Ungarn steht vor einem Regierungswechsel. Nach Auszählung fast aller Stimmen steht die Tisza-Partei des Oppositionsführers Péter Magyar kurz davor, 138 Sitze im 199 Sitze umfassenden Parlament zu gewinnen und damit mehr als eine Zwei-Drittel-Mehrheit zu erreichen.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte Magyar in einer Erklärung auf X. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen“, schrieb er. „Das ungarische Volk hat entschieden.“ Der französische Präsident Emmanuel Macron gab an, er habe Magyar persönlich angerufen, um ihm zu gratulieren.
Orbán räumt Wahlniederlage ein
Der bisherige ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán, der das Land seit 16 Jahren regiert, räumte seine Niederlage ein und sagte einem Reuters-Bericht zufolge, das Wahlergebnis sei „schmerzlich für uns, aber eindeutig“. „Ich habe dem Gewinner gratuliert“, sagte er.
Die Abstimmung wurde auch über Ungarn hinaus aufmerksam verfolgt. In der Europäischen Union steht die Regierung in Budapest seit Jahren wegen mehrerer Konfliktpunkte in der Kritik – darunter Fragen der Rechtsstaatlichkeit, eingefrorene EU-Mittel, die Haltung zur Ukraine sowie Streit über Migration und Grundrechte. Zudem blockiert Ungarn immer wieder gemeinsame Entscheidungen auf EU-Ebene.
Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico schrieb auf X, er nehme die Entscheidung der ungarischen Bürger „mit vollem Respekt“ zur Kenntnis, während der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš erklärte, er werde „stets konstruktiv mit dem zusammenarbeiten, wen auch immer die Wähler wählen“. Beide Politiker hatten sich Reuters zufolge vor der Wahl hinter Orbán gestellt.
Von der Leyen begrüßt Wahlergebnis
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, Ungarn habe sich „für Europa entschieden“. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk erklärte: „Ungarn, Polen, Europa – wieder vereint“. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte Glückwünsche. Die Ukraine sei bereit zu „gemeinsamer konstruktiver Arbeit zum Wohle beider Nationen“.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni gratulierte Magyar ebenfalls und dankte „meinem Freund Viktor Orbán für die intensive Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren“. Sie wisse, dass sich Orbán auch „aus der Opposition heraus weiterhin für sein Land einsetzen wird“.

