Nahost

USA und Iran vor Verhandlungen in Islamabad: Die neuesten Entwicklungen

Vor den anstehenden Verhandlungen in Pakistan erhöhen der Iran und die USA den Druck. Washington rüstet Kriegsschiffe auf, Teheran stellt Bedingungen für den Beginn von Gesprächen.

US-Vizepräsident J.D. Vance, bevor er an Bord der Air Force Two geht, um zu Gesprächen über den Iran nach Pakistan zu fliegen.
US-Vizepräsident J.D. Vance, bevor er an Bord der Air Force Two geht, um zu Gesprächen über den Iran nach Pakistan zu fliegen.Jacquelyn Martin

Wenige Stunden vor dem geplanten Beginn von Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad hat der Iran eine bislang öffentlich nicht genannt Vorbedingung gestellt und US-Präsident Donald Trump erneut mit einer massiven militärischen Eskalation gedroht.

In einem Telefoninterview mit der New York Post erklärte Trump am Freitag, die im Nahen Osten stationierten US-Kriegsschiffe würden derzeit mit „der besten Munition und den besten Waffen, die je hergestellt wurden“ beladen. Sollte kein Abkommen zustande kommen, werde das Militär diese „sehr effektiv einsetzen“. Ob die Gespräche Erfolg haben, werde man „in etwa 24 Stunden“ wissen, so Trump.

Kurz zuvor war US-Vizepräsident JD Vance als Leiter der amerikanischen Delegation vom Luftwaffenstützpunkt Joint Base Andrews bei Washington aufgebrochen. Begleitet wird er von Sondergesandtem Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Vance warnte Teheran vor seiner Abreise: „Wenn die Iraner bereit sind, ernsthaft zu verhandeln, sind wir bereit, ihnen die Hand zu reichen. Wenn sie versuchen, Spielchen mit uns zu spielen, werden sie feststellen, dass unser Verhandlungsteam wenig aufgeschlossen dafür ist.“

Iran nennt Bedingungen für Verhandlungen

Ob die Gespräche überhaupt stattfinden, blieb am Freitag allerdings nicht abschließen geklärt. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der zusammen mit Außenminister Abbas Araghtschi als Unterhändler Teherans vorgesehen ist, stellte auf der Plattform X Vorbedingungen: Ein Waffenstillstand im Libanon und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte müssten „noch vor Beginn der Verhandlungen“ umgesetzt werden. Die Maßnahmen seien zuvor von beiden Seiten akzeptiert worden.

Die Freigabe des eingefrorenen Vermögens schien dabei zumindest öffentlich laut New York Times eine neue Vorbedingung zu sein. Zuvor hatte Ghalibaf bereits eine Waffenruhe im Libanon als Voraussetzung für die Gespräche genannt.

Streitpunkt Libanon und Straße von Hormus

Die Lage im Libanon, wo Israel trotz der vereinbarten Feuerpause massiv gegen die vom Iran finanzierte Hisbollah-Miliz vorgeht, bleibt einer der größten Streitpunkte. Israel und die USA bestreiten, dass die Waffenruhe auch für den Libanon gilt. Laut libanesischen Behördenangaben wurden seit Beginn der Iran-Feuerpause hunderte Menschen bei israelischen Angriffen getötet. Für die kommende Woche wurden in Washington separate Gespräche zwischen Vertretern Israels und der libanesischen Regierung angesetzt.

Nach mehr als fünf Wochen Krieg, der am 28. Februar mit US-israelischen Angriffen und der Tötung des iranischen Obersten Führers Ali Chamenei begonnen hatte, vereinbarten beide Seiten am Mittwoch eine zweiwöchige Feuerpause. Der Iran sagte grundsätzlich die Wiederöffnung der von ihm blockierten Straße von Hormus zu – einer für die Weltwirtschaft zentralen Meerenge, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gastransports verläuft.

Die inhaltlichen Differenzen bleiben jedoch enorm: Die USA haben einen 15-Punkte-Plan vorgelegt, der unter anderem die nachhaltige Einschränkung des iranischen Atom- und Raketenprogramms sowie die dauerhafte freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus fordert. Teheran kontert mit einem 10-Punkte-Plan, in dem der Iran die Kontrolle über die Meerenge für sich beansprucht, Durchfahrtsgebühren verlangt und die Aufhebung sämtlicher internationaler Sanktionen fordert. Trump warnte auf Truth Social ausdrücklich davor, Mautgebühren zu erheben: „Das sollten sie besser nicht tun.“

Verbündete koordinieren sich in London

Parallel zu den Verhandlungen in Pakistan bereitet Großbritannien ein weiteres Treffen vor. Wie die Nachrichtenplattform Politico unter Berufung auf einen britischen Regierungsvertreter berichtete, sollen in der kommenden Woche Vertreter aus 41 Ländern in London zusammenkommen, um über Maßnahmen zur Freigabe der Straße von Hormus zu beraten. Die Gespräche finden auf Ebene politischer Direktoren statt – eine Stufe unter dem Außenministertreffen vom 2. April.

Großbritannien betonte, Durchfahrtsgebühren seien inakzeptabel. Verteidigungsminister John Healey warnte, ein solcher Präzedenzfall könne „andernorts genutzt und missbraucht werden“. Premierminister Keir Starmer erklärte, er habe Trump in einem Telefonat am Donnerstag über die Pläne der Koalition informiert, die neben diplomatischen auch militärische Optionen zur Sicherung der Schifffahrt prüfe.