Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat bei der Versammlung der Afrikanischen Union (AU) in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba die strategische Partnerschaft zwischen Europa und Afrika betont. „Italien und Europa können nicht an die Zukunft denken, ohne Afrika die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken, denn unsere Zukunft hängt von eurer ab“, sagte Meloni in ihrer Rede am Samstag vor den Staats- und Regierungschefs laut einem Bericht der Ethiopian Broadcasting Corporation.
Meloni war die einzige westliche Regierungschefin, die an dem Gipfel teilnahm. Afrika sei kein Randkapitel, sondern ein aufstrebender Protagonist auf der weltpolitischen Bühne, erklärte sie laut dem Bericht. Der Kontinent verfüge über enorme Ressourcen, Rohstoffe, Ackerland und Humankapital. Italien wolle künftig als Brücke zwischen Europa und Afrika fungieren und in den Bereichen Ausbildung, Technologie und Künstliche Intelligenz mit afrikanischen Staaten zusammenarbeiten.
Die Ministerpräsidentin sprach sich zudem dafür aus, afrikanischen Bürgern das Recht zu geben, in ihren eigenen Ländern zu leben und zu arbeiten. Migration als einzige Option zu betrachten, sei „egoistisch“, zitierte sie den Kardinal Robert Sarah. Um die Abwanderung junger Menschen zu stoppen, brauche es qualitativ hochwertige Bildung, Arbeitsplätze und industrielle Kooperation.
Die Afrikanische Union ist ein 2002 gegründeter Zusammenschluss von 55 afrikanischen Staaten mit Sitz in Addis Abeba. Sie hat es sich zum Auftrag gemacht, die politische und wirtschaftliche Integration des Kontinents zu fördern, setzt sich für Frieden und Sicherheit ein, koordiniert gemeinsame Positionen ihrer Mitgliedstaaten in internationalen Fragen und unterstützt Entwicklungsinitiativen. Zentrale Organe sind unter anderem die Versammlung der Staats- und Regierungschefs, die Kommission der AU sowie ein Friedens- und Sicherheitsrat.

Distanzierung von Merz-Kritik an USA
Zeitgleich zum AU-Gipfel fand die Münchner Sicherheitskonferenz statt. Während der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz dort die „MAGA-Kultur“ der Trump-Regierung scharf kritisierte, distanzierte sich Meloni aus der Ferne von diesen Worten. Die Gräben zwischen Europa und den USA müssten verkürzt und nicht vergrößert werden, betonte sie. Ihr Verhältnis zum US-Präsidenten Donald Trump gilt als eng.
Meloni kündigte zudem in Adis Abeba an, dass Italien möglicherweise am Friedensrat von Trump teilnehmen werde. Italien wäre damit das erste größere EU-Land, das sich bei diesem Gremium engagiert. Man sei als Beobachter nach Washington eingeladen worden, sagte Meloni vor Journalisten laut dem staatlichen italienischen Nachrichtensender Rai News. Auf welcher Ebene Italien vertreten sein werde, müsse noch entschieden werden.


