Südkorea erwägt laut einem Bericht der Korea Times eine Beteiligung an internationalen Militärmissionen zur Sicherung der Straße von Hormus. Demnach prüft die Regierung in Seoul derzeit sowohl eine neue Initiative der Vereinigten Staaten als auch ein separates Vorhaben unter Führung Großbritanniens und Frankreichs.
Die Lage gilt für Südkorea als besonders sensibel: Rund 70 Prozent der importierten Rohölmengen des Landes passieren die Meerenge zwischen dem Iran und Oman. Seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar ist die Schifffahrt dort massiv eingeschränkt.
Ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums sagte der Korea Times, die Regierung werde ihre Position zur von den USA vorgeschlagenen „Maritime Freedom Construct“ sorgfältig prüfen. Dabei würden unter anderem internationales Recht, die Sicherheit der Handelsrouten, das Bündnis mit den USA, die Lage auf der koreanischen Halbinsel sowie innenpolitische Rechtsfragen berücksichtigt.
Auch das Außenministerium bestätigte laut Bericht laufende Gespräche mit Washington über die Situation in der Straße von Hormus.
USA drängen auf Sicherheitsmission im Persischen Golf
Die von den USA initiierte Mission soll laut Korea Times gemeinsam vom Außenministerium und dem Pentagon geführt werden. Ziel sei es, die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen wiederherzustellen und den Einfluss des Iran auf die strategisch wichtige Wasserstraße zurückzudrängen. US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete die Initiative demnach als „entscheidenden ersten Schritt“ für eine neue Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten nach dem Iran-Krieg.
Parallel beteiligt sich Südkorea laut Bericht bereits an Gesprächen über eine europäische Initiative unter Führung Großbritanniens und Frankreichs. Diese Zusammenarbeit sei im März mit mehreren hochrangigen Treffen gestartet worden. Präsident Lee Jae Myung habe am 17. April an einer Videokonferenz mit Vertretern von rund 50 Staaten teilgenommen und dabei eine „praktische Beteiligung“ Südkoreas an der maritimen Sicherheit zugesagt.
Experten warnen vor Risiken paralleler Bündnisse
Ein namentlich nicht genannter Sicherheitsexperte sagte der Korea Times, eine Beteiligung an multinationalen Missionen könne für Seoul sinnvoll sein. Allerdings könne die parallele Unterstützung zweier unterschiedlicher Bündnisse militärische Einsätze komplizierter machen. Besonders wegen der schwer vorhersehbaren Politik von US-Präsident Donald Trump sei bislang unklar, wie sich die Initiativen entwickeln würden.
Als mögliche Beiträge Südkoreas nannte der Experte laut Zeitung den Schutz ziviler Schiffe oder Minenräumoperationen. Diese Einsätze müssten jedoch sorgfältig abgestimmt werden, da Südkorea nur begrenzte militärische Mittel entsenden könne.
Nach Angaben von Militär- und Sicherheitsquellen könnten erste Schritte auch deutlich kleiner ausfallen. Diskutiert werde demnach etwa die Entsendung von Verbindungsoffizieren in multinationale Hauptquartiere oder eine stärkere Zusammenarbeit beim Austausch von Geheimdienstinformationen.




