Konflikte

Israel rechnet mit Krieg: USA und Iran kurz vor militärischer Eskalation

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran spitzen sich dramatisch zu. Israelische Regierungsstellen halten einen Krieg inzwischen für wahrscheinlicher als eine diplomatische Lösung.

Kapitän Daniel Keeler, Kommandant des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln, bereitet sich im Indischen Ozean auf einen Hubschrauberflug vor.
Kapitän Daniel Keeler, Kommandant des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln, bereitet sich im Indischen Ozean auf einen Hubschrauberflug vor.US Navy/AP

Israelische Regierungs- und Sicherheitskreise gehen nach Berichten der Times of Israel und der Nachrichtenagentur Reuters davon aus, dass die diplomatischen Bemühungen zwischen den USA und Iran vor dem Scheitern stehen. Die Differenzen über Irans Atomprogramm und regionale Aktivitäten seien aus israelischer Sicht nicht mehr zu überbrücken, sagten mit den Planungen vertraute Quellen.

In Jerusalem werde deshalb verstärkt mit einer militärischen Eskalation gerechnet. Israel bereite sich demnach auf ein mögliches gemeinsames Vorgehen mit den Vereinigten Staaten vor. Eine Entscheidung über einen Angriff sei allerdings noch nicht gefallen, hieß es.

Massive US-Truppenverlegung in die Region

Parallel dazu bauen die USA ihre militärische Präsenz im Nahen Osten weiter aus. Nach Angaben aus Diplomaten- und Sicherheitskreisen handelt es sich um eine der größten US-Truppenverlegungen in die Region seit dem Irakkrieg 2003. Mehrere Flugzeugträger, Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge seien in Stellung gebracht worden.

US-Präsident Donald Trump hatte Iran zuletzt öffentlich gewarnt, binnen zehn bis 15 Tagen einer Einigung über sein Atomprogramm zuzustimmen. Andernfalls drohten „sehr schlimme Dinge“. Teheran reagierte mit der Ankündigung, im Falle eines Angriffs US-Stützpunkte in der Region anzugreifen.

Gespräche festgefahren – Kernfragen ungelöst

Zwei Gesprächsrunden zwischen Washington und Teheran brachten bislang keinen Durchbruch. Streitpunkte sind vor allem die Urananreicherung, Irans Raketenprogramm sowie die Aufhebung von Sanktionen. Irans Außenminister Abbas Araghchi verweigerte Berichten zufolge zuletzt sogar die Annahme eines US-Vorschlags, der auch Beschränkungen für Raketen vorsah.

Zwar sagte Araghchi nach Gesprächen in Genf man habe sich auf „Leitprinzipien“ einigen können - dennoch erklärte das Weiße Haus, die Positionen lägen weiterhin deutlich auseinander. Der Iran kündigte an, in den kommenden Tagen ein eigenes schriftliches Gegenangebot vorzulegen.

Patt zwischen den USA und dem Iran

US-Medien zufolge prüfen die USA intern, ob Iran unter strengen Auflagen eine symbolische Urananreicherung erlaubt werden könnte, sofern jeder Weg zu einer Atombombe dauerhaft blockiert wird. In Washington und in der Region gilt jedoch als fraglich, ob ein solcher Vorschlag politisch tragfähig wäre. Ein ehemaliger US-Diplomat sprach gegenüber Reuters von einem klassischen Patt: Beide Seiten hielten an ihren roten Linien fest. Trump habe durch den massiven militärischen Aufmarsch den Handlungsspielraum zusätzlich verengt – ein Rückzug ohne greifbares Ergebnis würde als Gesichtsverlust gelten.

Israelische Vorbereitung – Golfstaaten alarmiert

Israelische und arabische Staaten am Golf bereiten sich laut Diplomaten auf eine mögliche militärische Konfrontation vor, die sich rasch ausweiten könnte. Ein weiterer Konflikt könnte nicht nur den Nahen Osten destabilisieren, sondern auch globale Folgen haben – etwa durch steigende Ölpreise und Risiken für den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus.

Zuletzt hatten die USA und Israel bereits im vergangenen Jahr iranische Militär- und Atomanlagen angegriffen. Ein erneuter Schlag wäre innerhalb weniger Monate die zweite direkte militärische Konfrontation mit Teheran.

US-Kongress könnte eingreifen

In den USA wächst unterdessen der Widerstand im Kongress. Abgeordnete beider Parteien prüfen erneut, ob Präsident Trump ohne ausdrückliche Zustimmung des Parlaments militärisch gegen Iran vorgehen darf. Eine entsprechende Abstimmung könnte bereits in der kommenden Woche stattfinden.

Ob es zu einem Angriff kommt, ist weiter offen. Doch in Jerusalem wie in Washington wächst die Einschätzung, dass die Phase der Abschreckung in eine Phase konkreter Entscheidungen übergeht.