Der Brent-Ölpreis ist nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters um 6,76 Prozent auf 96,49 US-Dollar je Barrel gestiegen, nachdem der Iran die Straße von Hormus erneut für den kommerziellen Schiffsverkehr gesperrt hat. Auch die US-Sorte WTI legte laut Reuters um 7,79 Prozent auf 90,38 US-Dollar zu. Am Freitag waren beide Kontrakte noch um mehr als neun Prozent gefallen, nachdem Iran kurzzeitig die Öffnung der Meerenge erklärt hatte. Reuters zufolge warfen sich die USA und Iran gegenseitig vor, die Waffenruhe am Wochenende mit Angriffen auf Schiffe verletzt zu haben.
Trump meldet Aufbringung eines iranischen Frachters
US-Präsident Donald Trump erklärte laut Reuters am Sonntag, das US-Militär habe ein iranisches Frachtschiff aufgebracht, das die US-amerikanische Blockade habe durchbrechen wollen. Der Iran lehnte zugleich eine zweite Runde von Friedensgesprächen trotz Trumps Drohung mit erneuten Luftangriffen ab, wie Reuters weiter berichtete. Die USA halten weiter eine Blockade iranischer Häfen aufrecht, während Teheran seine Sperrung der Meerenge zunächst aufhob und nun erneut verhängt hat. Vor Kriegsbeginn Ende Februar lief rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels durch die Wasserstraße.
Saul Kavonic, Energieanalyst beim australischen Finanzunternehmen MST Marquee, sagte Reuters, die Ölmärkte reagierten weiterhin stärker auf wechselnde Botschaften aus Washington und Teheran in sozialen Medien als auf die Lage vor Ort. Diese erschwere einen raschen Wiederanlauf der Öllieferungen. Kavonic sagte zudem, die Ankündigung der Öffnung habe sich als verfrüht erwiesen; Reedereien würden ohne belastbare Garantien zögern, erneut Kurs auf die Meerenge zu nehmen. Nach Daten des Schiffsverfolgungsdienstes Kpler hatten am Samstag mehr als 20 Schiffe die Meerenge passiert – der höchste Wert seit dem 1. März.
Europäische Gas-Terminkontrakte steigen zweistellig
Die Agentur Bloomberg meldete am 19. April, dass die europäischen Gas-Terminkontrakte, also Börsenverträge für künftige Gaslieferungen, im frühen asiatischen Handel am Montag um bis zu elf Prozent auf 43 Euro je Megawattstunde stiegen, nachdem der Iran die Meerenge erneut geschlossen hatte. Bloomberg zufolge wurden damit die Rückgänge vom Freitag vollständig ausgelöscht. Die zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und Iran läuft am Mittwoch aus.
Binnen 24 Stunden passierte kein Öltanker die Meerenge
Die südkoreanische Wirtschaftszeitung BusinessKorea berichtete unter Berufung auf CNN und AFP, dass am Sonntag binnen 24 Stunden kein einziger Öltanker die Straße von Hormus passiert habe. Daten des Schiffsbeobachtungsdienstes MarineTraffic, zitiert von BusinessKorea, zeigten zahlreiche Schiffe, die auf beiden Seiten der Meerenge ankerten oder in nahen Gewässern Kreise zogen. Thailands Außenministerium teilte laut BusinessKorea am 19. April mit, dass ein Frachter des Zementkonzerns SCG die Meerenge nach diplomatischen Konsultationen zwischen Oman und Iran passieren konnte.



