US-Präsident Donald Trump will offenbar deutlich mehr amerikanische Soldaten aus Deutschland abziehen als bislang angekündigt. „Wir werden stark reduzieren, und zwar um weit mehr als 5000“, sagte Trump am Samstag auf dem Flughafen in West Palm Beach im US-Bundesstaat Florida vor Journalisten.
Bereits am Freitag hatte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth den Abzug von 5000 Soldaten innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate angeordnet. Laut US-Verteidigungsministerium folgt die Entscheidung einer Überprüfung der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa. Die Angaben zur aktuellen Stärke schwanken: Das US-Militär nannte für Mitte April rund 39.000 in Deutschland stationierte Soldaten, das Bundesverteidigungsministerium sprach von „insgesamt fast 40.000“. Nach offiziellen US-Angaben waren Ende Dezember gut 36.000 Soldaten im Land – mehr als in jedem anderen europäischen Staat.
Streit zwischen Trump und Merz eskaliert
Vorausgegangen war ein Schlagabtausch zwischen Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Merz hatte bei einer Diskussion mit Schülern erklärt, die USA könnten den Iran-Krieg nicht schnell beenden, „weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben“. Merz sagte zudem, die USA seien druch den Iran „gedemütigt“ worden. Trump reagierte auf seiner Plattform Truth Social mit den Worten: „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“
Später legte er nach und schrieb, der Kanzler mache „einen schrecklichen Job“. Er solle „mehr Zeit in die Beendigung des Krieges mit Russland/der Ukraine investieren“, wo er „völlig ineffektiv“ gewesen sei.
Trump scheint nun jene Verbündeten zu sanktionieren, die den von den USA und Israel Ende Februar begonnenen Krieg gegen den Iran kritisieren oder sich nicht an der Sicherung der Straße von Hormus beteiligen, die Teheran seit Kriegsbeginn weitgehend blockiert. Auch Spanien und Italien drohte er in dieser Woche mit Truppenabzügen. „Italien war uns überhaupt keine Hilfe, und Spanien war schrecklich, absolut schrecklich“, sagte Trump mit Blick auf die aus seiner Sicht ausbleibende Unterstützung im Iran-Krieg.
Republikaner warnen vor Signal an Putin
Kritik kam von führenden Republikanern. Die Vorsitzenden der Verteidigungsausschüsse in Senat und Repräsentantenhaus, Roger Wicker und Mike Rogers, erklärten gemeinsam, sie seien „sehr beunruhigt“ über die Ankündigung. Ein Abzug berge das Risiko, „das falsche Signal an Wladimir Putin zu senden“. Selbst wenn die europäischen Nato-Partner ihre Verteidigungsausgaben wie zugesagt erhöhten, werde es „Zeit brauchen, diese Investitionen in die militärischen Fähigkeiten zu übersetzen, die notwendig sind, um die Hauptverantwortung für die konventionelle Abschreckung zu übernehmen“. Wicker und Rogers verwiesen zudem darauf, dass Deutschland Trumps Forderung nach höheren Verteidigungsausgaben nachgekommen sei und US-Flugzeugen während des Iran-Konflikts Stützpunkte sowie den deutschen Luftraum zur Verfügung stelle.
Pistorius: Europa muss mehr Verantwortung übernehmen
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bemühte sich um Deeskalation. „Die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und besonders in Deutschland ist in unserem Interesse und im Interesse der USA“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Entscheidung komme nicht unerwartet. Die Nato müsse europäischer werden, um transatlantisch bleiben zu können: „Wir Europäer müssen mehr Verantwortung für unsere Sicherheit übernehmen.“
Europa müsse mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen. Deutschland sei dabei bereits auf einem guten Weg. Die Bundeswehr werde vergrößert, Material schneller beschafft und Infrastruktur ausgebaut, sagte Pistorius. Zudem kündigte er Gespräche mit den Partnern der sogenannten „Group of Five“ an – einem sicherheitspolitischen Bündnis aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen und Italien.
Eine Nato-Sprecherin, Allison Hart, teilte auf der Plattform X mit, das Bündnis arbeite mit den USA zusammen, „um die Details ihrer Entscheidung zur Truppenpräsenz in Deutschland zu ergründen“. Die „Anpassung“ unterstreiche, dass Europa stärker in die Verteidigung investieren müsse.
Strategische Bedeutung der Stützpunkte
In Deutschland unterhält die US-Armee rund 20 Einrichtungen, vorrangig im Süden und Südwesten. Dazu zählen das US-Oberkommando für Europa in Stuttgart und der Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz, ein zentrales Drehkreuz der US-Luftwaffe. Insgesamt sind nach US-Angaben 86.000 Soldaten in Europa stationiert. Laut einem Bericht der New York Times unter Berufung auf Quellen im US-Verteidigungsministerium ist im rheinland-pfälzischen Landstuhl oder anderen medizinischen Einrichtungen für US-Streitkräfte zunächst kein Personalabbau vorgesehen. Die Zahl von 5000 Soldaten gilt angesichts regelmäßiger Schwankungen durch Rotationen und Übungen als nicht besonders gravierend.
Trump hatte bereits 2020 in seiner ersten Amtszeit mit einem Teilabzug aus Deutschland gedroht. Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar fordert er erneut, dass Europa mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernimmt, statt sich auf Washington zu verlassen.


