Wissenschaft

Spanien: Forscher filmen erstmals neue Spinnen-Art

Wissenschaftlern gelang erstmals eine Aufnahme der seltenen Spinne Cryptodrassus michaeli in der Halbwüste von Almería. Bislang sind nur acht Exemplare bekannt.

Die Almería-Halbwüste in Andalusien. Hier wurde eine neue Spinnenart entdeckt.
Die Almería-Halbwüste in Andalusien. Hier wurde eine neue Spinnenart entdeckt.Marian León/imago

Einem spanischen Forscherteam ist es erstmals gelungen, die kürzlich beschriebene Spinnenart Cryptodrassus michaeli auf Video aufzunehmen. Die winzige Bodenspinne, die kleiner als eine Bleistiftspitze ist, wurde laut der Nachrichtenagentur AP in der Halbwüstenlandschaft der Provinz Almería im Südosten Spaniens gefilmt.

Das Team um Jordi Moya-Laraño von der Versuchsstation für Trockenzonen (EEZA-CSIC) fing die Tiere mithilfe von Fallgruben – kleinen, im Boden vergrabenen Plastikbehältern – in der Region Boca de los Frailes. Die Art gehört zur Familie der Gnaphosidae, der sogenannten Bodenspinnen. Ihr dunkelbrauner Körper tarnt sie nahezu perfekt zwischen trockenen Blättern und Steinen im Naturpark Cabo de Gata-Níjar.

@apnews A new species of spider has been captured on video for the first time. Researchers in southern Spain are racing to learn more about the tiny Cryptodrassus michaeli arachnid and the ecosystem it inhabits. #spider #spain ♬ original sound - The Associated Press

Weltweit sind bislang lediglich acht Exemplare dieser Art nachgewiesen worden. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte 2024 durch ein spanisches Forscherteam, doch Videoaufnahmen wurden erst jetzt erstellt. Benannt ist die Spinne nach dem britischen Arachnologen Michael Roberts, einem der bekanntesten Illustratoren europäischer Naturführer.

Seltene Art als Gradmesser für intakte Ökosysteme

Die endgültige Bestimmung der Art erfolgte im Labor. Der an der Studie beteiligte deutsche Biologe Timon Grum erklärte laut Euronews, dass die Morphologie der Spinne unter dem Mikroskop analysiert und die genetische Abstammung mit spezialisierten Datenbanken abgeglichen werde. „Die Bedeutung der Identifizierung neuer Arten liegt darin, dass man nur schützen kann, was man kennt“, sagte Grum.

Für das CSIC hat der Fund eine Tragweite, die über die reine Artbeschreibung hinausgeht. Seltene Arten gelten als Indikatoren für den Zustand eines Ökosystems. Moya-Laraño zufolge deutet eine Umgebung, in der ausschließlich häufige Arten vorkommen, auf ein gestörtes System hin. Das Vorkommen von Cryptodrassus michaeli spreche hingegen dafür, dass die Landschaft in Almería noch eine gesunde strukturelle Komplexität aufweise. „Wir können die Rolle dieser Tiere in natürlichen Systemen nicht verstehen, wenn wir sie nicht kennen“, so der Forscher.

Als nächsten Schritt will das Team die Biologie der Art genauer untersuchen – insbesondere Ernährungs- und Fortpflanzungsmuster sowie ihre Funktion innerhalb der Nahrungsnetze der halbwüstenartigen Region. Die Entdeckung zeigt, dass selbst in gut erforschten Teilen Europas noch immer unbekannte Arten auf ihre Dokumentation warten könnten.