Der Kreml hat eine direkte Antwort auf die Frage vermieden, ob Russland Drohnenfabriken in Europa angreifen könnte. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte am Freitag vor Journalisten, die europäischen Staaten würden zunehmend direkt in den Krieg gegen die Ukraine verwickelt. Auf die Frage, ob Moskau Produktionsstätten in Europa als Ziele betrachte, antwortete Peskow laut Reuters weder mit Ja noch mit Nein und verwies auf eine Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums.
Liste mit Standorten in zwölf Ländern
Das Ministerium hatte am Mittwoch laut Reuters eine Liste mit Fabriken und Unternehmen veröffentlicht, die nach russischer Darstellung Drohnen oder Drohnenkomponenten für die Ukraine herstellen. Aufgeführt sind Standorte in Großbritannien, Deutschland, Dänemark, Lettland, Litauen, den Niederlanden, Polen, Tschechien, Spanien, Italien, Israel und der Türkei.
Russlands Generalstab bezeichnete den Ausbau der europäischen Drohnenproduktion laut der staatlichen Agentur Tass als „schleichende Verwandlung“ dieser Länder in eine „strategische Unterstützungsbasis“ der Ukraine. Komme es zu Angriffen auf russische Infrastruktur mit europäisch gelieferten Drohnen, sei die Reaktion offen, warnte das Ministerium laut Tass.
Medwedew spricht von Zielen
Der frühere Präsident Dmitri Medwedew, heute stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrats, bezeichnete die Liste auf X laut Reuters als Aufzählung möglicher Ziele russischer Streitkräfte. „Wann Schläge Realität werden, hängt davon ab, was als Nächstes geschieht. Schlaft gut, europäische Partner“, schrieb Medwedew.
Wegen der Veröffentlichung und der Äußerungen Medwedews bestellte das tschechische Außenministerium dem Bericht des Kyiv Independent zufolge den russischen Botschafter ein. Mehrere tschechische Unternehmen waren auf der Aufstellung als mögliche Angriffsziele genannt worden.
Bereits einen Tag zuvor hatte der Sekretär des russischen Sicherheitsrats, Sergej Schoigu, laut Kyiv Independent Finnland, Estland, Lettland und Litauen gewarnt. Moskau behalte sich ein „Recht auf Selbstverteidigung“ vor, sollten ukrainische Drohnen den russischen Luftraum über Finnland oder die baltischen Staaten erreichen. Die betroffenen Länder wiesen die Darstellung dem Bericht zufolge zurück.
Deutschland stärkt Angriffsfähigkeit der Ukraine
Hintergrund sind nach Angaben des Kyiv Independent jüngste Vereinbarungen Kiews mit Großbritannien und Deutschland zu gemeinsamen Drohnenprojekten sowie zugesagte Militärhilfen aus Spanien und Belgien in Höhe von zusammen zwei Milliarden Euro.
At least 120,000 drones will be delivered to Ukraine by the UK this year. The majority made by UK-based companies. 🇬🇧🤝🇺🇦
— Ministry of Defence 🇬🇧 (@DefenceHQ) April 15, 2026
The new package announced by @JohnHealey_MP today will include long-range strike drones, reconnaissance drones, logistics drones and maritime capabilities. pic.twitter.com/r5bl4xRkM7
Bei ihren Regierungskonsultationen haben Deutschland und die Ukraine am Dienstag eine Reihe neuer Kooperationsabkommen beschlossen. Unter anderem wurden Vereinbarungen zur Stärkung der Luftverteidigung in der Ukraine, zur Entwicklung unbemannter Systeme sowie zum Ausbau der Rüstungskooperation getroffen. Darüber hinaus unterzeichneten beide Länder eine Vereinbarung über den Austausch von Gefechtsfelddaten zwischen ihren Verteidigungsministerien. Diese soll auch die Analyse des Einsatzes deutscher Waffensysteme in der Ukraine ermöglichen.
Neben der Lieferung weiterer Startgeräte für das IRIS-T-Luftabwehrsystem wurde die Gründung eines Joint Ventures für die Lieferung Tausender Drohnen vereinbart. Zudem wird Deutschland die Ukraine mit mehreren hundert Millionen Euro bei der Finanzierung sogenannter Deep-Strike-Fähigkeiten unterstützen, also der Fähigkeit, Ziele weit hinter der Front anzugreifen.


