US-Präsident Donald Trump hat kurz vor Ablauf seines Ultimatums an den Iran mit drastischen Worten vor einer möglichen Eskalation gewarnt. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben, um nie wieder zurückzukehren.“
Er fügte hinzu, er wolle eine solche Entwicklung zwar nicht, halte sie aber für wahrscheinlich. Zugleich stellte Trump einen grundlegenden politischen Umbruch im Iran in Aussicht. Er sprach von einem „vollständigen Regimewechsel“, bei dem künftig „andere, klügere und weniger radikalisierte Köpfe“ die Führung übernehmen könnten.
In seinem Beitrag bezeichnete Trump die aktuelle Situation als einen Wendepunkt von historischer Tragweite. Noch in der Nacht könne sich entscheiden, wie es weitergehe – es handle sich um einen der „wichtigsten Momente in der langen und komplexen Geschichte der Welt“. Zugleich stellte er in Aussicht, dass nach Jahrzehnten von „Erpressung, Korruption und Tod“ ein neues Kapitel beginnen könne.
Die Aussagen markieren eine deutliche Verschärfung der Rhetorik wenige Stunden vor Ablauf der Frist, die Trump Teheran zur Öffnung der Straße von Hormus gesetzt hat.
Iran warnt USA: Golfregion könnte „in völlige Dunkelheit fallen“
Teheran zeigt sich bisher offenbar unnachgiebig. Nach Angaben aus iranischen Regierungskreisen lehnt die Führung Zugeständnisse ab, solange die USA weiter Druck ausüben. Der Iran will nach Angaben eines hochrangigen Vertreters keine Zugeständnisse machen, solange die USA auf eine Kapitulation drängen, berichtete Reuters. Beiden Seiten würden sich demnach aber weiterhin über Pakistan Nachrichten schicken.
Der Vertreter erklärte laut Reuters zudem, Katar habe am Montag eine Botschaft des Iran an die USA und mehrerer Staaten der Golfregion übermittelt. Darin habe der Iran gewarnt, dass ein Angriff auf seine Energieinfrastruktur weitreichende Folgen hätte. Sollten die USA iranische Kraftwerke angreifen, könne „die gesamte Region und Saudi-Arabien in völlige Dunkelheit fallen“, zitierte Reuters die Quelle. Zugleich habe Teheran seine Haltung zur Straße von Hormus bekräftigt. Die USA drängten auf eine Öffnung der wichtigen Schifffahrtsroute. Der Iran werde dies jedoch nicht „im Austausch für leere Versprechen“ tun, sagte die Quelle laut Reuters.
Für den Fall einer weiteren Eskalation warnte der Vertreter zudem, Verbündete des Iran könnten auch die Meerenge Bab al-Mandab blockieren. Bereits Ende März hatte die Huthi-Miliz Zuvor mit der Sperrung der Meerenge gedroht.
Iran mobilisiert Bevölkerung zum Schutz von Infrastruktur
Parallel dazu rief ein iranischer Regierungsvertreter laut der Nachrichtenagentur AP die Bevölkerung dazu auf, Menschenketten um Kraftwerke zu bilden. Alireza Rahimi, Sekretär eines staatlichen Jugendgremiums, bezeichnete die Anlagen als „nationales Kapital“, das geschützt werden müsse. Irans Präsident Massud Peseschkian erklärte auf X, Millionen Menschen seien bereit, „ihr Leben für die Verteidigung des Iran zu opfern“.
Trump hatte zuvor gedroht, sämtliche Kraftwerke und Brücken des Landes zu zerstören, sollte Teheran die Straße von Hormus nicht wieder für den Schiffsverkehr öffnen.
Berichte über Angriffe auf Irans Ölinsel Kharg
Das US-Militär hat nach einem Bericht des Nachrichtenportals Axios am Dienstag militärische Ziele auf der iranischen Insel Kharg angegriffen. Auch der US-Sender Fox News meldete entsprechende Angriffe. Die Insel gilt als zentral für die iranische Ölindustrie. Rund 90 Prozent der Exporte werden dort abgewickelt. Iranische Medien berichteten zuvor von Explosionen. Eine unabhängige Bestätigung liegt bislang nicht vor.
Iran: Luftangriffe und Raketenbeschuss in der Region
Aus Teheran wurden zudem schwere Luftangriffe gemeldet. Auch Wohngebiete seien betroffen gewesen. Laut iranischen Staatsmedien starben mindestens 33 Menschen. Das israelische Militär erklärte, eine petrochemische Anlage in Schiraz angegriffen zu haben, und warnte Iraner auf Farsi vor der Nutzung von Zügen – ein möglicher Hinweis auf weitere geplante Angriffe, wie AP berichtet.
Iran feuerte seinerseits Raketen auf Saudi-Arabien ab. Diese wurden nach saudischen Angaben abgefangen, Trümmer fielen jedoch nahe Energieanlagen. Saudi-Arabien schloss daraufhin den King-Fahd-Damm nach Bahrain, wo die 5. US-Flotte stationiert ist.
Ultimatum läuft ab – Hormus bleibt zentraler Streitpunkt
Trump setzte dem Iran eine Frist bis Dienstagabend 20 Uhr Ortszeit, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Das entspricht Mittwoch, 2 Uhr MESZ. Sollte Teheran nicht einlenken, drohte der US-Präsident damit, iranische Infrastruktur wie Brücken und Kraftwerke anzugreifen. Er kündigte an, „die Hölle“ über das Land zu bringen. Er warnte zudem vor einer „völligen Zerstörung“ zentraler Anlagen. Ein Sprecher der iranischen Militärführung reagierte darauf mit Spott. Im Hintergrund laufen Berichten zufolge derzeit Verhandlungen über eine Waffenruhe.
Iran kontert: Gebühren für Hormus-Passage
Der Iran fordert für eine Feuerpause mit Israel und den USA laut einem Medienbericht Sicherheitsgarantien und ein Ende israelischer Angriffe auf die Hisbollah-Miliz im Südlibanon. Die New York Times schrieb unter Berufung auf zwei nicht namentlich genannte iranische Regierungsvertreter, Teheran wolle zudem Zusicherungen, künftig nicht Ziel weiterer Angriffe zu werden. Zudem bringt Teheran einen weitreichenden Vorschlag ein: Für die Nutzung der Straße von Hormus soll künftig eine Gebühr von rund zwei Millionen US-Dollar pro Schiff erhoben werden. Die Einnahmen sollen zwischen dem Iran und Oman aufgeteilt werden.




