Bericht

Selenskyj: Ukraine schickt Drohnenexperten zum Schutz von US-Stützpunkten nach Jordanien

Selenskyj zeigt sich auch bereit, Ländern im Nahen Osten bei der Drohnenabwehr zu helfen – unter bestimmten Bedingungen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj
Der ukrainische Präsident Wolodymyr SelenskyjKoen van Weel/imago

Die Ukraine hat nach Angaben des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf Anfrage der USA Drohnenexperten und Abfangdrohnen nach Jordanien entsandt, um US-Stützpunkte gegen iranische Drohnenangriffe zu schützen. Das erklärte Selenskyj während eines Interviews mit der New York Times.

Die Anfrage aus Washington sei am Donnerstag eingegangen, so Selenskyj. Bereits am Freitag habe das ukrainische Team das Land verlassen. „Wir haben sofort reagiert“, sagte er. Das Weiße Haus äußerte sich laut New York Times nicht auf eine Anfrage, ob die USA die Ukraine um Hilfe gebeten haben.

Ukraine hofft auf bessere Verhandlungsposition

Die Ukraine verfügt über Erfahrung in der Abwehr iranischer Schahed-Drohnen, die auch von Russland eingesetzt werden. Selenskyj hofft laut New York Times, durch die Unterstützung im Nahen Osten das Verhältnis zu den USA und damit die Verhandlungsposition in den Friedensgesprächen zu verbessern.

Mehrere Medien hatten zuvor berichtet, dass Russland dem Iran Informationen über Standourte US-Streitkräften übermittelt. In einem NBC-Interview bestätigte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi dies nicht direkt, erklärte jedoch, die Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Iran sei „nichts Neues“.

Selenskyj erklärte laut New York Times, er habe Geheimdienstinformationen gesehen, laut denen russische Komponenten in derzeit eingesetzten iranischen Drohnen eingebaut sind. Die New York Times konnte diese Aussage nach eigenen Angaben nicht unabhängig bestätigen.

Selenskyj: „Weniger Aufmerksamkeit bedeutet weniger Unterstützung“

Der ukrainische Präsident sagte weiter, er sei bereit, Ländern im Nahen Osten ebenfalls bei der Verteidigung zu helfen, müsse dies jedoch mit den Bedürfnissen seines eigenen Landes in Einklang bringen. Die Ukraine hat den Ländern des Nahen Ostens laut New York Times zudem angeboten, seine Abfangdrohnen gegen leistungsstärkere Systeme einzutauschen, die die Ukraine zur Abwehr russischer ballistischer Raketen benötigt.

Einige Länder unterhalten „sehr enge Beziehungen zu Russland“, sagte Selenskyj weiter. „Deshalb habe ich gesagt: Schaut her, vielleicht können sie mit den Russen sprechen und die Russen werden eine Pause einlegen.“ Er stellte in Aussicht, ein weiteres Expertenteam in den Nahen Osten zu schicken, um Nationen über Drohnenabwehr zu beraten und dabei den Einsatz teurer und begrenzter Patriot-Systeme zu verringern.

Selenskyj äußerte sich besorgt, dass der Iran-Krieg Auswirkungen auf die Unterstützung für die Ukraine haben könnte. „Ich hoffe, dass der Krieg nicht lange dauern wird, nicht nur, weil ich mir Sorgen um die Ukraine mache, sondern auch, weil jedes verlorene oder zerstörte Menschenleben eine Tragödie ist“, schrieb er in einem Beitrag auf X. Er sehe derzeit keine Fortschritte bei den Friedensverhandlungen. „Weniger Aufmerksamkeit bedeutet weniger Unterstützung“, so Selenskyj.