Iran-Krieg

USA greifen Irans Öl-Insel Kharg an – „Zurückhaltung“ laut Revolutionsgarden beendet

Das US-Militär attackiert am Dienstag Medienberichten zufolge die Insel mit Irans wichtigstem Ölexporthafen. Teheran richtet daraufhin scharfe Worte an Staaten in der Region.

Die Insel Kharg, etwa 30 Kilometer südlich des iranischen Festlands
Die Insel Kharg, etwa 30 Kilometer südlich des iranischen FestlandsEUROPEAN SPACE AGENCY/AFP

Das US-Militär hat am Dienstag offenbar militärische Ziele auf der iranischen Insel Kharg angegriffen, wie das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf einen hochrangigen US-Regierungsvertreter berichtet. Auch der US-Sender Fox News bestätigt umfangreiche Angriffe. Die Insel Kharg wickelt rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte ab und gilt als einer der wirtschaftlich sensibelsten Standorte des Landes.

Iranische Medien hatten zuvor Explosionen auf Kharg gemeldet. Die israelischen Streitkräfte (IDF) erklärten zunächst gegenüber dem israelische Medium Ynet, keine Kenntnis von einem Angriff auf Kharg zu haben. US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Wochen mehrfach mit einer Bombardierung oder Einnahme der Insel gedroht.

Am 30. März schrieb er auf seiner Plattform Truth Social, man werde den „schönen Aufenthalt“ im Iran damit abschließen, „alle Kraftwerke, Ölquellen und Kharg Island in die Luft zu jagen und vollständig auszulöschen“. In einem Interview mit der Financial Times sagte Trump zudem: „Vielleicht nehmen wir Kharg Island ein, vielleicht nicht. Wir haben viele Optionen.“ Am Montag erklärte Trump schließlich, er sei verärgert über die iranische Regierung und diese werde „einen hohen Preis dafür bezahlen“.

Mitte März hatten die Vereinigten Staaten die Insel Kharg bereits aus der Luft angegriffen und laut Trump militärische Ziele „vollständig ausradiert“. Die Energieanlagen der Insel im Persischen Golf blieben jedoch unangetastet.

Ein US-Beamter erklärte laut einem Axios-Reporter auf X, dass die Angriffe auf die Insel Kharg in den frühen Morgenstunden am Dienstag (EST) nicht gegen Ölinfrastruktur gerichtet waren, sondern „Nachangriffe“ auf militärische Ziele darstellten, die bereits zuvor getroffen worden waren. Laut Fox News betrafen diese etwa Bunkeranlagen, eine Radarstation und Munitionslager.

Revolutionsgarden: Nun „keine Zurückhaltung mehr“

Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) reagierten am Dienstag mit einer ihrer bislang schärfsten Warnungen an die Nachbarstaaten des Iran. „Die Zurückhaltung ist vorbei“, hieß es in einer über iranische Medien verbreiteten Erklärung.

Darin drohten die Revolutionsgarden, US-amerikanische und verbündete Infrastruktur in der Region anzugreifen und Washington sowie dessen Partnern den Zugang zu Öl- und Gasressourcen auf Jahre zu verwehren. „Amerikas regionale Partner sollten wissen, dass wir bisher aus Rücksicht auf gute Nachbarschaft große Zurückhaltung geübt haben – all diese Rücksichten sind nun aufgehoben“, so die IRGC.

IDF meldet umfangreiche Angriffswelle auf iranische Ziele

Parallel zu den US-Angriffen auf Kharg teilten die israelischen Streitkräfte mit, eine breite Angriffswelle auf Dutzende Ziele im gesamten Iran abgeschlossen zu haben. Darunter befanden sich nach IDF-Angaben Infrastruktur und Brücken, die den Revolutionsgarden zum Waffentransport dienten.

Eines der Hauptziele war laut der israelischen Armee ein Petrochemie-Komplex in Schiraz, der als eine der letzten verbliebenen Anlagen zur Herstellung chemischer Grundstoffe für Sprengstoff und ballistische Raketen beschrieben wurde. Dort sei unter anderem Salpetersäure produziert worden – ein zentraler Bestandteil bei der Sprengstoff- und Raketenherstellung. Frühere Angriffe hätten bereits Irans größte Petrochemiefabrik sowie einen weiteren Großkomplex in Mahshahr getroffen, so das Militär.

Darüber hinaus meldete die IDF einen Angriff auf eine großflächige Abschussbasis für ballistische Raketen im Nordwesten des Iran, von der aus Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert worden seien. Insgesamt seien in jüngsten Präzisionsschlägen mehr als 130 iranische Luftabwehrsysteme zerstört worden.

Die jüngste Eskalation fällt mit dem Ablauf einer von Trump gesetzten Frist am Dienstagabend zusammen, innerhalb derer der Iran die Straße von Hormus wieder öffnen sollte. Washington hatte für den Fall der Nichtbefolgung mit Angriffen auf Energieinfrastruktur und Brücken gedroht.