Peking

Multipolare Weltordnung: Sánchez drängt China zu mehr Verantwortung und Marktöffnung

Spaniens Ministerpräsident Sánchez fordert bei seinem Besuch in Peking mehr globales Engagement. Zugleich nennt er das Handelsdefizit mit der EU „nicht tragbar“.

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hält eine Rede an der Universität der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking.
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hält eine Rede an der Universität der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking.Andres Martinez Casares/POOL/AFP

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hat China aufgefordert, eine größere Rolle in der multipolaren Weltordnung zu übernehmen und seinen Markt stärker für europäische Produkte zu öffnen. „Wir brauchen, dass China sich öffnet, damit Europa sich nicht abschotten muss“, sagte Sánchez laut Channel NewsAsia und El País am Montag in einer Rede an der Tsinghua-Universität in Peking.

Es ist bereits der vierte China-Besuch des spanischen Regierungschefs innerhalb von vier Jahren. Sánchez positioniert sich dabei als Vermittler zwischen Peking und der 27 Mitglieder zählenden EU, wie Channel NewsAsia berichtet. Innerhalb Europas gehört Spanien zu den stärksten Befürwortern eines Kurses, der China eher als strategischen Partner denn als geopolitischen Rivalen betrachtet.

Sánchez bezeichnete das Handelsungleichgewicht zwischen China und der EU als „nicht tragbar“ für die europäischen Gesellschaften, so Channel NewsAsia. Das Defizit sei allein im vergangenen Jahr um 18 Prozent gewachsen. Laut El País nähre dieses Ungleichgewicht isolationistische Bewegungen und verursache soziale Verwerfungen. China mache 74 Prozent des gesamten spanischen Handelsdefizits aus, das sich laut Channel NewsAsia in vier Jahren auf fast 50 Milliarden US-Dollar verdoppelt habe.

Peking soll sich international mehr für Frieden einsetzen

Gleichzeitig forderte Sánchez Peking auf, sich stärker für die Beilegung internationaler Konflikte einzusetzen – im Libanon, Iran, Gaza, im Westjordanland und in der Ukraine. Er forderte, dass China seinen Einfluss auf Russland und Iran nutze, berichtet El País. Europa müsse seine Anstrengungen ebenfalls verstärken, „besonders jetzt, da die Vereinigten Staaten sich von vielen dieser Fronten zurückgezogen haben“, so Sánchez laut Channel NewsAsia.

Der dreitägige Besuch fällt in eine Phase, in der zahlreiche westliche Regierungschefs nach Peking reisen. Zuvor waren bereits die Premierminister Großbritanniens, Irlands, Kanadas und Finnlands zu Gast, wie Channel NewsAsia meldet. Hintergrund sind die Zölle und die schwer kalkulierbare Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump.

Am Dienstag wird Sánchez mit Präsident Xi Jinping zusammentreffen, wobei geopolitische Themen im Mittelpunkt stehen sollen, berichtet Channel NewsAsia. Chinas Außenministeriumssprecherin Mao Ning nannte Spanien einen „wichtigen Partner Chinas innerhalb der EU“.

Laut El País besuchte Sánchez am Montag auch den Hauptsitz des Technologiekonzerns Xiaomi und sprach mit dessen Gründer Lei Jun über mögliche Kooperationsprojekte. Zudem erhielt Sánchez eine Ehrenprofessur der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, mit der Spanien unter anderem bei der Weltraummission Smile kooperiert. Spaniens Exporte nach China stiegen 2025 um 6,8 Prozent – ein Erfolg, den die spanische Regierung laut Channel NewsAsia auf die engen Beziehungen zu Peking zurückführt.