Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Belarus eine Beteiligung an Angriffen auf die Ukraine vorgeworfen. So seien in dem Land mehrere Funkstationen errichtet worden, die für die Steuerung von Drohnenangriffen genutzt wurden, erklärte er in einem Interview mit dem belarussischen Oppositionsmedium Dzerkalo, von dem er Ausschnitte auf X veröffentlichte.
Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko habe ihm einst versichert, dass russische Raketen von Belarus aus ohne sein Wissen abgefeuert wurden, sagte Selenskyj. Doch bei den Funkstationen handle es sich um neue Anlagen. „Nun weiß Belarus definitiv, was auf seinem Territorium geschieht“, sagte er.
Selenskyj: Ukraine wird „Bedrohung“ prüfen
„Der nächste Schritt ist die Vorbereitung eines Standorts für den Einsatz von Oreschnik auf dem Territorium von Belarus“, sagte Selenskyj weiter. Es gehe dabei um „neue Schritte, nicht um alte, die nicht von Lukaschenko abhängig waren, wie er zuvor behauptet hatte“.
Bisher seien nur Fahrzeuge bereitgestellt worden, die für eine Stationierung relevant sind, jedoch noch nicht das vollständige Raketensystem, erklärte Selenskyj und warf Belarus vor, eine „Show abzuziehen“, um „Europa einzuschüchtern“. Er fügte hinzu: „Meiner Meinung nach sollte die Nato Oreschnik als legitimes Ziel betrachten.“ Die Ukraine werde die „Bedrohung“ prüfen.
Russland hatte nach eigenen Angaben bereits im vergangenen Jahr Oreschnik-Systeme in Belarus stationiert. Im Dezember erklärten die beiden Länder die Raketen für einsatzbereit. Der belarussische Verteidigungsminister Viktor Chrenin sagte laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass, die Stationierung der Raketen sei eine Reaktion auf „aggressive Handlungen westlicher Gegner“.
Nach russischen und belarussischen Angaben ist das System in der Lage, Ziele in einer Entfernung von bis zu 5000 Kilometern zu treffen. Es könne sowohl mit konventionellen als auch mit nuklearen Sprengköpfen ausgerüstet werden.
Selenskyj will bessere Beziehungen zu Belarus
Selenskyj erklärte weiter, die Ukraine werde Sanktionen gegen Lukaschenko, seine Söhne und sein Umfeld vorantreiben. Man wolle auch mit den USA besprechen, „dass das so nicht weitergehen kann“. Die Ukraine habe Beweise, dass von Belarus aus gestartete Shahed-Drohnen zivile Opfer verursachten. „Für uns ist das ein Verbrechen“, sagte der ukrainische Präsident.
Langfristig sieht Selenskyj eine EU-Mitgliedschaft sowohl der Ukraine als auch von Belarus als wünschenswert an. Die Entscheidung liege jedoch beim belarussischen Volk, das seit Jahren „antieuropäischer Propaganda“ ausgesetzt sei. Er wünsche sich in der Zukunft bessere Beziehungen zu dem Land. „Das belarussische Volk hat den Krieg gegen die Ukraine nicht begonnen“, betonte Selenskyj.

