Militärbündnis

Trump zieht Nato-Austritt ernsthaft in Erwägung und nennt Bündnis „Papiertiger“

Trump übt erneut Kritik an der Nato. Erwägungen, das Bündnis zu verlassen, gehen über „ein bloßes Hinterfragen hinaus“, erklärt der US-Präsident in einem Interview.

US-Präsident Donald Trump
US-Präsident Donald TrumpAlex Brandon/dpa

US-Präsident Donald Trump zieht nach eigenen Angaben einen Austritt der USA aus der Nato ernsthaft in Erwägung. „Oh ja, ich würde sagen, dass es über ein bloßes Hinterfragen hinausgeht“, sagte Trump in einem Interview mit dem britischen Telegraph auf die Frage, ob er nach dem Iran-Krieg die Nato-Mitgliedschaft überdenken werde.

„Ich habe mich nie von der Nato beeinflussen lassen“, fügte er hinzu. „Ich wusste immer, dass sie ein Papiertiger ist, und Putin weiß das übrigens auch.“ US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte laut Reuters am Vortag erklärt: „Was die Nato betrifft, ist das eine Entscheidung, die dem Präsidenten überlassen bleibt. Aber ich sage nur, es ist vieles offengelegt worden.“

Europäische Länder sperrten Luftraum für US-Militärflüge

Zuletzt hatten mehrere europäische Länder die Nutzung ihres Luftraums für amerikanische Militärflüge nicht zugelassen. Spanien schloss seinen Luftraum für Militärflüge, die an Einsätzen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg beteiligt sind. Frankreich verweigerte Israel laut Reuters die Nutzung seines Luftraums für einen Nachschubflug mit Militärgütern aus den USA. Auch Italien untersagte Berichten zufolge amerikanischen Militärflugzeugen die Landung auf einem Luftwaffenstützpunkt.

Hegseth kritisierte die Verbündeten scharf: „Wenn wir um zusätzliche Unterstützung oder einfachen Zugang, Stützpunkte und Überflugrechte bitten, bekommen wir Fragen, Hindernisse oder Zögern.“ Ein Bündnis, in dem Mitglieder nicht bereitstünden, wenn man sie brauche, sei wenig wert.

Rubio: USA müssen Beziehungen zur Nato „erneut prüfen“

US-Außenminister Marco Rubio schlug ähnliche Töne an. „Wir werden erneut prüfen, ob dieses Bündnis, das diesem Land eine Zeit lang gute Dienste geleistet hat, noch diesem Zweck dient“, sagte Rubio am Dienstag gegenüber Fox News und kritisierte: „Wenn wir die Hilfe unserer Verbündeten benötigen, verweigern sie uns die Stützpunktrechte.“

Trump kritisierte am Dienstag Großbritannien und weitere Länder für ihre ausbleibende Beteiligung an Einsätzen im Iran. „Ihr müsst anfangen zu lernen, wie man für sich selbst kämpft“, schrieb er auf Truth Social. „Die USA werden nicht mehr da sein, um euch zu helfen, genauso wie ihr nicht für uns da wart.“

Er habe zudem einen Vorschlag für Länder, die Schwierigkeiten hätten, Flugzeug-Treibstoff zu erhalten. „Erstens: Kauft bei den USA, wir haben genug davon. Und zweitens: Fasst endlich Mut, fahrt zur Straße von Hormus und nehmt es euch einfach“, erklärte Trump. „Holt euch euer eigenes Öl.“ (mit AFP)