Flagge – die Meerenge mit iranischer Genehmigung passieren, LNG-Frachter blieben jedoch blockiert.
Möglicherweise könnten Schiffe die Straße von Hormus durch die Abschaltung ihrer Transponder oder Signalstörungen unentdeckt passiert haben, berichtete Bloomberg. Schiffverfolgungsdaten und Angaben von Händlern deuten dem Bericht zufolge jedoch darauf hin, dass bisher lediglich ein LNG-Tanker ohne Ladung die Meerenge passierte.
Dabei handelte es sich um den japanischen LNG-Tanker „Sohar LNG“, teilte dessen Miteigentümer Mitsui O.S.K. Lines laut Reuters mit. Wann genau die Durchfahrt stattfand und ob Verhandlungen nötig waren, teilte das Unternehmen nicht mit. Schiffsverfolgungsdaten zeigen laut Bloomberg mehr als ein Dutzend beladener LNG-Tanker, die in der Region vor Anker liegen.
Folgen für globale LNG-Exporte
Die Blockade könnte weltweite LNG-Engpässe verschärfen. Katar, der zweitgrößte LNG-Exporteur der Welt, musste seine Exportanlage in Ras Laffan nach iranischen Angriffen teilweise stilllegen. Laut QatarEnergy wurden 17 Prozent der katarischen LNG-Exportkapazität beschädigt – Reparaturen dürften Reuters zufolge 12,8 Millionen Tonnen Jahreskapazität für drei bis fünf Jahre lahmlegen.
Die globalen LNG-Exporte fielen laut Bloomberg im März auf ein Sechsmonatstief, die Importe nach Asien sanken so stark wie seit 2022 nicht mehr. Japan und Bangladesch greifen als Folge bereits verstärkt auf Kohle zurück, Taiwan gab Hunderte Millionen Dollar für Spot-LNG-Ladungen aus.


