Ukrainische Drohnenangriffe haben nach russischen Angaben in der Nacht zu Sonntag mehrere russische Energieanlagen getroffen. In der Region Leningrad schoss die Luftabwehr 19 Drohnen ab, wie der zuständige Gouverneur Alexander Drosdenko auf Telegram mitteilte.
Drosdenko erklärte zunächst, durch herabfallende Trümmer sei ein Abschnitt einer Ölpipeline in der Nähe des Ostseehafens Primorsk beschädigt worden. Verletzte habe es nicht gegeben. Später sagte er laut Reuters, die Pipeline sei nicht beschädigt, sondern ein Treibstofftank im Hafengebiet, der ein Leck habe.
Der Hafen Primorsk, gelegen zwischen der Grenze zu Finnland und St. Petersburg, war bereits im März Ziel eines Angriffs gewesen, bei dem ein Treibstofftank in Brand geriet. Ebenso wurde der Ostseehafen Ust-Luga im vergangenen Monat Ziel von Angriffen.
Auch Ukraine meldet neue Angriffe
Russland meldete zudem einen Angriff mit rund 30 Drohnen auf ein Industriegebiet in der Region Nischni Nowgorod. Der Gouverneur der Region, Gleb Nikitin, erklärte, es seien zwei Anlagen einer Lukoil-Ölraffinerie sowie ein Heizkraftwerk und mehrere Wohnhäuser beschädigt worden. Verletzte gebe es nach vorläufigen Angaben nicht.
Auch die Ukraine meldete erneute Angriffe. Bei einem Angriff auf die Stadt Odessa in der Nacht zu Sonntag seien mindestens drei Menschen verletzt und Wohngebäude beschädigt worden, berichtete der Kyiv Independent unter Berufung auf lokale Behörden.
Witkoff und Kushner könnten zeitnah in die Ukraine reisen
Parallel zu den neuen Angriffen werden offenbar weitere diplomatische Gespräche vorbereitet. Die Ukraine erwartet den Besuch einer US-Delegation unter Führung des US-Sondergesandten Steve Witkoff und dem Schwiegersohn Trumps, Jared Kushner, erklärte Kyrylo Budanow, Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, gegenüber Bloomberg.
Auch der republikanische Senator Lindsey Graham könnte demnach Teil der Gruppe sein, die möglicherweise kurz nach dem orthodoxen Osterfest am 12. April in die Ukraine reisen soll. Ein US-Vertreter bestätigte laut Bloomberg, dass ein solcher Besuch diskutiert werde, aber noch nicht bestätigt sei.
Witkoff und Kushner waren bislang mehrfach zu Gesprächen bei Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau, hatten die Ukraine jedoch noch nicht besucht. Selenskyj hatte die US-Unterhändler zuvor eingeladen und vorgeschlagen, ein Besuch in Kiew könne der nächsten Moskau-Reise vorausgehen. „Wenn es mit uns dreien nicht klappt, dann versuchen wir es eben so – einer nach dem anderen“, sagte Selenskyj laut Bloomberg diese Woche.
Budanow: Ukraine erhält „Signale“ wegen Angriffen auf russische Ölanlagen
Die Ukraine drängt auf konkrete Sicherheitsgarantien der USA für den Fall eines künftigen russischen Angriffs. Budanow zeigte sich optimistisch: „Bei den Sicherheitsgarantien haben wir definitiv Fortschritte gemacht.“ Russland fordert den Rückzug ukrainischer Truppen aus der Region Donezk – auch aus Gebieten, die Moskau selbst nicht kontrolliert. Die USA haben eine sogenannte freie Wirtschaftszone vorgeschlagen, die keiner Seite unterstehen würde.
Budanow bestätigte zudem, dass die Ukraine von verbündeten Staaten aufgefordert worden sei, vor dem Hintergrund steigender globaler Ölpreise infolge des Iran-Kriegs ihre Angriffe auf russische Ölanlagen einzuschränken. „Lassen Sie mich diese Frage diplomatisch beantworten. Wir erhalten diesbezüglich gewisse Signale“, sagte er laut Bloomberg. (mit AFP)


