Ukraine-Krieg

„Kanonenfutter“: Kenia wirft Russland Rekrutierung von Staatsbürgern für Ukraine-Krieg vor

Kenianische Staatsbürger werden Berichten zufolge nach Russland gelockt und dann an die Front geschickt. Kenias Außenminister fordert Russland zum Handeln auf.

Der kenianische Außenminister Musalia Mudavadi
Der kenianische Außenminister Musalia MudavadiSebastian Christoph Gollnow/dpa

Die kenianische Regierung hat Moskau vorgeworfen, Staatsbürger des afrikanischen Landes nach Russland zu locken und an die Front in der Ukraine zu schicken. Außenminister Musalia Mudavadi bezeichnete das Vorgehen als „inakzeptabel und heimlich“, wie die BBC berichtete. Er sprach von einer „sehr bedauerliche Episode in den ansonsten sehr positiven und herzlichen Beziehungen“ zwischen den beiden Ländern.

Kenia werde Russland auffordern, ein Abkommen zu unterzeichnen, dass die Rekrutierung von Kenianern im Krieg verbietet, so Mudavadi. Er gab an, dass die kenianischen Behörden bereits mehr als 600 Personalvermittlungsagenturen geschlossen haben, die im Verdacht stehen, Kenianer mit falschen Versprechungen von Arbeitsplätzen ins Ausland gelockt zu haben.

Kenias Vize-Außenminister: „Es scheint ein Muster zu geben“

Die Regierung schätzt dem Bericht zufolge, dass rund 200 Kenianer für den Kampf auf russischer Seite rekrutiert worden sind. 27 Personen seien zurück nach Kenia gebracht worden, wo ihnen laut Mudavadi psychologische Betreuung angeboten wird.

„Diese Menschen werden als Kanonenfutter an der Front missbraucht“, sagte Kenias Vize-Außenminister Korir Sing'Oei der Nachrichtenagentur AFP. Er kritisierte: „Es scheint ein Muster zu geben, Menschen anzulocken und sie dann sterben zu lassen. Kein Kenianer würde sich freiwillig auf so etwas einlassen.“

Die AFP berichtete von einem Fall, in dem vier Männer ohne militärischen Hintergrund offenbar gezwungen wurden, Verträge mit der russischen Armee zu unterzeichnen. Dann wurden sie an die Front in der Ukraine geschickt, wobei drei von ihnen verletzt wurden. Die Männer seien davor jedoch davon ausgegangen, Jobs als Verkäufer, Leistungssportler oder Wachpersonal auszuüben.

Auch Südafrika ist betroffen. Das Büro des Präsidenten Cyril Ramaphosa teilte einem Reuters-Bericht zufolge am Dienstag mit, er habe während eines Telefonats mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin darüber gesprochen. Beide sicherten demnach „ihre Unterstützung für den Prozess der Rückkehr von Südafrikanern zu, die an der Seite russischer Streitkräfte in der Ukraine kämpfen“.

Die südafrikanische Regierung hatte im vergangenen November mitgeteilt, dass sich mindestens 17 Staatsbürger Südafrikas an der Front befinden sollen. Die Männer hatten demnach Hilferufe abgesetzt und darauf gedrängt, in ihr Heimatland zurückkehren zu können. (mit AFP)