Alterssicherung

Neue Daten: Lebenserwartung in Deutschland steigt langsamer als Rentenalter

Mit Blick auf die geplante Rentenreform der Bundesregierung gibt es Diskussionen um die Erhöhung des Rentenalters. Daten zeigen: Die Lebenserwartung stagniert eher.

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt nur langsam, dennoch gibt es Diskussionen um ein höheres Rentenalter.
Die Lebenserwartung in Deutschland steigt nur langsam, dennoch gibt es Diskussionen um ein höheres Rentenalter.Jens Schulze/epd

Neue Daten zur deutschen Lebenserwartung haben die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre in ein neues Licht gerückt. Offizielle Regierungsdaten zeigen, dass die Regelaltersgrenze derzeit etwa doppelt so schnell steigt wie die Lebenserwartung. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Demnach hatten 65-Jährige im Durchschnitt zuletzt statistisch noch 19,4 weitere Lebensjahre vor sich, was einer Lebenserwartung von insgesamt 84,4 Jahren entspricht – exakt so viel wie zehn Jahre zuvor. Das gesetzliche Rentenalter wurde im selben Zeitraum um mehr als ein Jahr angehoben, der tatsächliche Rentenbeginn verschob sich um gut 1,3 Jahre.

Bis 2030 wächst die Lebenserwartung laut Regierungsangaben im Mittel nur um ein Jahr für Männer und acht Monate für Frauen – die Regelaltersgrenze steigt um volle zwei Jahre. Wann die Lebenserwartung tatsächlich ebenfalls um zwei Jahre gestiegen sein wird, ist offen: Je nach Rechenszenario der Regierung erreichen Männer diesen Wert zwischen 2035 und 2056, Frauen erst zwischen 2039 und 2069.

Ostdeutsche Männer leben kürzer, Frauen länger

Die Daten zeigen zudem erhebliche regionale Unterschiede. So haben ostdeutsche Männer ab 65 im Schnitt nur noch 17,2 Lebensjahre vor sich, westdeutsche Männer hingegen 17,8. In Sachsen-Anhalt liegt der Wert mit 16,6 Jahren am niedrigsten, in Baden-Württemberg mit 18,6 am höchsten – ein Unterschied von vollen zwei Jahren.

Bei Frauen ist das Ost-West-Gefälle hingegen umgekehrt: Ostdeutsche Frauen kommen auf 21,1 Jahre, westdeutsche auf 20,8. Die größte Spanne zeigt sich zwischen Baden-Württemberg (21,5 Jahre) und dem Saarland (20,2 Jahre).

Die Linke sieht in den Zahlen einen Beleg dafür, dass eine weitere Anhebung des Rentenalters soziale und regionale Ungleichheiten verschärfen würde – da Einkommen, Bildungsstand und Arbeitsbedingungen die Lebenserwartung stark beeinflussten.

Rentenreform kommt noch im Jahr 2026

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte im September hingegen erklärt, angesichts steigender Lebenserwartung müsse länger gearbeitet werden – eine Position, die in der Union beispielsweise auch Fraktionschef Jens Spahn öffentlich vertritt.

Ob es tatsächlich zu einer Anhebung über 67 Jahre hinaus kommt, ließ die Bundesregierung bislang offen und verwies auf die Alterssicherungskommission, deren Vorschläge man abwarte. Die umfassende Rentenreform der Bundesregierung soll im zweiten Halbjahr 2026 kommen, erste Empfehlungen der Kommission sollen spätestens Ende Juni vorliegen.  (mit dpa)