Einige Verbündete haben der Ukraine signalisiert, sie solle ihre Angriffe auf den russischen Öl- und Energiesektor zurückfahren. Das erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag in einem WhatsApp-Chat mit Journalisten, wie Reuters berichtete. Hintergrund ist die weltweite Energiekrise infolge des US-israelischen Kriegs gegen den Iran und die Einschränkung des Schiffsverkehrs durch Straße von Hormus, eine wichtige Route für den Öltransport.
„Nach dem starken Anstieg der Energiepreise haben einige Partner der Ukraine signalisiert, sie solle ihre Angriffe auf den russischen Öl- und Energiesektor drosseln“, sagte Selenskyj laut Reuters. Zugleich stellte er eine Bedingung: Die Ukraine sei bereit, ihre Angriffe einzuschränken, wenn Russland im Gegenzug die Attacken auf die ukrainische Energieinfrastruktur einstelle.
Selenskyj erklärte außerdem die Bereitschaft Kiews zu einer Waffenruhe über die Ostertage. Laut dem ukrainischen Sender Suspilne sagte er, die Ukraine unterstütze jedes Format zur Beendigung des Krieges, solange Würde und Souveränität des Landes gewahrt blieben. Russland könne in zwei bis drei Tagen Feuerpause keine militärischen Positionen nennenswert stärken, fügte Selenskyj hinzu.
Dreierformat weiterhin offen
Selenskyj äußerte sich am selben Tag zu den stockenden Friedensverhandlungen. Er sehe keine Sackgasse und halte ein Dreiertreffen zwischen der Ukraine, den USA und Russland in den kommenden Wochen für möglich. Die Verzögerung führte er darauf zurück, dass der Fokus Washingtons derzeit auf dem Iran-Konflikt liege.
Zum Streit über den Verhandlungsort erklärte Selenskyj laut Suspilne, die USA hätten ein Treffen auf amerikanischem Boden vorgeschlagen und Kiew habe zugestimmt. Russland habe abgelehnt und stattdessen die Türkei oder die Schweiz ins Spiel gebracht. Die US-Verhandlungsgruppe reise derzeit jedoch nicht aus den Vereinigten Staaten aus. Die Ukraine sei bereit, sich an jedem Ort zu treffen – mit Ausnahme von Russland und Belarus. Der Ball liege nun bei Washington und Moskau, sagte Selenskyj.
Angriffe auf russischen Ölexporthafen
Am Sonntag trafen ukrainische Drohnen erneut den Ostseehafen Ust-Luga und lösten einen Brand aus. Der Hafen, der vom staatlichen Konzern Transneft betrieben wird, zählt zu den größten Erdöl-Exportterminals Russlands. Der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, schrieb laut Reuters auf Telegram, der Brand sei unter Kontrolle gebracht worden. Der ukrainische Geheimdienst SBU erklärte, der Angriff habe schwere Schäden verursacht.
Der Hafen wickelt nach Reuters-Angaben rund 700.000 Barrel Ölexporte pro Tag ab. Bereits in der Vorwoche hatten ukrainische Drohnenangriffe Anlagen in Ust-Luga und im Hafen Primorsk getroffen und die Ölverladung zeitweise unterbrochen. Die Ukraine greift seit Längerem systematisch russische Öl-Exportanlagen und Raffinerien an, um Russlands Einnahmen aus dem Export fossiler Energieträger zu verringern.


