Nahost

Trump: Irans Präsident bittet um Waffenruhe – Peseschkian schreibt offenen Brief an Amerikaner

Trump meldet eine angebliche Waffenruhe-Anfrage aus dem Iran. Präsident Massud Peseschkian richtet eine seltene Botschaft an die Amerikaner und kritisiert den Krieg.

US-Präsident Dpnald Trump spricht Oval Office.
US-Präsident Dpnald Trump spricht Oval Office.BRENDAN SMIALOWSKI/AFP

Der iranische Präsident Massud Peseschkian hat nach Angaben von US-Präsident Donald Trump um eine Waffenruhe gebeten. Auf seiner Plattform Truth Social schreibt Trump, ein entsprechendes Signal aus Teheran liege vor.

Trump stellt zugleich Bedingungen: Washington werde ein solches Angebot erst prüfen, wenn die Straße von Hormus „offen, frei und sicher“ sei. Die Meerenge gilt als zentrale Route für den globalen Öltransport.

Trump: Iran „zurück in die Steinzeit“ bombardieren

In dem Beitrag verschärft Trump den Ton deutlich. Die USA würden den Iran „dem Erdboden gleichmachen“ oder „zurück in die Steinzeit“ bombardieren, schreibt er. Zugleich bezeichnet er den iranischen Präsidenten als „weniger radikalisiert“ und „deutlich intelligenter“ als die vorherige iranische Führung. Für Trumps Darstellung gibt es bislang keine unabhängige Bestätigung.

Offener Brief: Irans seltene Botschaft an die USA

Tatsächlich hatte Peseschkian bereits am Dienstag Gesprächsbereitschaft angedeutet. In einem Telefonat mit EU-Ratspräsident António Costa sagte er laut AFP, der Iran habe „den nötigen Willen“, den Krieg zu beenden. Dies gelte jedoch nur unter Bedingungen. Teheran verlange „notwendige Garantien“, um eine Wiederholung der Angriffe zu verhindern. Dazu gehörten auch Entschädigungen sowie eine Klärung der Verantwortlichkeiten. Aus iranischer Sicht endet der Krieg demnach nicht auf Wunsch Washingtons, sondern erst, wenn die eigene Führung dies entscheidet.

Am Abend verschärfte Peseschkian plöztlich den Ton gegenüber den USA. In einem offenen Brief an die amerikanische Bevölkerung bezeichnete er den Krieg als „absurd“ und für die Vereinigten Staaten kostspielig. Ein anhaltender Konfrontationskurs sei „teurer und ergebnisloser denn je“, schrieb er. Die Angriffe auf die Infrastruktur träfen unmittelbar die iranische Bevölkerung und hätten Folgen für die gesamte Region. Sie schürten einen „Teufelskreis“ aus Gewalt und Feindseligkeit, deren Auswirkungen noch jahrelang spürbar seien.

Beobachter werten den für iranische Verhältnisse ungewöhnlichen offenen Brief als Versuch, Einfluss auf die amerikanische Öffentlichkeit zu nehmen und so indirekt Druck für eine Waffenruhe aufzubauen.

Revolutionsgarden widersprechen deutlich

Der Iran sendet jedoch zugleich gegenteilige Signale. Die staatliche Rundfunkanstalt Islamic Republic of Iran Broadcasting berichtete unter Berufung auf die Revolutionsgarden, die Straße von Hormus werde „nicht für die Feinde geöffnet“ – eine klare Anspielung auf die USA. Zugleich erklärte die Marine der Revolutionsgarden demnach, die Lage in der Meerenge sei „entschieden und vollständig unter Kontrolle“.

Auch aus dem iranischen Parlament kamen scharfe Töne. Ein Vizepräsident des Parlaments erklärte laut IRIB, die Straße werde weder für die USA noch für deren Verbündete geöffnet. Verhandlungen mit Washington habe es nicht gegeben und werde es auch nicht geben.

Machtkampf im Iran: Hardliner bremsen Verhandlungen

Berichte deuten auf interne Spannungen in Teheran über den weiteren Kurs hin. Nach Informationen der Jerusalem Post hat der Iran bislang nicht auf einen 15-Punkte-Vorschlag der USA reagiert. Hintergrund sei ein Machtkampf innerhalb der Führung.

Demnach stehen Hardliner – darunter Vertreter der Revolutionsgarden sowie Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Ex-Innenminister Ahmad Vahidi – moderateren Kräften gegenüber. Zu letzteren zählen Peseschkian und Außenminister Abbas Araghtschi, die sich dem Bericht der Jerusalem Post zufolge grundsätzlich offen für Verhandlungen zeigen. Aktuell hätten jedoch die Hardliner die Oberhand, schreibt die Zeitung unter Berufung auf politische und sicherheitsnahe Quellen. Eine einheitliche Linie Teherans sei damit nicht erkennbar.

Parallel verschärfte der Vorsitzende des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, Ebrahim Azizi, den Ton. Auf der Plattform X erklärte er in Richtung Washington, die Straße von Hormus werde sich zwar wieder öffnen – „aber nicht für die USA“.

Trump setzt auf schnellen Ausgang

Trump hatte zuvor angekündigt, den Krieg binnen zwei bis drei Wochen beenden zu wollen. Ziel sei, dass der Iran auf Jahre hinaus keine Atomwaffen entwickeln könne. Ein Abkommen mit Teheran sei dafür nicht zwingend notwendig, erklärte er laut Berichten unter anderem der The Times of Israel und der The Jerusalem Post. Der Krieg werde „mit oder ohne Deal“ enden.

Das Weiße Haus kündigte zudem eine Ansprache Trumps für Mittwochabend (Ortszeit) an, in der er ein „wichtiges Update“ zum Iran geben wolle.

USA und Israel uneins über Kriegsverlauf

Zwischen den Verbündeten USA und Israel zeichnet sich keine einheitliche Linie ab. Während Washington auf ein rasches Ende des Krieges drängt, bewertet Israel die Lage deutlich anders. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, die militärischen Fähigkeiten des Iran zur Produktion von Atomwaffen und Langstreckenraketen seien bereits „zerschlagen“. Zugleich machte er deutlich, dass der Krieg noch nicht beendet sei: Israel habe einen Großteil seiner Ziele erreicht, wolle die Angriffe aber fortsetzen.