Rüstung

„500.000 Drohnenkrieger“: Südkoreas Militär setzt auf Mensch-Maschine-Kampftruppen

Wegen sinkender Truppenzahlen will Südkoreas Militär zehntausende Drohnen in den Alltag der Soldaten integrieren. Künftig soll fast jeder Soldat mit unbemannten Systemen arbeiten können.

Südkoreanische Marinesoldaten in Gyeryong. Die Armee will zehntausende Drohnen in ihre Kampfeinheiten integrieren.
Südkoreanische Marinesoldaten in Gyeryong. Die Armee will zehntausende Drohnen in ihre Kampfeinheiten integrieren.Chris Jung/imago

Der Generalstabschef der südkoreanischen Armee, General Kim Gyu-ha, hat angekündigt, Drohnen künftig als „persönliche Waffe“ jedes Soldaten zu etablieren. Das berichteten die Korea Times und der Korea Herald übereinstimmend nach einer Pressekonferenz am Mittwoch im Hauptquartier Gyeryongdae in der Provinz Süd-Chungcheong.

„Drohnen sollten als persönliche Waffe betrachtet werden“, sagte Kim. Sie seien nicht länger auf eine einzige Funktion beschränkt, sondern könnten je nach Ausrüstung für Überwachung, Angriffe oder Versorgungseinsätze genutzt werden. Kampftruppen müssten sie „frei einsetzen können“.

Konkret plant die Armee den Angaben zufolge, in diesem Jahr rund 10.000 kommerzielle Trainingsdrohnen einzuführen. Bis 2029 soll der Bestand auf etwa 50.000 anwachsen – genug, um jeder Gruppe eine Drohne zur Verfügung zu stellen. Die Initiative ist Teil eines vom Verteidigungsministerium ausgegebenen Konzepts der „500.000 Drohnenkrieger“, für das in diesem Jahr rund 25 Milliarden Won (etwa 16,9 Millionen US-Dollar) bereitgestellt wurden. Militärvertreter betonten jedoch, die Zahl sei nicht als wörtliche Personalstärke zu verstehen.

Südkoreas Armee will jeden Soldaten zum Drohnen-Operator machen

Statt eine eigene Teilstreitkraft für Drohnenoperateure aufzubauen, will die Armee Drohnenfähigkeiten in alle Kampfeinheiten integrieren – von der Kompanie über Brigaden und Divisionen bis zu Korps- und Operationskommandos. Soldaten in Infanterie-, Panzer- und Artillerieeinheiten sollen Drohnen als Teil ihrer regulären Aufgaben einsetzen.

„Egal ob Infanterie, Panzer oder Artillerie – das Ziel ist, dass jeder die Fähigkeit aufbaut, Drohnen frei zu bedienen“, sagte Generalmajor Lee Kyung-jin, Leiter der Abteilung für Strategieplanung. Bislang werden Drohnen vor allem zur Sicherung der Außenbereiche und für Trainingszwecke eingesetzt. Schrittweise sollen jedoch missionsspezifische Modelle für Aufklärung, Angriffe und Einwegmissionen folgen, wobei mehrere Funktionen langfristig auf einer Plattform vereint werden sollen.

Seit August vergangenen Jahres betreibt die Armee regionale Ausbildungszentren, in denen Bedienung, Wartung und Produktion von Drohnen – einschließlich des Einsatzes von 3D-Druckern – vermittelt werden.

Demografischer Wandel treibt militärischen Umbau voran

Armeechef Kim verknüpfte den Vorstoß mit dem strukturellen Problem schrumpfender Personalreserven infolge des demografischen Wandels. Technologische Anpassung sei keine Option mehr, sondern notwendig, um die Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten. Die Grundlagen seien bereits 2018 mit dem Modernisierungsprogramm „Army Tiger“ gelegt worden, das Drohnen, Roboter und KI miteinander verbindet. Sichtbare Ergebnisse erwartet Kim laut eigenen Aussagen zwischen 2028 und 2030, ein vollständiges technisches Niveau zwischen 2028 und 2032.

KI soll Soldaten an Grenze zu Nordkorea ersetzen

Parallel treibt Südkoreas Armee auch den Einsatz Künstlicher Intelligenz bei der Grenzüberwachung voran. Nach Berichten der Korea Times, der Korea JoongAng Daily und weiterer südkoreanischer Medien plant das Verteidigungsministerium deshalb, die Zahl der Soldaten an den Beobachtungsposten entlang der Grenze zu Nordkorea drastisch zu reduzieren. Verteidigungsminister Ahn Gyu-back hatte Anfang April angekündigt, die Truppenstärke an der sogenannten General Outpost Line langfristig von derzeit rund 22.000 auf etwa 6000 Soldaten zu senken. Stattdessen soll ein „wissenschaftliches Überwachungssystem“ aufgebaut werden, das auf KI-Technologie basiert.

Armeechef Kim erklärte den Berichten zufolge, das System solle künftig automatisch Bewegungen und Objekte entlang der Grenze erkennen. Im Falle möglicher nordkoreanischer Infiltrationen müsse die Technologie zudem zwischen eigenen und feindlichen Kräften unterscheiden können. „Es gibt Bedenken, dass die Reduzierung des Personals ein Sicherheitsvakuum schaffen könnte, aber das ist nicht der Fall“, sagte Kim. Bis 2040 soll das KI-gestützte Überwachungssystem vollständig etabliert sein.

Drohnensysteme sollen mit US-Armee kompatibel werden

Die Armee arbeitet zudem an der Kompatibilität ihrer Drohnensysteme mit den US-Streitkräften. Nach Angaben der Armee besuchte die 2. US-Infanteriedivision kürzlich die Army Information and Communications School, um sich über südkoreanische Drohnensysteme zu informieren.

Zusätzlich präsentierte die Armee laut der Korea Times ihre Initiative „Spatial Power“, mit der bis 2036 rund 800 militärische Standorte modernisiert werden sollen. Erste Pilotprogramme trennten bereits Wohn- und Gefechtsvorbereitungsbereiche und verbesserten Sozialeinrichtungen, heißt es.

Pilotverbände nach dem Konzept „Army Tiger Plus“ sollen dem Bericht zufolge bis 2027 aufgestellt und anschließend schrittweise auf die gesamte Teilstreitkraft ausgeweitet werden. Als weitere Reaktion auf den Personalmangel prüft die Armee zudem den Einsatz ziviler Kräfte in Bereichen ohne Kampf-Bezug sowie die stärkere Automatisierung von Verwaltungsaufgaben.